Wie auf der Website Winfreys zu lesen ist, soll das Interview im Hause Armstrongs in Austin (Texas) stattfinden. Armstrong soll im ersten Interview seit seiner Strafe auch zum Thema Dopingskandal Stellung beziehen.
In der 90-minütigen Sondersendung werden die "Jahre der Betrugsvorwürfe und der Verfolgung wegen der Lügen zum Gebrauch von Dopingmitteln", zur Sprache kommen, kündigte Winfrey an.
Für Spannung ist also gesorgt. Immerhin äußert sich Armstrong seit der Aberkennung seiner sieben Tour-Titel und der lebenslangen Sperren erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Bisher wies er jeglichen Dopingmissbrauch weit von sich und bekämpfte seine Kritiker mit teils harten Bandagen.
Ob Armstrong aber tatsächlich der "Beichtmutter der USA" die Wahrheit erzählen wird, bleibt abzuwarten. Und selbst wenn, kommt es auch auf das Geständnis an. Denn dass Armstrong während seiner Karriere zu unerlaubten Mitteln griff, gilt seit den Ermittlungen der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) und den darauf folgenden Urteilen eigentlich als Usus. Die reine Zugabe des Doping-Missbrauchs stellt in diesem Sinn nichts Neues dar. Wenn er jedoch richtig auspackt und auch die Hintermänner des Systems benennt, könnte dem Radsport dann tatsächlich das von Jörg Jaksche skizzierte "Sabbath-Jahr" drohen.
Allerdings könnte er die Plattform, die ihm die in den USA unglaublich beliebte und einflussreiche Oprah Winfrey bietet auch dazu nutzen, aus der Defensive zu kommen. Denn bisher verhielt er sich entgegen seiner sonstigen Art in den letzten Wochen und Monaten seltsam passiv. Nun könnte er zum Beispiel in Form einer Verschwörungstheorie eine neue Abwehrstrategie präsentieren.
Angesichts der Ankündigung Winfreys ging ein anderes Detail aus dem "System Armstrong" fast unter. Denn wie USADA-Boss Travis Tygart am Dienstag (Ortszeit) berichtete, habe Armstrong im Jahr 2004 dem Gremium eine Spende in Höhe von 250.000 Dollar angeboten. Tygart sei "geschockt" gewesen: "Wir haben nicht gezögert, das Angebot zurückzuweisen. Das war ein klarer Interessenskonflikt für uns", sagte er. Tygart beschrieb die Struktur des Systems Armstrong als der "Mafia" ähnlich und äußerte sich nochmals ausführlich zu den von der USADA gesammelten Erkenntnissen.
Armstrongs Anwalt Tim Herman wies noch am Mittwoch via US-Medien den Vorwurf zurück. "Da ist nichts Wahres dran. Lance hat heute das erste Mal davon gehört. Er hat so ein Angebot nie gemacht", sagte Herman.
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