Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
10.07.2018, 13:00

"Tour-Buch" vom Sunweb-Fahrer

Arndt zum Tour-Motto: "Born to fight!"

Nikias Arndt nimmt die Leser mit auf die 105. Tour de France und berichtet für den kicker direkt aus dem Fahrerfeld über die Tage in Frankreich und gibt Einblicke, was hinter den Kulissen abläuft. In seinem ersten Eintrag im "Tour-Buch" wirft der 26-Jährige einen Blick auf die schweren Verletzungen der ersten Tage. Wie hart ist der Radsport - auch im Vergleich zum Fußball? Wie wichtig sind die Radcomputer, speziell im Zeitfahren? Und wie fällt das erste Resümee des Sunweb-Teams aus?

Wir hart ist der Radsport - auch im Vergleich zum Fußball?

In Frankreich für das Team Sunweb unterwegs: Nikias Arndt.
In Frankreich für das Team Sunweb unterwegs: Nikias Arndt.
© imago

"Der Radsport ist definitiv ein harter Sport. Auf den ersten beiden Etappen hatten wir viele Stürze, wo einige Fahrer schwere Verletzungen davongetragen haben. Standardverletzungen sind tiefe und großflächig Schürfwunden, Schlüsselbeinbrüche oder auch andere Brüche. Auf der zweiten Etappe hatten wir leider auch zwei schwere Stürze wo Luis Leon Sanchez sich das Schlüsselbein gebrochen hat, daraufhin auch ausgestiegen ist und nicht mehr im Rennen ist.

Und Lawson Craddock, auch ein ehemaliger Teamkollege von mir, hat sich das Schulterblatt gebrochen, ist aber die Etappe zu Ende gefahren, auch im Mannschaftszeitfahren wieder an den Start gegangen. Gestern hat er geschrieben: 'Cyclists are born to fight' und das ist unser Motto. Wir haben in der Vergangenheit oft Fahrer mit Brüchen gesehen, die sich weiter durch die Etappen quälen, weil jeder Fahrer der hier an den Start geht, hat das Ziel Paris. Wir wollen alle durchkommen und da muss man sich halt auch mal durchkämpfen. Man muss halt gucken, wie weit es geht. Ich hoffe für Lawson, dass er gut durchkommt und dass er es weit schafft, aber es ist definitiv schwierig.

Lawson Craddock
Gezeichnet: Lawson Craddock fuhr mit gebrochenem Schulterblatt.
© imago

Es ein extremer Kontrast zum Fußball. Im Fußball ist es viel taktischer. Da lassen sich auch Spieler einfach hinfallen, um Zeit zu gewinnen, bzw. einen Freistoß zu bekommen. Das gibt's im Radsport nicht. Wenn wir stürzen, stürzen wir richtig und tragen schwere Verletzungen davon. Da wird sich keiner freiwillig auf dem Boden fallen lassen, um Zeit zu schinden. Ganz im Gegenteil: Jeder Sturz bedeutet Zeitverlust auf der Etappe und in der Gesamtwertung. Von daher heißt es für uns, auf dem Rad zu bleiben und wenn wir stürzen, dann bedeutet es natürlich auch Energieverlust für die nächsten Tage, den man dann wieder aufholen muss."

Wie wichtig sind die Fahrradcomputer? Wie läuft ein Teamzeitfahren?

"Fürs Mannschaftszeitfahren ist unser Leistungsmesser besonders wichtig, da wir da die Leistung extrem steuern müssen. Wir bekommen vorher einen Pacing Plan, wo das Team nach seiner Stärke eingeteilt wird. Je nachdem wie gut der Fahrer drauf ist, muss er eine längere Führung fahren oder die schwächeren Fahrer auch eine kürzere Führung.

Kampf gegen die Uhr: Das Team Sunweb beim Zeitfahren.
Kampf gegen die Uhr: Das Team Sunweb beim Zeitfahren.
© imago

Da ist es halt im Mannschaftszeitfahren extrem wichtig, dass wir vorne die hohen Wattzahlen fahren, was um die 600 Watt (Anm. d. Red.: Was bedeutet Wattleistung? Erklärung s.u.) in der Führung bedeutet. Hinten ist halt wichtig, möglichst dicht ans Hinterrad zu kommen, sich gut zu erholen und die Leistung so niedrig wie möglich zu halten. Das heißt, eine hohe Frequenz, schönen kleinen Gang und die Leistung probieren auf unter 300 Watt zu kriegen. Dafür sind die die Fahrradcomputer extrem wichtig. Wir fokussieren uns im Zeitfahren bzw. Mannschaftszeitfahren schon extrem auf den Radcomputer. Er ist halt einfach eine große Hilfe, um das Zeitfahren nicht zu überpacen, sondern es von Anfang bis Ende gut zu steuern und ein gleichmäßiges Zeitfahren hinzubekommen, um im Ziel halt immer noch die Power zu haben, um mit einer guten Geschwindigkeit zu finishen."

