Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Nicht registriert?

23.04.2013, 19:00

Henns Aussagen bringen keine Erkenntnisse

Schlagabtausch zwischen Schumacher und Holczer

Am dritten Verhandlungstag wurde es vor dem Amtsgericht Stuttgart emotional. Der wegen Betrugs angeklagte ehemalige Radprofi Stefan Schumacher nannte versehentlich den Namen eines angeblichen Doping-Arztes - und musste sich von seinem ehemaligen Teamchef Hans-Michael Holczer als "fremdgesteuerten Idiot" bezeichnen lassen.

Hans-Michael Holczer
Hans-Michael Holczer im Saal des Stuttgarter Landgericht.
© picture allianceZoomansicht

Stefan Schumacher war sauer. "Ich hatte den Knopf am Mikro schon gedrückt, aber es war dann schlauer, nicht das zu sagen, was ich wollte", sagte der wegen Betrugs angeklagte Radprofi am Dienstag nach dem dritten Verhandlungstag vor demLandgericht Stuttgart. Sein Anwalt Dieter Rössner habe ihn zurückgehalten, nachdem sein ehemaliger Teamchef Hans-Michael Holczer sich zuvor emotional und lautstark über Schumacher ausgelassen hatte und ihn zum Abschluss einen "fremdgesteuerten Idiot" nannte.

Allerdings hatte auch Schumacher sich in Saal eins nicht immer im Griff - und verriet so ungeplant erstmals den Namen eines angeblich am Doping beteiligten Arztes des damaligen Teams Gerolsteiner. "Das kam aus der Emotion", sagte der 31-Jährige. "Es sind nicht nur die anderen Schuld. Er ist immer nur das Opfer", beschwerte er sich über den zweiten Teil von Holczers Aussagen vor Gericht. Der Mediziner wollte sich zu den Anschuldigungen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht äußern. Holczer muss als Zeuge am nächsten Verhandlungstag ein drittes Mal in Stuttgart aussagen.

- Anzeige -

Henns Aussagen bringen keine Erkenntnisse

Schon vor den Kontrollverlusten Holczers und Schumachers hatten sich im Betrugsprozess Widersprüche ergeben. Der ehemalige Sportliche Leiter des Teams Gerolsteiner, Christian Henn, hatte am Vormittag ausgesagt, Doping sei im Team "kein Thema" gewesen. Holczer gab wenige Stunden später zu Protokoll: "Das Thema Doping ist in dieser Mannschaft relativ offen angesprochen worden." Er habe die Mannschaft deutlich und mehrfach darauf hingewiesen, Doping zerstöre den Radsport.

Henn gab an, er habe weder den Verdacht gehabt, dass Fahrer im Team gegen Dopingregeln verstoßen, noch habe er sich mit jemandem über leistungssteigernde Methoden unterhalten. Auch bei anderen Themen, wie dem Zugang zu Medikamentenboxen oder den Gebrauch von Messgeräten, gingen die Aussagen auseinander.

Der 49 Jahre alte Ex-Telekom-Profi Henn vermittelte vor Gericht den Eindruck, über viele Abläufe im Radteam nicht informiert gewesen zu sein. Auf Fragen antwortete er häufig mit "Davon weiß ich nichts". Dass zahlreiche Fahrer dopen würden, unter anderen Schumacher, habe er nicht bemerkt. "Wie hätte mir das auffallen sollen?" Auf die Frage, ob er der Meinung gewesen sei, weil das Blutdopingmittel Epo nachweisbar war, habe es kein Fahrer mehr benutzt, antwortete Henn: "Kann man so sagen, ja."

Schumacher greift Henn an

In der Befragung durch Schumachers Anwälte musste Henn allerdings eingestehen, dass er zumindest von dem Mittel "Nitro" (Nitrolingual) durch Gespräche im ehemaligen Team Gerolsteiner erfahren habe. Nach Angaben von Schumacher, der Doping vor dem Prozess in Interviews gestanden hatte, nutzen Radfahrer die Substanz, um im Endspurt mehr Leistung bringen zu können.

Nach Henns Befragung durch das Gericht ergriff Schumacher noch vor seinen Verteidigern das Wort. Er warf Henn vor, "Unsinn" zu reden. Der Schwabe versuchte, seinen ehemaligen Sportchef, der 1999 selbst positiv getestet worden war und deswegen seine Radsportkarriere beendete, an geführte Gespräche über die optimale Doping-Dosierung zu erinnern. Auch habe es bereits vor der Tour de France 2008 einen Hinweis von der Teamleitung an die Fahrer gegeben, dass das Blutdopingmittel CERA nachweisbar sei.

Henn bestritt diese Gespräche. Er habe von CERA erstmals an jenem Tag gehört, als der Italiener Riccardo Ricco bei der Tour erwischt worden sei. Da Schumacher auf die Nachweisbarkeit des Mittels nervös reagiert habe, sei er in der Folge von Holczer, Teamarzt Mark Schmidt und ihm zur Rede gestellt worden. In diesem Punkt decken sich die Aussagen von Holczer, Schumacher und Henn.

Henn konnte nicht erklären, warum in einem von ihm "zu einem späteren Zeitpunkt" angefertigten Gedächtnisprotokoll der Unterredung unterschiedliche Schriftgrößen auftauchten. Auch für einen handschriftlichen Vermerk "von Henn" hatte er keine Erklärung. Er selbst habe die Notiz nicht gemacht. Holczer gab später an, von ihm stamme der Vermerk auch nicht.

Holczer musste kurz vor dem Ende der Verhandlung zugeben, sich über die Zeugenaussagen von Henn am Vormittag informiert zu haben. Der Prozess wird mit seiner Befragung durch die Verteidigung am kommenden Dienstag (09.15) fortgesetzt. (dpa)

23.04.13
 
- Anzeige -
- Anzeige -

Schlagzeilen

Community

Die aktuellsten Forenbeiträge
Re (4): HSV raus! von: Blackduck - 24.11.14, 08:09 - 0 mal gelesen
Re (11): Wolfgang Stark von: alemao82 - 24.11.14, 08:05 - 9 mal gelesen
Re (3): Thorsten Kinhöfer von: GECKO4 - 24.11.14, 07:55 - 24 mal gelesen

Facebook

Livescores

kicker-sportmagazin

Lesen Sie die aktuelle kicker-Ausgabe vor allen anderen auf Ihrem Tablet oder Smartphone!
noch vor Verkaufsstart verfügbar: Lesen Sie die Montagsausgabe schon Sonntagabend
mit unserem Abo-Service verpassen Sie garantiert keine Ausgabe
bequeme und sichere Bezahlung über Ihren Appstore-Account
mühelos und in Sekunden-
schnelle geladen!
   

TV Programm

Zeit Sender Sendung
08:30 EURO Snooker
 
08:50 SDTV FC Groningen - PSV Eindhoven
 
09:00 SKYBU Fußball: Bundesliga
 
09:10 HR3 Sportschau Bundesliga am Sonntag
 
09:30 EURO Curling
 
- Anzeige -

- Anzeige -