Denn jedes Mal muss der rund 1500 Meter lange Anstieg zum Cauberg bewältigt werden. Bis zu zwölf Prozent Maximalsteigung erfordern von den Fahrern höchste Kraftanstrengungen.
"Ich habe unheimlich viel Respekt davor, der Cauberg ist ein Monument des Radsports", sagte Degenkolb über den vom Frühjahrsklassiker Amstel Gold Race bekannten Hügel: "Es wird ein sehr selektives und superschweres Rennen. Die letzten zwei Runden werden wirklich Krieg", so der gebürtige Geraer.
Sollte der durchaus bergfeste Sprinter Degenkolb bei der letzten Überquerung des Caubergs mit in der Spitzengruppe vertreten sein, gehört er zu den absoluten Medaillenkandidaten. Aber angesichts des brettharten Kurses gibt es keinen Top-Favoriten. Auch der Bund Deutscher Radfahrer fährt mehrgleisig und hat verschiedene Pfeile im Köcher.
„Die letzten zwei Runden werden wirklich Krieg.“John Degenkolb
Im deutschen Meister Fabian Wegmann (Münster) oder Paul Martens (Rostock) hat der BDR zum Beispiel weitere Joker in der Hinterhand, sollte die Karte Degenkolb nicht stechen. "Degenkolb ist unsere Option für den Sprint, Wegmann und Paul Martens sind weiteren Kandidaten", umschrieb der Berliner Teamchef Jan Schaffrath die Verteilung der Verantwortung an der Spitze des nur siebenköpfigen deutschen Teams.
Zu den Hauptkonkurrenten der deutschen Pedaleure dürften die Spanier zählen. Das Aufgebot der Iberer wird angeführt von Alberto Contador, Joaquin Rodriguez und Alejandro Valverde. Damit ist das komplette Podium der Vuelta am Start. Und auch Oscar Freire will nochmals ein Wörtchen mitreden. Der dreimalige Weltmeister ist ein Klassikerjäger mit hervorragenden Sprinterqualitäten und kennt das Terrain zudem wie aus dem Effeff.
Ganz wie zu Hause dürften sich auch die beiden Belgier Tom Boonen und Philippe Gilbert fühlen. Beide gehören zu den besten Klassikerjägern ihrer Generation, Gilbert selbst triumphierte bereits zweimal beim Amstel Gold Race.
Das Team Großbritannien bietet zwar Mark Cavendish auf, doch angesichts der Steigungen dürfte der Titelverteidiger wohl kaum eine Rolle spielen. Dafür sollte der Tour-de-France- und Olympia-Sieger Bradley Wiggins in die Bresche springen. Allerdings wurde der 32-Jährige zuletzt durch eine Krankheit zurückgeworfen. "Die Tour of Britain hatte Bradley zuletzt nach Magenbeschwerden aufgegeben. Mich hatte es auch erwischt, aber nicht so schlimm", sagte Wiggins-Teamkollege Christian Knees, der im Titelrennen mit Ausreißern mitgehen soll.
Die Italiener setzen alles auf die Karte Vincenzo Nibali. Allerdings müsste der 27-jährige Sizilianer, dessen Sprintfähigkeiten im Gegensatz zu denen seiner Konkurrenten deutlich limitiert sind, als Führender letztmals über den Cauberg kommen. "Mindestens 50 Meter Vorsprung" seien auf dem Gipfel des Hügels für einen Ausreißer notwendig, rechnet Wegmann vor.
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