Der deutsche Radsport-Nachwuchs ist am Samstag in Valkenburg leer ausgegangen. Über die 177,1 Kilometer auf einem Rundkurs hatten die Starter des BDR mit der Entscheidung nichts zu tun. Im Sprint einer 52 Mann starken Spitzengruppe kamen Michel Koch, Nikias Arndt und Rick Zabel nicht über die Ränge 25, 29 und 36 hinaus. Emanuel Buchmann und Jasha Sütterlin kamen mit Rückstand ins Ziel und lagen im Klassement weit zurück.
Vier Fahrer bestimmten als Ausreißer zunächst lange Zeit das Rennen. Bei der letzten Überquerung des Caubergs wurde das Quartett dann geschluckt. Auf den restlichen 1,5 Kilometern schaffte es dann niemand mehr, sich von der Spitzengruppe abzusetzen, so dass der Massensprint über den Sieger bestimmen musste.
Rick Zabel war mit seinen 18 Jahren hinter dem Niederländer Bryan van Rutten der zweitjüngste Fahrer. Der Sohn von Sprinter-Legende Erik Zabel konnte im Finale seinen mehrheitlich deutlich älteren Konkurrenten nichts mehr entgegensetzen: "Der Sprung von den Junioren in den U 23-Bereich ist heftig. Das hat Rick heute gemerkt. Am Ende war er vielleicht ein bisschen enttäuscht, weil er nicht mehr die Kraft für einen Sprint hatte. Aber er kam als einer der Jüngsten immerhin in der ersten Gruppe an", sagte Zabel senior.
Die meisten Körner hatte noch der Kasache Alexej Luzenko, der knapp vor dem Franzosen Bryan Coquard und dem Belgier Tom van Asbroeck die Ziellinie überquerte.
Am Nachmittag fand dann das Rennen der Frauen statt. Und die Top-Favoritin Marianne Vos feierte einen überlegenen Sieg. Die Niederländerin setzte sich als Solistin nach 129 Kilometern in 3:14,29 Stunden vor der Australierin Rachel Neylan (+ zehn Sekunden) und der Italienerin Elisa Longo Borghini (+ 18 Sek.) durch.
Zu Beginn brachte ein Sturz viel Unruhe in das Peloton. Zum Glück konnten alle Fahrerinnen das Rennen fortsetzen. Vos attackierte dann drei Runden vor dem Ende und schloss zu einer sechsköpfigen Spitzengruppe auf, der zunächst auch Charlotte Becker angehörte. Als es zum letzten Mal den Cauberg hinaufging, attackierte Vos unter dem Jubel von Zehntausenden von Zuschauern und fuhr einen ungefährdeten Sieg entgegen. Sie hatte sogar noch Zeit, sich auf der Zielgeraden die niederländische Nationalflagge zu schnappen.
Vos krönte damit ihr fast perfektes Jahr. Zuvor wurde sie bereits Cross-Weltmeisterin und Olympia-Siegerin, zudem gewann sie den Giro Feminile.
Becker konnte am Ende dem Tempo nicht mehr folgen und musste abreißen lassen. Auch die anderen deutschen Starterinnen hatten mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun. Der Grund hierfür lag in einem Defekt von Trixi Worrack. In aussichtsreicher Position liegend musste die 30-Jährige zweieinhalb Runden vor Schluss ihr Rad wechseln. Die anderen Teamkameradinnen warteten, dahin waren die letzten Chancen auf eine vordere Platzierung. Immerhin fuhr Zeitfahr-Weltmeisterin Judith Arndt noch auf Rang acht (+ 4:37 Minuten) und war damit beste BDR-Starterin.
Nach der Zieldurchfahrt stieg Arndt endgültig vom Sattel. Die 36-Jährige, die ihre Karriere am letzten Dienstag mit dem insgesamt dritten WM-Titel krönte, beendet ihre Karriere. Im kommenden Februar wird sie dann in Australien einen neuen Lebensabschnitt beginnen.
"Endlich ist es vorbei", sagte die Olympia-Zweite von London, die nach 21 Jahren keine Lust mehr hatte auf Quälerei. "Einen Rücktritt vom Rücktritt wird es nicht geben", stellte sie zum Abschied klar.
1. Marianne Vos (Niederlande) 3:14:29 Std.; 2. Rachel Neylan (Australien) + 0:10 Min.; 3. Elisa Longo Borghini (Italien) + 0:18; 4. Amber Neben (USA) + 0:33; 5. Anna van der Breggen (Niederlande) + 0:55; 6. Rossella Ratto (Italien) + 3:40; 7. Linda Villumsen (Neuseeland) + 4:37; 8. Judith Arndt (Leipzig); 9. Emma Johansson (Schweden); 10. Paulina Brzezna-Bentkowska (Polen) alle gleiche Zeit; ... 19. Hanka Kupfernagel (Staufen) + 4:49; 34. Charlotte Becker (Berlin) + 4:54; 35. Claudia Häusler (München) + 4:58; 57. Trixi Worrack (Dissen) + 5:03; 70. Ina-Yoko Teutenberg (Mettmann) + 5:41; Romy Kasper (Chemnitz) ausgeschieden
1. Alexej Luzenko (Kasachstan) 4:20:15 Std.; 2. Bryan Coquard (Frankreich); 3. Tom van Asbroeck (Belgien); 4. Hugo Houle (Kanada); 5. Luka Pibernik (Slowenien); 6. Johan Chaves (Kolumbien); 7. Hernando Bohorquez (Kolumbien); 8. Kenneth van Bilsen (Belgien); ... 25. Michel Koch (Cottbus); 29. Nikias Arndt (Cottbus); 36. Rick Zabel (Unna) alle gleiche Zeit; 84. Emanuel Buchmann (Ravensburg) + 0:31 Min; 98. Jasha Sütterlin (Erfurt) + 1:14
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