"Die 17 Nachkontrollen waren negativ." Mit dieser knappen Aussage dürfte der Präsident der AFLD, Pierre Bordry, für Erleichterung, allerdings auch für überraschte Gesichter in der Radsportwelt gesorgt haben. Speziell vor dem Hintergrund der nachträglichen Überführungen der beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl im Oktober 2008 schien es nicht unwahrscheinlich, weitere Dopingsünder der vorletzten Tour zu ermitteln. Der Heidelberger Rechtsanwalt Michael Lehner verlieh dieser Stimmung mit den Worten "Ich rechne damit, dass einige Namen kommen" Ausdruck.
Während die laut "Kurier" etwa 40 weiteren Dopingverdächtigen der Tour de France 2008 aufatmen können, rechtfertigte Bordry das Vorgehen seiner Behörde: "Unser Ziel ist es nicht, etwas zu finden." Im Gegenzug erneuerte der Präsident der AFLD seine heftige Kritik am Radsport-Weltverband UCI und bezeichnete die Kontrollen bei der Tour de France 2009 als "nicht regelkonform" und "auf den Stand von 2003 zurückgefallen."
Bewiesen wird das in Gordrys Augen nachlässige Kontrollverfahren der UCI unter anderem durch die Tatsache, dass unter deren Leitung 2009 positive Tests ausblieben. 2008 hingegen oblag die Durchführung der Dopingkontrollen bei der Frankreich-Rundfahrt noch der AFLD. Von sieben ermittelten Dopingsündern, unter ihnen prominente Fahrer wie der Spanier Manuel Beltran und der Italiener Ricardo Ricco, waren sechs positiv auf Cera getestet worden.
Auch die vermeintliche Bevorzugung des kasachischen Teams Astana um Alberto Contador und Lance Armstrong während der Tour 2009, über die bereits die französische Tageszeitung "Le Monde" spekuliert hatte, wurde von Bordry auf einer Pressekonferenz in Paris thematisiert. "Es war schon sonderbar, dass Astana immer zum Schluss kontrolliert wurde. Das war nicht professionell."
UCI-Präsident Doug McQuaid hat die Attacken Bordrys indes zurückgewiesen: "Die Aussagen sind gefährlich und schaden unserem Sport. Man fällt nicht offiziellen Kontrolleuren in den Rücken." Der Ire betonte gegenüber dem SID, dass bezüglich auf Doping 2009 "keine fundamentalen Fehler" gemacht worden seien. Im Gegenteil wurde bei der Tour "gute Arbeit" geleistet.
Nach Auswertung der Nachkontrollen bleibt die Abschlusswertung der Tour de France 2008 nun endgültig in ihrer bisherigen Form mit Carlos Sastre als Gesamtsieger bestehen.
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