
"Ich haben den Weltrekord im Kopf. Ich denke, dass ich ihn früher oder später angreifen werde", wird Cancellara in dem italienischen Radsport-Magazin "Bicisport" zitiert.
"Ich habe in Mendrisio bewiesen, dass ich für solche Efforts geeignet bin", führte der 28-Jährige weiter an.
Fabian Cancellara wurde im September in Tessin zum dritten Mal Zeitfahr-Weltmeister. Sein großer Traum, der Gewinn der Straßen-Weltmeisterschaft, erfüllte sich aber nicht. Beim Triumph des Australiers Cadel Evans reichte es für den CSC-Profi zum fünften Rang.
Allerdings zog Cancellara trotzdem Positives aus dem Rennen. Denn in den letzten beiden Runden unterstrich er mit etlichen Attacken seine Ambitionen. Besonders sein Antritt in der steilsten Passage der Aquafresca-Steigung machte deutlich, dass mit ihm mittlerweile auch am Berg zu rechnen ist.
Der Traum vom Weltmeistertitel auf der Straße erfüllte sich also nicht, doch nun hat Cancellara mit dem Stunden-Weltrekord ein neues Ziel vor Augen. Und ein durchaus realistisches.
Denn im Kampf gegen die Uhr ist Cancellara nahezu unschlagbar. In Mendrisio distanzierte er den Zweiten, den Schweden Gustav Erik Larsson um 1:27 Minuten, der deutsche Profi Tony Martin lag als Dritter bereits 2:30 Minuten zurück. In seiner Spezialdisziplin wurde Cancellara auch Olympiasieger in Peking und siegte bei etlichen Einzel-Zeitfahren bei den großen Landes-Rundfahrten.
"Es genügt aber nicht, nur stark zu sein. Man muss die Kraft auch auf die Bahn bringen können", schränkte Cancellara aber ein. Im Gegensatz zum Beispiel zu dem Briten Bradley Wiggins oder dem Australier Graeme Brown verfügt der Schweizer bisher über keine nennenswerten Erfahrungen auf der Bahn. Die Umstellung von der Straße auf das enge Holzoval könnte sich als Stolperstein erweisen. Sollte er sich aber schnell zurechtfinden, ist ihm der Rekord in jeden Fall zuzutrauen.
Erste Angebote für ihn gibt es bereits. So soll laut italienischen Medien die Gemeinde Montichiari mit ihrer erst im Mai eröffneten Holzbahn um Cancellara buhlen.
Der Stunden-Weltrekord gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen im Radsport. Allerdings auch zu den umstrittensten. Denn insbesondere die technischen Entwicklungen haben enormen Einfluss auf die Zeiten.
Im September 2000 zog der Radsport-Weltverband die Reißleine, und degradierte alle Zeiten, die zwischen 1984 und 1996 erzielt wurden, zu "Weltbestleistungen". Denn im September 1996 fuhr der Brite Christopher Boardman in Manchester 56,375 Kilometer in einer Stunde. Allerdings auf einem Spezialrad.

Boardman lieferte sich in diesen Jahren mit seinem Landsmann Graeme Obree, der auf Eigenkonstruktionen unterwegs war, sowie dem Spanier Miguel Indurain und dem Schweizer Tomy Rominger nicht nur einen sportlichen, sondern auch einen technischen Wettlauf um das beste Material. Die UCI beendete die Materialschlacht schließlich und bestimmte, dass offizielle Weltrekorde nur noch auf "normalen" Rennrädern mit klassischer Geometrie und Bügellenker gefahren werden dürfen.
Als Maßstab gilt seitdem jenes Rad, mit dem der belgische Radsport-Hero Eddy Merckx im Jahr 1972 den Weltrekord auf 49,431 Stundenkilometer schraubte.
Der Unterschied ist gewaltig. Auf einem klassischen Diamantrahmen mit normaler Sitzposition schaffte noch kein Fahrer auf der Bahn ein Mittel von mehr als 50 Kilometern pro Stunde. Mit 49,700 Kilometern kam Ondrej Sosenka der Schallmauer am 19. Juli 2005 in Moskau bisher am nächsten und schaffte "nur" 269 Meter mehr als Merckx 33 Jahre zuvor.
Zum Vergleich: Bei seinem Sieg in Mendrisio legte Cancellara die 49,8 Kilometer in 57:56 Minuten zurück, was einem Mittel von 51,58 Kilometern pro Stunde entsprach.
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