Dritte Medaille für Eskau: "Langsam wird es Übergepäck"

Olympia - 14.03. 09:09

Fahnenträgerin Andrea Eskau hat bei ihrem vierten Start bei den Paralympics in Pyeongchang ihre dritte Medaille gewonnen. Und sie hat noch drei weitere Chancen.

Befürchtet schon Übergepäck: Andrea Eskau auf dem Weg zum nächsten Edelmetall. © imago

Nach der dritten Medaille in Südkorea dachte Andrea Eskau schon an das Einchecken beim Rückflug. "So langsam muss ich aufpassen, dass ich kein Übergepäck habe", sagte die 46-Jährige nach ihrem Silber-Sprint im Langlauf lachend. "Wobei, es gibt Schlimmeres. Zur Not würde ich auch noch drei weitere unterkriegen." Einmal Gold und zweimal Silber hat die nordische Athletin nach vier Rennen schon gewonnen. Starts über fünf Kilometer im Langlauf, 12,5 Kilometer im Biathlon und mit der Staffel folgen noch. Wie stark sie ist, zeigte Eskau am Mittwoch, als sie im eigentlich als Massenstart ausgelegten Finale über 1,1 Kilometer aufgrund ihres höheren Behinderungs-Faktors 13 Sekunden vor der Konkurrenz startete. Sie wurde früh eingefangen, ließ außer der US-Amerikanerin Oksana Masters aber keine Rivalin mehr passieren.

Quade: "Sie ist die einzige Elferin im Feld von Zwölfern"

"Davor kann man nur den Hut ziehen", sagte Chef de Mission Karl Quade als begeisterter Zuschauer am Alpensia Centre, wo Laura Dahlmeier bei Olympia zweimal zu Gold gelaufen war: "Sie ist die einzige Elferin im Feld von Zwölfern. In allen anderen Klassen haben die leichter Behinderten alle Medaillen gewonnen. Aber das ist eben Andrea Eskau. Sie ist eine Kämpferin und kann unheimlich beißen."

Am Ende überlegte die Magdeburgerin gar, "ob es nicht noch mehr hätte sein können. Aber lassen wir das. Ich bin zufrieden." Zu verlieren hat die mit Abstand älteste Athletin im Feld, die auch im Sommer mit dem Handbike schon Gold gewann, nichts mehr. "Das hatte ich aber auch schon vorher nicht", sagte sie: "Doch im Langlauf rechne ich mir noch was aus. Da können die anderen ihre Schnelligkeit nicht so ausspielen. Denn da kommt der Berg öfter. Und dann kommt der Tiger ins Spiel."

Der Tiger bleibt Geheimnis

"Tiger", so lautet ihr Spitzname. "Dafür gibt es auch einen speziellen Anlass", sagte sie: "Aber den werde ich nie verraten." Insgesamt hat Eskau, die im Sommer mit dem Handbike startet, bei sechs Paralympics nun zwölf Medaillen geholt, davon sieben goldene. Als zweiter Deutscher stand am Mittwoch Alexander Ehler (Kirchzarten) in den Finals, er wurde Fünfter. Anja Wicker (Stuttgart) und Nico Messinger (Freiburg) schieden jeweils im Halbfinale aus.

Rothfuss holt Silbermedaille

Andrea Rothfuss hat unterdessen ihre vierte Silbermedaille gewonnen. Die 28-Jährige musste sich im Riesenslalom nur ihrer Dauer-Rivalin aus Frankreich, Marie Bochet, geschlagen geben. Mit ihrer Zeit von 2:25,18 Minuten fehlten Rothfuss (VSG Mitteltal) nach zwei Durchgängen 2,26 Sekunden zu Gold. Die Schwäbin hatte in der stehenden Kategorie in Südkorea bereits in der Abfahrt, im Super-G und in der Super-Kombination zweite Plätze belegt.

Anna-Maria Rieder, die ihre Paralympics-Premiere feierte, belegte Rang sechs. Die 18-Jährige fuhr mit einer Zeit von 2:31,29 Minuten über die Ziellinie.

Schaffelhuber und Forster verpassen Medaille

Die Siegesserie der deutschen Monoskifahrerinnen bei den Paralympics ist zu Ende. Im Riesenslalom blieben Anna Schaffelhuber und Anna-Lena Forster am Mittwoch sogar ohne Medaille. Schaffelhuber belegte in 2:30,97 Minuten nur Rang fünf. Teamkollegin Anna-Lena Forster wurde beim Sieg der Japanerin Momoka Muraoka mit einer Zeit von 2:31,77 Sechste. Bei den bisherigen drei Rennen hatte in Südkorea immer eine Deutsche Gold gewonnen. Die 25-jährige Schaffelhuber siegte in der Abfahrt und im Super-G, die drei Jahre jüngere Forster war in der Super-Kombination die Schnellste.

Kreiter erleidet bei Schlüsselbeinbruch

Monoskifahrer Georg Kreiter hat sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Der 33-Jährige wurde nach dem Sturz im ersten Lauf des Riesenslaloms am Mittwoch zunächst auf der Strecke behandelt und anschließend zum Röntgen gefahren. Ob Kreiter erst einmal weiter in Südkorea behandelt wird oder ob er zurück nach Deutschland fliegt, war zunächst unklar. Teamkollege Thomas Nolte stürzte ebenfalls, blieb jedoch unverletzt.

Rollstuhl-Curlern droht nach erneuter Niederlage das Aus

Den deutschen Rollstuhl-Curlern droht nach der dritten Niederlage in Serie das Aus in der Vorrunde. Gegen Großbritannien verlor die Mannschaft um Skip Christiane Putzich mit 3:8. Nach einem starken Auftakt mit überraschenden Siegen gegen die Neutralen Paralympischen Athleten aus Russland und Gastgeber Südkorea hat das Team von Bundestrainer Bernd Weißer nun eine Bilanz von 4:4 und ist bei drei noch ausstehenden Spielen nur noch Sechster. Nur die besten vier Teams erreichen das Halbfinale. Das nächste Spiel bestreitet Deutschland am Mittwoch um 6.35 Uhr MEZ gegen die Schweiz.

aho