Eigentlich lautet der Spitzname von Mailand - San Remo "La Primavera" - die Fahrt in den Frühling. Davon aber konnte am Sonntag keine Rede sein. Ein Wintereinbruch mit Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung.
Denn das mit 298 Kilometer eigentlich längste Eintages-Rennen im WorldTour-Kalender musste verkürzt werden. Nach rund 120 Kilometern vom Start weg in Mailand wurde das Rennen in Ovada neutralisiert. Die Fahrer stiegen in bereitstehende Busse ein, um rund 50 Kilometer an die ligurische Küste nach Varazze zurückzulegen. So fehlte in diesem Jahr der Passo Turchino im Programm. Die ligurischen Seealpen waren von einer weißen Pracht bedenkt, in knapp 600 Metern Höhe war an Radfahren nicht zu denken.
Aber auch als es in Varazze weiterging, war das Wetter nur unwesentlich besser. Statt Schnee gab es Regen, empfindlich kalt war es immer noch. Immer wieder kam es auf den nassen Straßen zu Stürzen. Die schwierigen Bedingungen forderten ihre Opfer, etliche Fahrer gaben auf. Unter anderem Tom Boonen (OmegaPharma-Quickstep), der seinen Ausstieg ausdrücklich als Protest gegen die Austragung des Rennens unter diesen Bedingungen verstanden wissen wollte. Adam Hansen aus Andre Greipels Lott-Belisol-Team hatte nur noch Spott übrig: "Wir sind wie die Tiere im Zoo", so der Australier.

Nach dem Ende der Neutralisation wurde eine sechsköpfige Spitzengruppe mit über sieben Minuten Vorsprung auf die Strecke geschickt. Als es aber in den vorletzten Anstieg, den Cipressa ging, wurden die Ausreißer wieder gestellt.
Anschließend formierte sich eine größere Spitzengruppe mit etlichen Favoriten. Auf der Abfahrt vom Poggio kristallisierte sich dann eine sechsköpfige Spitzengruppe heraus. Neben Ciolek, Sagan und Cancellara gehörten dazu noch Sylvain Chavanel, Luca Paolini und Ian Stannard. Dieses Sextett machte den Sieg unter sich aus, Ciolek hatte die meisten Reserven und wies Sagan hauchdünn in die Schranken.
"Das ist riesig. Ich war in der komfortablen Situation, dass ich nicht der Topfavorit war und alle auf Sagan geachtet haben. Ich war im Schlussspurt genau in der richtigen Position. Auf dem Poggio davor hatte ich gemerkt, dass es heute klappen könnte", kommentierte Ciolek den größten Erfolg seiner Karriere.
Ciolek ist nach Erik Zabel und Rudi Altig erst der dritte deutsche Radfahrer, der das prestigeträchtige Rennen gewinnen konnte. Aber auch Cioleks Vorgänger Zabel sah sich durch den Erfolg des 26-Jährigen bestätigt. Als einziger Experte hatte der Sieger von 1997, 1998, 2000 und 2001 Ciolek als Sieger auf der Rechnung.
"Ich glaube, wir haben heute alles richtig gemacht. Eigentlich wollten wir gleich nach dem Rennen nach Hause fahren. Aber Gerald wird wohl seinen Flug canceln und wir werden hier ein bisschen feiern. Darauf waren wir nicht vorbereitet", sagte Qhubeka-MTN-Teamchef Jens Zemke.
1. Gerald Ciolek (Köln/MTN) 5:37:20 Stunden, 2. Peter Sagan (Slowakai/Cannondale), 3. Fabian Cancellara (Schweiz/Radio Shack), 4. Sylvain Chavanel (Frankreich/Quick Step), 5. Luca Paolini (Italien/Großbritannien), 6. Ian Stannard (Großbritannien/Sky), 7. Taylor Phinney (USA/BMC) (alle gleiche Zeit) , 8. Alexander Kristoff (Norwegen/Katjuscha), 9. Mark Cavendish (Großbritannien/Quick Step) 10. Bernard Eisel (Österreich/Sky) ... 18. John Degenkolb (Gera/Argos) alle 0:14 Minuten zurück, 56. Danilo Hondo (Guben/Radio Shack) 5:13, 58. Andre Greipel (Rostock/Lotto), 79. Simon Geschke (Berlin/Argos) beide gleiche Zeit, 82. Paul Martens (Rostock/Blanco) 8:59, 84. Johannes Fröhlinger (Gerolstein/Argos) 9:20, 87. Fabian Wegmann (Münster/Garmin) gleiche Zeit, 91. Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel/Lotto) 11:29, 119. Björn Thurau (Frankfurt/Europcar) 11:49, 128. Andreas Stauff (Frechen/MTN) 13:09, 131. Dominic Klemme (Markekleeberg/United Healthcare) gleiche Zeit, nicht im Ziel: Martin Reimer (Cottbus/MTN)
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