Im letzten Zeitfahren ihrer Karriere demonstrierte Judith Arndt noch einmal ihre ganze Klasse im Kampf gegen die Uhr. Bei allen Zwischenzeiten lag die 36-Jährige vorne, kontinuierlich baute sie ihren Vorsprung aus. Selbst hinauf auf den Cauberg ließ sie im Gegensatz zu ihren Konkurrentinnen keine Zeit liegen. Im Ziel hatte sie dann stattliche 33 Sekunden auf die Silbermedaillen-Gewinnerin Evelyn Stevens.
"Ich bin sehr stolz. Es lief optimal", sagte sie nach der Zieldurchfahrt. Für Arndt war es bereits die zweite Medaille bei der WM. Sie hatte im Teamzeitfahren am Sonntag mit Orica-AIS bereits Silber gewonnen. Im Schatten der Olympia-Zweiten aus Königs Wusterhausen fuhren auch die weiteren deutschen Starterinnen ein starkes Rennen. Die 37-jährige Ina-Yoko Teutenberg (Düsseldorf), die ihr Karriereende wohl um ein weiteres Jahr verschieben wird, landete auf dem sechsten Platz. Trixi Worrack aus Cottbus fuhr auf Rang acht.
Arndt wird nun nach knapp 20 Jahren Profi-Radsport ihre Karriere beenden. Sie wird nach Australien - der Heimat ihrer Lebensgefährtin Anna Wilson - ziehen und sich mit einem Studium der Soziologie und der Kulturwissenschaften einen lange gehegten Traum erfüllen. "Ich will mich nicht mehr jeden Tag quälen, darauf habe ich keine Lust mehr", sagte Arndt, die mit ihrer Goldmedaille erneut zeigte, welch große Lücke sie nach ihrem Abschied beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hinterlassen wird.
Rein sportlich wird diese von den nachrückenden Fahrern wohl kaum zu schließen sein. Ihr Titel in Valkenburg war die insgesamt vierte Goldmedaille bei Weltmeisterschaften. Sie startete fünfmal bei Olympischen Spielen, zweimal wurde sie dabei mit der Silbermedaille dekoriert. Im Jahr 2004 gewann sie den Gesamtweltcup, insgesamt 14-mal wurde sie deutsche Meisterin.
Doch Arndt prägte nicht nur durch ihre Erfolge den deutschen und internationalen Radsport. Sie war auch eine der Fahrerinnen, die gemeinhin als "unbequem" gelten. Und die ihre Emotionen phasenweise nur schwer unter Verschluss halten konnte. Berühmt wurde sie im Jahr 2004, als sie bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen wegen der Nichtberücksichtigung ihrer Kollegin und damaligen Lebensgefährtin Petra Roßner bei der Zieldurchfahrt den "Effenberg" zeigte. Später entschuldigte sie sich für die Geste, die Kritik behielt sie aber aufrecht.
Auf einen persönlichen Trainer verzichtete sie seit langem, immer wieder legte sie sich mit den Offiziellen an. Auch bei der WM in den Niederlanden präsentierte sie sich angriffslustig, machte "mutlose Funktionäre" für die mangelnde Akzeptanz des Frauen-Radsports in der Öffentlichkeit verantwortlich. Ihre Stimme wird dem Radsport in Zukunft fehlen.
Vor dem Zeitfahren der Elite-Frauen gingen die Juniorinnen an den Start. Gold sicherte sich nach 22:26 Minuten die Britin Elinor Barker vor Cecille Ludwig (Dänemark/+ 0:36) und Demi de Jong (Niederlande/+ 1:03).
Die deutschen Starterinnen gingen leer aus. Die 18-jährige Corinna Lechner (Fürstenfeldbruck) trennten als Achtplatzierte nach 15,6 von Eijsde nach Valkenburg zehn Sekunden von der Bronzemedaille. Die Eichstätterin Anna Knauer (17) landete auf einem enttäuschenden 24. Rang.
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