42,5 Kilometer hieß es am Samstag in der Alpenrandstadt Grenoble zu bewältigen. In Gelb ging Andy Schleck ins Rennen, sein Bruder Frank sowie der Australier Cadel Evans hießen die weiteren Anwärter auf den großen Erfolg am Sonntag in Paris.
Im Kampf um den Tagessieg standen neben Evans vor allem der Deutsche Tony Martin und der Schweizer Zeitfahrspezialist Fabian Cancellara im Fokus.
Der 26-jährige Cottbuser setzte die erste Duftmarke und verwies dabei Cancellara klar auf die Plätze. Ein Grund für die starke Leistung trotz Rückenschmerzen: Im Juni hatte er auf exakt demselben Kurs schon das Zeitfahren bei der Dauphiné Libéré gewonnen. "Das hat mir unglaubliches Selbstvertrauen gegeben." Auf dem welligen Kurs kam der Fahrer aus dem HTC-Highroad-Team nach 55:33 Minuten ins Ziel. Eine Zeit, an der sich die gesamte Konkurrenz die Zähne ausbiss - wenngleich Evans lange Zeit ebenfalls aussichtsreich unterwegs war.
„ Heute hatte ich ein Super-Feeling. “ Tony Martin
"Ich bin überglücklich, am Ende habe ich nur noch gebannt auf den Fernseher geschaut", sagte Martin, der bislang auf der Tour eher enttäuscht hatte, aber auch mit Stürzen zu kämpfen hatte: "Im Moment könnte ich die ganze Welt umarmen." Einmal stand sein Triumph auf des Messers Schneide, als ein Sky-Begleitwagen ihn beinahe erwischt hätte. "Ich habe mein Körpergewicht in letzter Sekunde noch verlagert", sagte Martin erleichtert.
Zunächst konnte der spanische Vorjahressieger Alberto Contador seine Zeit nicht knacken, er blieb 1:05 Minuten zurück und wurde am Ende Dritter. Weltmeister und Olympiasieger Cancellara war satte 1:42 Minuten langsamer als Martin - hatte im Gegensatz zum Deutschen aber auch eine zum Teil noch regennasse Straße. "Wenn man gegen einen Cancellara im Zeitfahren antritt, ist er immer der Über-Gegner", so "Über-Gegner-Besieger" Martin. Sein Tour-Fazit fiel trotz der Rehabilitation in Grenoble nicht durchweg positiv aus: "Sportlich gesehen - nicht für die Autogrammkarte - wäre mir ein achter Platz im Gesamtklassement lieber gewesen."
BMC-Racing-Profi Evans fehlten am Ende sieben Sekunden auf Martin. Zweiter in Grenoble, doch das dürfte dem Mann aus Down Under egal sein. Denn Evans nahm Andy Schleck mehr als zwei Minuten ab! 1:34 beträgt sein Vorsprung vor der Schlussetappe am Sonntag. Schleck musste als 17. eine klare Niederlage akzeptieren. Den dritten Platz in der Gesamtwertung belegt sein älterer Bruder und Teamkollege Frank (2:30 Minuten zurück).
Die letzte Etappe der 98. Frankreich-Rundfahrt, auf der das Gelbe Trikot traditionell nicht mehr attackiert wird, führt über 95 km von Creteil auf die Champs Elysees in Paris. Cadel Evans wird an der Seine anschließend als erster Australier in der 108-jährigen Tour-Historie gefeiert werden. Eine Tatsache, die Evans nur schwer verdauen konnte: "In diesem Jahr war ich zum ersten Mal in Topform. Ich habe vor 20 Jahren meine erste Tour im Fernsehen gesehen und mich seither voll dem Radsport gewidmet." Stellte er fest und vergoss ein paar Freudentränen. Am Sonntag werden weitere hinzukommen.
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