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02.07.2018, 19:14

Radsport konterkariert Kontrollsystem

Froome ist kein Gewinner

Der uneingeschränkte König in der Sportwelt? Klar, der Fußball - und so lässt der Radsport mit der Tour de France sein bedeutendstes Ereignis eine Woche später als üblich stattfinden, um der Fußball-WM ein Stück weit auszuweichen. Wird natürlich nichts daran ändern, dass das Spiel mit dem Ball in Sachen Öffentlichkeitswirkung weit, weit voraus bleibt. In einem anderen Punkt lässt der Radsport dieser Tage dem König jedoch keine Chance - und zwar beim Thema Eigentore.

Stand zuletzt nicht aus sportlichen Gründen im Fokus: Chris Froome.
Stand zuletzt nicht aus sportlichen Gründen im Fokus: Chris Froome.
© imagoZoomansicht

Gut, auch in Russland ist schon das eine oder andere gefallen, aber das ist gar nichts im Vergleich dazu, welches der Weltradsportverband UCI nun mit dem Fall Chris Froome geschossen hat. Vor über neun Monaten wurde dem britischen Ausnahmefahrer bei seinem Sieg der Vuelta nachgewiesen, dass er bei einer Etappe den erlaubten Wert des Asthmamittels Salbutamol um fast das Doppelte überschritt. Dieser Umstand an sich ist laut den Statuten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA noch kein Doping, sieht aber zwingend eine Verhandlung vor. Bis dahin darf der betreffende Fahrer aber Rennen bestreiten, allerdings unter Vorbehalt und auf die Gefahr hin, nachträglich gesperrt zu werden.

Über neun Monate lang hat die UCI es nicht geschafft, besagte Verhandlung anzuberaumen - zu verworren und kompliziert sei die Angelegenheit. Und deswegen sei es eher unwahrscheinlich, dass die Causa noch vor der Tour geklärt werden könne, ließ UCI-Präsident David Lappartient im Mai nach dem Giro Italia verlauten, den Froome für das britische Team Sky fahrende Froome erstmals gewinnen konnte. Eine sehr, milde ausgedrückt, komische Erklärung: hier ein erhöhter Wert, dort ein Athlet, der diesen erklären muss, um eine nachträgliche Sperre zu vermeiden. Was daran kompliziert sein soll, erschließt sich einem beim besten Willen nicht. Dass sich das Verfahren selbst mitsamt der Urteilsfindung schwierig gestalten kann, steht auf einem anderen Blatt. Zumal Froome nachweislich seit seiner Kindheit an Asthma leidet.

Der Tour-Veranstalter ASO jedenfalls mochte sich jenes Trauerspiel nicht mehr länger anschauen, machte Ende der vergangenen Woche von seinem "Hausrecht" Gebrauch und belegte Froome mit einem Startverbot - die Aussicht, eventuell in gut drei Wochen einen Sieger zu küren, dem nachträglich dieser Sieg dann aberkannt werden könnte, schreckte die mächtige ASO.

Und siehe da, der Weltradsportverband schaffte binnen weniger Tage das, was er zuvor in über neun Monaten nicht schaffte, und zwar die Causa Froome zu verhandeln. Prompt ging es auch mit dem Urteilsspruch trotz angeblich mehr als 150 prall gefüllten Aktenordnern ruckzuck: Der viermalige Toursieger, vertreten von namhaften Londoner Anwälten, wurde freigesprochen. Der Athlet freute sich, sein Team Sky freute sich, auch die ASO freute sich und zog sein Startverbot sofort zurück. Ende gut, alles gut?

Von wegen, ein fader Beigeschmack bleibt. Wegen der urplötzlichen Rasanz und auch wegen der höchst dürftigen Begründung der UCI: Froome habe nachweisen können, dass "sein abnormales Ergebnis die Folge einer erlaubten Verwendung war". Etwas mehr Details wären nicht schlecht gewesen, zumal die UCI in gleich gelagerten Fällen, siehe bei Diego Ulissi, eine Sperre aussprach.

Sieger? Fehlanzeige! Das beginnt mit dem Radsport an sich. Seine großen Bemühungen im Kampf gegen Doping in den vergangenen Jahren, sein selbstauferlegtes engmaschiges Kontrollsystem, die Transparenz der meisten Teams - all dies wird durch einen einzigen prominenten, miserabel gehandelten Fall konterkariert. Was leicht zu verhindern gewesen wäre.

Und auch Froome ist kein Gewinner. Selbst wenn er absolut zu Recht freigesprochen wurde, wird nun ein Aber mehr denn je sein steter Begleiter sein. Und da nützt es auch nichts, dass sich Sportmediziner nicht einig darüber sind, ob sich sein Zuviel am Asthmamittel Salbutamol überhaupt leistungssteigernd auswirkte. Das einzige Positive. Die Ungewissheit ist vorbei.

Christian Biechele

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