Vielleicht war es die letzte Chance für Andy Schleck (Saxo Bank), doch noch die Tour de France zu gewinnen. Über 174 Kilometer von Pau ging es hinauf zur Bergankunft auf den Col de Tourmalet. Da der Spanier Alberto Contador (Astana) für das Zeitfahren über 52 Kilometer am Samstag favorisiert ist, kündigte der Luxemburger für den Tourmalet eine Attacke an. Achte Sekunden Rückstand galt es für ihn aufzuholen.
Noch vor dem ersten Berg, dem Col de Marie-Blanque, machten sich sieben Fahrer auf die Flucht. Erfreulich, dass mit Marcus Burghardt (BMC-Racing) ein deutscher Fahrer in der Spitzengruppe war.
Die Ausreißer fuhren geschlossen über den Col de Marie-Blanque und auch über den Col du Soulor. Als es dann in den Anstieg zum Col de Tourmalet ging, hatten die Flüchtenden noch rund dreieinhalb Minuten Vorsprung auf die große Gruppe der Favoriten. Damit war klar, dass keiner von ihnen eine Siegchance hatte.
Dann begann das Ausscheidungsrennen. 18,6 Kilometer hinauf zur Passhöhe des Tourmalets, durchschnittlich sieben Prozent Steigung, Rampen mit bis zu zehn Prozent. In der Gruppe der Favoriten machte besonders Saxo Bank Tempo. Nach und nach brachen immer mehr Fahrer aus der Gruppe der Favoriten heraus. Was überraschte, war die Tatsache, dass Contador relativ schnell ohne Teamkollege war. Als letzter aus der Equipe der Kasachen musste Alexander Winokurow abreißen lassen.
Für Schleck machte besonders Jakob Fuglsang Tempo. Und rund zehn Kilometer vor dem Ziel war es dann soweit. Schleck attackierte, doch wie schon bei den Bergetappen zuvor hielt Contador dessen Hinterrad. Die Konkurrenten konnten aber allesamt nicht mehr folgen. Das Duo machte sich alleine auf dem Weg und acht Kilometer vor dem Ziel wurde mit dem Russen Alexandr Kolobnev (Katusha) der letzte der ehemals Führenden überholt.

Im Nebel des Tourmalets ging der Zweikampf weiter. Und Schleck konnte Contador einfach nicht abschütteln. Vier Kilometer vor dem Ziel zog sogar Contador davon, dieses Mal war es an der Reihe von Schleck zu kontern. Auch dies gelang, so dass beide gemeinsam das Ziel erreichten. Den kurzen Sprint entschied Schleck für sich, doch der eigentliche Gewinner war Contador.
„Am Ende ist er nicht gesprintet. Er ist ein großer Champion und die ersten beiden Plätze auf dem Podium sind jetzt klar.“Andy Schleck
"Es ist ein Traum, hier auf dem Tourmalet gewonnen zu haben. Ich hatte natürlich Gelb im Kopf, aber Contador ließ sich einfach nicht abschütteln", sagte Schleck. "Am Ende ist er nicht gesprintet. Er ist ein großer Champion und die ersten beiden Plätze auf dem Podium sind jetzt klar."
"Die Tour ist noch nicht beendet, aber das heutige Ergebnis war sehr wichtig für mich. Ich werde am Samstag gute Arbeit abliefern", versprach Contador, der noch immer auf seinen ersten diesjährigen Etappensieg wartet.
Sollte der Spanier ohne Sturz die letzten drei Etappen überstehen, ist ihm sein dritter Sieg in Paris nach 2007 und 2009 wohl nicht mehr zu nehmen. Für das Zeitfahren am Samstag über 52 Kilometer von Bordeaux nach Pauillac ist Contador gegenüber Schleck deutlich im Vorteil. Zusammen mit dem Schweizer Weltmeister und Olympiasieger Fabian Cancellara (Saxo Bank) und dem deutschen Spezialisten Tony Martin (HTC-Columbia) zählt er zu den Favoriten im Kampf gegen die Uhr.
Am Freitag steht die 18. Etappe über 198 Kilometer von Salies-de-Bearn nach Bordeaux auf dem Programm. In der Weinstadt werden die Sprinter alles daran setzen, zu gewinnen.
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