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17.07.2017, 09:28

Rückblick auf den Maratona dles Dolomites

Wiggins "geschlagen" und doch klar besiegt

Die Jedermannszene im Radsport erfreut sich größter Beliebtheit. Kein Wunder, dass die meisten Alpenmarathons schnell ausgebucht sind. Wenn der Hobbysportler Glück hat, darf er sich dort mit einstigen Größen aus der Profiszene messen. kicker-Redakteur Christian Biechele hatte dabei das Vergnügen, ein virtuelles Rennen mit dem einstigen Tour-Sieger Bradley Wiggins auszutragen. Der Brite hat indes neue Ziele und möchte nochmal zu den Olympischen Spielen - als Ruderer.

Bradley Wiggins
Genießt neuerdings das Radfahren und das Panorama: Ex-Tour-Sieger Bradley Wiggins (rechts).
© sportografZoomansicht

Ist es möglich, mehrmals durch eine der imposantesten und schönstens Gegenden auf diesem Planeten zu radeln, ohne diese auch nur ansatzweise bewusst wahrzunehmen? Und dies bei bester Gesundheit und klarem Verstand, sei ausdrücklich betont, nicht, dass jetzt der eine oder andere auf den Gedanken kommt, dass es sich hier um ein After-Party-Programm der speziellen Art handeln könnte.

Doch zurück zur Frage: Ja, ist möglich. Voraussetzung ist allerdings, dass Mann oder Frau ihren Lebensunterhalt mit Radrennen verdienen. Dazu bitten wir Sir Bradley Wiggins, fünfmaligen Goldmedaillen-Gewinner und Sieger der Tour de France 2012, in den Zeugenstand. "Ich habe mir versichern lassen, dass ich anlässlich des Giro d'Italia schon mehrmals hier in der Region unterwegs war. Aber ehrlich gesagt, da hatte ich von der Gegend selbst eigentlich gar nichts mitbekommen", gibt der Engländer zu Protokoll, der sich seit Beginn des Jahres im Profi-Ruhestand befindet.

Somit ist es zwar eine Rückkehr gewesen, und doch hat der 37-Jährige gleichzeitig Neuland betreten, als er Anfang Juli dem im Herzen der Dolomiten gelegenen Alta-Badia-Tal einen Besuch abstattete. Der Anlass ist freilich wieder ein Radrennen gewesen, doch da ist es für ihn nicht um den Sieg und schon gar nicht um Sekunden gegangen, sondern einzig und alleine, um "den Spaß am Radfahren". Dass sich der Profi-Pensionär dafür die 31. Auflage der Maratona, einer der größten und bekanntesten Jedermann-Radmarathons Europas, ausgesucht hat, hängt mit der Radmarke seines ehemaligen Rennstalls Teams Sky zusammen. Pinarello, eine der vielen traditionsreichen italienischen Radfirmen, ist einer der Hauptsponsoren der Maratona - und hatte Wiggins eingeladen.

Bei sechs Grad geht es um 6.30 Uhr los

Und so ist einer der erfolgreichsten Radsportler aller Zeiten einen Tag vor dem Rennen in Corvara gestanden - am Fuß des zum Unesco-Weltkulturerbes ernannten Sella-Gebirgsstocks, den er tags darauf zu umrunden hat. "Ich freue mich darauf, nicht mehr den Druck zu haben, irgendein Hinterrad halten zu müssen. Morgen heißt es, das Radfahren und das herrliche Panorama zu genießen."

Letzteres hält sich am Renntag selbst zunächst im Wortsinn bedeckt, beim Start um 6.30 Uhr sind die Wolken dicht und die Temperaturen bei 6 Grad niedrig, was einen Engländer natürlich nicht schrecken kann. Und so ist der Sir einer der mehr als 9000 Teilnehmer aus allen Kontinenten, die bei der Maratona an den Start gehen. Dabei stehen mit 55 Kilometer/1700 Höhenmeter, 106 Kilometer/3100 Höhenmeter und 138 Kilometer/4300 Höhenmeter auf der Strecke drei Varianten zur Auswahl, der Olympiasieger wählt die mittlere, seine ihn begleitende Frau mag er nicht allzu lang warten lassen.

