Nach dem chaotischen Vortag mit der "Reißnagel-Attacke" und zahlreichen Plattfüßen im Feld hofften alle auf einen ruhigeren Abschnitt. Doch daraus wurde in der Anfangsphase des Rennens nichts. Die ständigen Attacken führten im Feld zu hohem Tempo, sehr zum Ärger einiger Sky-Fahrer, die kopfschüttelnd versuchten, das Tempo zu drosseln, aber erst als sich endlich eine Gruppe gebildet hatte, war es vorbei mit der Hektik im Peloton.
Thomas Voeckler (Europcar), Christian Vande Velde (Garmin),Samuel Dumoulin (Cofidis), Pierrick Fedrigo (FDJ) , Dries Devenyns (Omega Pharma-Quickstep) und Nicki Sörensen (Saxo Bank) schafften es letztlich, sich bei der wilden Hatz abzusetzen. Im Feld lehnte man sich jetzt dankbar zurück, und schnell wuchs der Vorsprung auf rund sechs Minuten an.
Nun spannte sich das Team von Andre Greipel vorübergehend vor das Peloton. Der Abstand wurde nun zwar verringert, aber offenbar fehlte der letzte Wille, um das Sextett an der Spitze zu stellen. Lotto zog sich wieder aus der Nachführarbeit zurück und überließ Sky das Kommando. Dort war man offensichtlich nicht gewillt, das Tempo für Sprinter Mark Cavendish zu machen. Die Folge: Die Ausreißer fuhren wieder weiter weg, und schnell stand fest, dass es keinen Massensprint in Pau, wo schon Dietrich Thurau (1977) und Erik Zabel (1997) gewinnen konnten, geben wird.
Zehn Kilometer vor dem Ziel beendete Sörensen die Einigkeit unter den Führenden und versuchte es mit einem ersten Angriff, der aber umgehend gekontert wurde. Nun wurde von den Ausreißern Attacke auf Attacke gefahren, wobei Fedrigo und Vande Velde sich etwas absetzen konnten. Der US-Amerikaner hatte im Zielsprint dann keine Chance gegen den Franzosen. Mit zwölf Sekunden Rückstand kam Voeckler als Dritter ins Ziel.
Es dauerte fast weitere zwölf Minuten, bis das Feld heranrollte. Den Zielsprint sicherte sich Greipel vor Tyler Farrar und Peter Sagan, dem sein Grünes Trikot wohl nicht mehr zu nehmen ist.
In der Gesamtwertung bleibt alles beim Alten. Bradley Wiggins geht mit 2:05 Minuten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Christopher Froome in den Ruhetag. Dahinter lauern Vincenco Nibali (+2:33, Liquigas) und Cadel Evans (+3:19, BMC). Bester Deutscher bleibt Andreas Klöden auf Platz elf (+9:29, Radioshack).
Am Dienstag ist Ruhetag. Die Fahrer werden sich mit einer kleinen Ausfahrt begnügen und ansonsten auf Regeneration setzen, denn ab Mittwoch geht es in die Pyrenäen. Die 197 Kilometer von Pau nach Bagneres-de-Luchon verlangen den Fahrern alles ab. Gleich zu Beginn geht es über den Col d'Aubisque (1709 m, höchste Kategorie), ehe mit dem Col du Tourmalet (2115 m, HC) ein Klassiker ansteht. Danach folgen noch zwei Berge der 1. Wertungskategorie, ehe es wieder ins Tal zum Zielort geht. Im Kampf um das Gelbe Trikot bietet der Tagesabschnitt also reichlich Möglichkeiten zu attackieren, stellt sich die Frage, ob sich jemand stark genug fühlt.
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