Resümme: Ein Trikot und Dumoulin ist vorne dabei

"Die ersten drei Tage der Tour de France haben wir gut hinter uns gebracht. Die dritte Etappe war ganz spezieller Tag. Wir hatten das Mannschaftszeitfahren auf dem Plan, was immer eine besondere Herausforderung ist, weil man auf den Punkt fit sein muss und das Team zusammenhalten muss.

Für uns war es besonders wichtig, keine Zeit im Gesamtklassement mit Tom Dumoulin zu verlieren Die Herausforderung haben wir gut gemeistert. Wir sind Fünfter geworden, das war nicht das beste Ergebnis, aber wir sind damit auf jeden Fall zufrieden. Das wichtigste ist, wir haben auf den Sieger nur elf Sekunden verloren und haben Tom jetzt auf Platz sieben in der Gesamtwertung sitzen, was und eine super Ausgangsposition für die nächsten Tage verschafft. Und als kleinen Bonus dazu, gab es heute das Weiße Trikot des besten Jungprofis für Sören Kragh Andersen. Es ist natürlich schön bei der Tour ein Trikot im Team zu haben und das als kleine Belohnung zu bekommen."


Nikias Arndt
Nikias Arndt
© imagoZoomansicht

Nikias Arndt ist gebürtiger Niedersachse, war in seiner Jugend vornehmlich auf der Bahn unterwegs und auch erfolgreich. 2010 wechselte er dann auf die Straße zum Team LTK Brandenburg, das sich die Ausbildung von U-23-Fahrern auf die Fahnen geschrieben hat. 2013 zog es ihn dann zur damaligen Equipe Argos-Shimano. Arndts Stärken liegen bei Eintagesrennen sowie im Sprint. Im Massenspurt feierte er auch seine bisher größten Erfolge. So im Jahr 2016, als er die 21. Etappe des Giro für sich entscheiden konnte. Ein Jahr später gewann er ebenfalls im Spurt mit dem Cadel Evans Ocean Road Race sein erstes Eintagesrennen auf der UCI-WorldTour. Bei der Tour de France, bei der er in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei ist, war ein 2. Rang auf der 19. Etappe im vergangenen Jahr sein bisher bestes Ergebnis.


* Was bedeutet Wattleistung im Radsport?

Die Leistung in Watt erlaubt es im Radsport, nicht nur das Ergebnis der Aktivität zu messen (Zeit oder Geschwindigkeit), sondern die tatsächlich verrichtete Arbeit. Je mehr Leistung, desto schneller kann man das Fahrrad bewegen und beschleunigen, sei es im Flachen oder bergauf. Profis können für eine Stunde zwischen 350 und 450 Watt erbringen. Abhängig ist dies vor allem vom Gewicht: Je schwerer ein Fahrer, desto größer die absolute Leistung.

Zum Vergleich: Gut trainierte Hobbyfahrer können für die gleiche Zeit je nach Gewicht 275 bis 320 Watt auf die Pedale bringen.

Video zum Thema
TdF 2018- 10.07., 00:22 Uhr
BMC gewinnt Teamzeitfahren und holt Gelb
Auf der dritten Etappe der Tour de France gewann das BMC Racing Team nicht nur das Mannchaftszeitfahren, sondern durch den Belgier Greg van Avermaat auch das Gelbe Trikot.
Alle Videos in der ÜbersichtAlle Videos per RSS
 

Community

Die aktuellsten Forenbeiträge
Unfassbar, von: Blaubarschbube - 19.09.18, 06:54 - 0 mal gelesen
Re: Kein Schalke/Dortmund Thread? von: Blaubarschbube - 19.09.18, 06:50 - 2 mal gelesen
Re (4): Weisste... von: Linden06 - 19.09.18, 04:44 - 22 mal gelesen

Schlagzeilen

Facebook

Livescores

kicker

Lesen Sie die aktuelle kicker-Ausgabe vor allen anderen auf Ihrem Tablet oder Smartphone!
noch vor Verkaufsstart verfügbar: Lesen Sie die Montagsausgabe schon Sonntagabend
mit unserem Abo-Service verpassen Sie garantiert keine Ausgabe
bequeme und sichere Bezahlung über Ihren Appstore-Account
mühelos und in Sekunden-
schnelle geladen!
   

TV Programm

Zeit Sender Sendung
07:30 SKYBU Fußball: Bundesliga
 
08:00 SKYS1 Fußball: UEFA Champions League
 
08:15 SKYS2 Handball: DKB Bundesliga
 
08:20 SDTV Shanghai SIPG FC - Guangzhou Evergrande
 
08:30 EURO Motorrad
 

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein FußballQuiz eMagazine