Der Tour-Sieger-2012 mag noch so oft betonen, dass er die Maratona nicht als Wettkampf, sondern als Ich-drehe-mal-eine-Runde-mit-dem-Rad angeht, so können die meisten Hobbyradler doch der Versuchung nicht widerstehen, sich mit Wiggins zumindest ein virtuelles Rennen zu liefern. Die Zeitmessung mit ihren exakt festgehaltenen Durchgangszeiten lässt grüßen. Dass die den einen (Wiggins) so viel interessieren wie der so oft erwähnte umfallende Reissack in China, schmälert für die anderen 8999 den Reiz nicht wirklich. Denn: Wann hat als Wald-, Feld- und Wiesenradler schon mal die Gelegenheit, sich mit einer Radsport-Legende so konkret zu vergleichen?

Ich habe das Rennen sehr genossen. Es war sehr hart, ich hatte vergessen, wie schwierig die Steigungen hier sind.Bradley Wiggins

kicker-Redakteur und Hobbyradler Christian Biechele
kicker-Redakteur und Hobbyradler Christian Biechele
© sportografZoomansicht

Und so verwundert es nicht, dass sich auch der kicker-Testpilot diese Chance nicht entgehen ließ, als am Tag nach dem Rennen die Zeiten aller Teilnehmer ins Netz gestellt worden sind. Gut, ein Eins-zu-eins-Vergleich ist nicht möglich gewesen, da der kicker-Mann wie die meisten die lange Variante unter die Reifen genommen hatte. Also, dann nur bis zum letzten gemeinsamen Messpunkt. Und der ist nach der Umrundung des Sella-Stocks, der zweiten Durchfahrt von Corvara und der erneuten Auffahrt auf den 5,8 Kilometer langen, im Schnitt 6,1 Prozent steilen Campolongo auf der Passhöhe gelegen. Dort, nach rund 60 absolvierten Kilometern und gut 2000 erkletterten Höhenmeter auf identischer Strecke ist die Uhr für den Sir nach 3,17 Stunden stehen gebliebenen, der kicker-Mann hat 16 Minuten weniger gebraucht.

Jubel, ein Hurra auf den "Sieg"!? Von wegen, auch exakt gemessene Zeiten können manchmal lügen. Wiggins ist, wie bereits erwähnt, nicht nur locker gefahren, sondern hat zunächst auch seiner Frau Cathy Begleitschutz gewährt. "Sein" virtueller Gegner indes latschte vom Start weg in die Pedale, was seine Beine hergaben, locker war da nix - schließlich jagte er in der Realität einen Gegner, der zwar auf dem Papier so was von nicht der Rede wert ist, sich aber real auf den Straßen Südtirols als brutaler Rivale entpuppte: Er kämpfte nämlich gegen sich selbst, jagte sich, beziehungsweise seine bisherige Bestzeit, die es zumindest zu halten galt. Doch da halfen kein Auf-die-Zähne-beißen und kein noch so wildes Ziehen am Lenker, das Vorhaben scheiterte krachend. Zehn Minuten fehlten am Ende - und danach wie auch die darauffolgenden Tage jedwede Frische.

Und der berühmteste Teilnehmer? "Ich habe das Rennen sehr genossen. Es war sehr hart, ich hatte vergessen, wie schwierig die Steigungen hier sind", meinte der Ex-Profi unmittelbar nach seiner Maratona-Premiere. Nun ja, "sehr hart" für ihn? Der Ex-Profi spazierte nach seiner Gesamtzeit von 5.05 Stunden jedenfalls völlig relaxt durch den Zielbereich.

Wiggins liebäugelt mit Olympischen Spielen 2020

Sein nächstes Projekt indes hat ohne jeden Zweifel etwas von "sehr hart": Der ehemalige Radsportler, der bei Olympischen Spielen auf der Bahn viermal Gold und auf der Straße beim Zeitfahren einmal Gold gewann, liebäugelt mit einer Teilnahme bei den Sommerspielen in Tokio 2020. Als Ruderer. Ende dieses Jahres wagt er sich an die britischen Ruderergometer-Meisterschaften - mit dem Fernziel Tokio. Und dass er dann in Japan nicht nur dabei sein will, sondern sich Chancen auf sein sechstes Edelmetall ausgerechnet, hat er unlängst durchblicken lassen. Seine Zeiten, so verriet er, seien jedenfalls so, dass dieses Vorhaben nicht ganz so wahnsinnig sei, wie es klinge. Was Fakt ist: Der 1,90-Meter-Mann muss dafür noch gewaltig an Muskeln zulegen, rund 100 Kilo gilt es auf die Waage zu bringen. Seinen Tour-Sieg fuhr der 190-Meter-Mann hohlwangig und mit vergleichsweise dünnen Ärmchen mit 69 Kilos ein. Bei der Maratona dürfte er rund zehn Kilo mehr gehabt haben.

Christian Biechele

 

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