Es ist das erste Mal, dass der Sprintspezialist die Spezialwertung der Tour für sich entscheiden konnte. Auch in der Gesamtwertung der Tour gab es einige Premieren: Mit Cadel Evans hat erstmals ein Australier die Tour für sich entschieden, nach den Amerikanern Greg Lemond und Lance Armstrong ist er zudem erst der dritte Nicht-Europäer, der die Frankreich-Rundfahrt gewonnen hat. Erstmals stehen mit den Luxemburgern Andy und Frank Schleck zudem das erste Bruderpaar auf dem Treppchen der Gesamtwertung.
Schon beim Zwischensprint in Paris ging Cavendish vor seinem ärgsten Rivalen, dem Spanier José Joaquin Rojas über die Linie und baute seinen Vorsprung bereits um zwei weitere Zähler auf 17 Punkte aus. Anschließend musste er zwar sein Rad tauschen, fand aber schnell wieder Anschluss. Traditionsgemäß erfolgte auf der Schlussetappe, die diesmal über 95 Kilometer von Créteil zur Champs Elysees in Paris führte, kein Angriff auf die Gesamtwertung mehr. Die Fahrer ließen es bis Paris und auf den ersten beiden von insgesamt acht Runden in der Hauptstadt gemütlich angehen. Erst in der dritten Runde versuchte eine Fluchtgruppe von sechs Fahrern, sich abzusetzen.
Auf den letzten Kilometern wurde die Gruppe aber Stück für Stück vom Peloton geschluckt. Die Entscheidung fiel schließlich im Massensprint, Renshaw bereitete für seinen HTC-Teamkollegen Cavendish vor, der schließlich seinen fünften Etappensieg bei dieser Tour und seinen 20. insgesamt einfuhr.
Gesamtsieger Evans hatte erst am Vortag beim Sieg des deutschen HTC-Fahrers Tony Martin seinen Erfolg im Einzelzeitfahren gegen die beiden Schleck-Brüder unter Dach und Fach gebracht. "Das ist der Lohn für jemanden, der eine lange und erfolgreiche Karriere aufweist und sich akribisch auf dieses Rennen vorbereitet hat", würdigte Tour-Chef Christian Prudhomme Evans, der mit 34 Jahren einer der ältesten Sieger in der Geschichte der Großen Schleife ist. "Er ist der erste Gewinner von der südlichen Hemisphäre und steht für die Globalisierung des Radsports", so Prudhomme weiter.
"Ich habe es noch nicht richtig kapiert, aber eben hat es mir meine Frau noch einmal gesagt: Ich habe die Tour gewonnen", sagte Evans beim Sieger-Interview und dankte seinen Unterstützern: "Nicht viele haben immer an mich geglaubt, und heute habe ich es geschafft! Ich habe die drei Wochen genossen."
Im Schatten der Hauptakteure blieb diesmal der Spanier Alberto Contador (Saxo Bank). Der dreimalige Tour-Sieger konnte seinen Titel nicht erfolgreich verteidigen, ihn erwartet nun die Anhörung zu seinem positiven Dopingtest von 2010. Anfang August wird sich entscheiden, ob der 28-Jährige seinen Erfolg vom Vorjahr behalten darf oder gesperrt wird. Er landete in der Gesamtwertung auf dem fünften Platz. "Ich bin zufrieden, der Giro war als Vorbereitung nicht ideal", sagte er.
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