
Contador selbst führt die positive Probe auf das Kälbermastmittel auf eine Verunreinigung von Nahrungsmitteln zurück. Der 27-Jährige, der in diesem Sommer seinen dritten Toursieg mit 39 Sekunden Vorsprung auf den Luxemburger Andy Schleck gewonnen hatte, erklärte dies am Donnerstag in einer Pressekonferenz im Hotel Las Artes in Pinto. "Die positive Probe ist ein echter Fehler." Dies sei ein Sonderfall und habe mit anderen Dopingfällen nichts zu tun. "Ich denke, dass die Sache sich eindeutig klären und die Wahrheit ans Licht kommen wird", betonte der Spanier. Die bei ihm festgestellte Dosis der verbotenen Substanz Clenbuterol sei extrem niedrig gewesen. Daher sei es ausgeschlossen, dass es sich um Doping handele, beteuerte er. "Die bei mir festgestellte Menge war so minimal, dass sie absolut keine Wirkung hatte." Er habe das Fleisch an einem Ruhetag während der Tour zusammen mit einer Gruppe anderer Fahrer gegessen. Er sei als einziger anschließend aus dieser Gruppe zu einer Dopingprobe zitiert worden. Daher sei auch nur bei ihm die verbotene Substanz festgestellt worden.
Für die nächste Saison hat Contador bereits einen Vertrag, der ihm fünf Millionen Euro pro Jahr einbringen soll, beim Saxo-Bank-Rennstall von Bjarne Riis unterschrieben.
"Die Konzentration lag bei einem Wert von 50 Pikogramm, der damit 400-mal niedriger war als der, den WADA-Labore in Proben entdecken müssen", hieß es auch in der UCI-Mitteilung: "Angesichts der sehr geringen Konzentration und in Absprache mit der WADA hat die UCI umgehehend die Analyse der B-Probe eingeleitet, die das Ergebnis bestätigte. Der Fahrer, der seine Saison bereits beendet hat, wurde vorläufig gesperrt."
Die Probe war am zweiten Ruhetag (21. Juli) der Tour in Pau entnommen worden, also einen Tag bevor der Spanier auf der Königsetappe zum Tourmalet hinauf den Grundstein zum dritten Gesamtsieg gelegt hatte. Sollte Contador nun endgültig als Dopingsünder verurteilt werden, würde ihm als zweiter Radprofi nach Floyd Landis 2006 der Toursieg nachträglich aberkannt werden. Außerdem hatte einst auch Bjarne Riis im Zuge des Telekom-Skandals eingestanden, bei seinem Sieg 1996 gedopt zu haben. Der Titel wurde ihm aber nicht mehr aberkannt.
Contador war im Zuge der Operacion Puerto schon einmal unter Dopingverdacht geraten. Der Madrilene soll Kunde des Dopingarztes Eufemiano Fuentes gewesen sein, ehe sein Name plötzlich wieder von der Liste verschwand.
"Seit der ersten Mitteilung durch die UCI am 24. August kann sich Alberto Contador den positiven Test nur durch eine Verunreinigung von Nahrungsmitteln erklären. Er hat sich an die Verantwortlichen des Radsports gewandt und vertraut darauf, dass dieser Fall aufgeklärt wird", hieß es in der Presse-Mitteilung von Contador.
Die UCI wird weitere Nachforschungen einleiten: "Der Fall bedarf einer weiteren wissenschaftlichen Untersuchung, bevor eine Schlussfolgerung gezogen werden kann. Die UCI wird mit den Wissenschaftlern der WADA alle Elemente analysieren, die für den Fall relevant sind. Diese eingehende Untersuchung bedarf mehr Zeit", hieß es in dem UCI-Statement weiter.
Contador selbst habe auch schon eine Reihe von Experten hinzugezogen, um seine Unschuld zu beweisen. Alle hätten bestätigt, dass der Spanier Opfer einer Verunreinigung von Nahrungsmitteln gewesen sei. Dies könne anhand der hohen Anzahl an Dopingtests nachgewiesen werden.
Clenbuterol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Sympathomimetika und wird zur Behandlung von Asthma verwendet. Mit der Leichtathletin Katrin Krabbe, die 1992 positiv auf diese Substanz getestet wurde und in der vergangenen Woche dem deutschen Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov gibt es weitere prominente Doping-Fälle. Der 22-Jährige hatte die positive Probe auf kontaminiertes Fleisch während der China Open zurückgeführt.
Wie bei Contador ist auch bei Xacobeo-Fahrer Ezequiel Mosquera und dessen Teamkollegen David Garcia am Donnerstag eine positive Dopingkontrolle bekannt geworden. Nach Informationen der Sportageszeitung Marca soll der 34-Jährige bei der am 19. September zu Ende gegangenen Spanien-Rundfahrt aufgefallen sein, er belegte hinter dem Italiener Vincenzo Nibali den zweiten Platz bei der Traditionsrundfahrt. Die Informationen wurden indes von der UCI bestätigt. Es seien Spuren des Blutplasmaexpanders Hydroxyethyl festgestellt worden.
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