Notizen vom Schlusstag: Doppelsieg im Eiskanal

Dahlmeiers Ehre - Kuske schreibt Geschichte

Olympia - 25.02. 08:51

Der Schlusstag bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang bot nochmals Spannung, Dramen und grenzenlosen Jubel. Im Viererbob steuerte Francesco Friedrich souverän der 14. Goldmedaille für den DOSB entgegen, im Curling-Finale der Frauen standen sich Schweden und die Gastgeberinnen im Kampf um den Olympiasieg gegenüber - mit einem eindeutigen Ende. Derweil empfahl das IOC-Exekutivkomitee, die Suspendierung Russlands beizubehalten.

Olympia-Geschichte: Francesco Friedrich sicherte Deutschland die 14. Goldmedaille. © Getty Images

Norwegen und Deutschland mit 14 Goldmedaillen

Mit dem 14. Gold durch Viererbob-Pilot Francesco Friedrich war das deutsche Olympia-Team am Sonntag zwischenzeitlich erfolgreichste Nation bei denselben Winterspielen. Nach Angaben des US-amerikanischen Daten- und Analysedienstes Gracenote übertrumpfte das DOSB-Team in Pyeongchang Kanada, das vor acht Jahren bei den Spielen in Vancouver als bislang einziges Land 14 Mal Gold gewonnen hatte. Allerdings sicherten sich die Kanadier 2010 nur sieben Mal Silber, Deutschland hat in Südkorea zehn Mal Silber gewonnen, hinzu kommen sieben Bronzemedaillen. Norwegen (14/14/11) zog im abschließenden 30-Kilometer-Langlauf der Frauen durch Marit Björgen an Deutschland vorbei und übernahm den Rekord.

"Beast" Kuske mit Silber erfolgreichster Bobfahrer bei Olympia

Mit Silber in Pyeongchang - seiner nun sechsten Olympia-Medaille - ist der viermalige Olympiasieger Kevin Kuske der erfolgreichste Bobfahrer der Welt und gehört zugleich zu den erfolgreichsten deutschen Winter-Olympioniken . "Ich hab mich bei Bärchen schon entschuldigt", sagte Kuske schmunzelnd in Richtung André Lange. Der Weltklasse-Anschieber schob jedoch nach: "André ist für mich immer noch der größte Pilot, den es je gab." Nach nunmehr fünf Olympia-Teilnahmen und Silber im Viererbob von Nico Walther hat er seinen einstigen Chef um eine Silberplakette überflügelt.

Im letzten Lauf des Viererbob-Rennens schob der 39-jährige Kuske mit den ebenfalls routinierten Alexander Rödiger und Eric Franke in 4,88 Sekunden Startbestzeit und legte somit die Grundlage für den Sprung von Bronze auf Silber mit dem zeitgleichen Won Yunjong. "Ich war überrascht, dass wir noch mal eine 88 rausgepresst haben. Das haben wir uns aber auch vorgenommen, das war der Indiz für Silber", sagte Kuske, der vor zwei Jahren nach dem Rücktritt von Weltmeister Maximilian Arndt überraschend ins Team von Walther wechselte - und nun seine Laufbahn definitiv beendet.

Schwedens Curlerinnen gewinnen drittes Olympia-Gold

Die schwedischen Curlerinnen haben in Pyeongchang ihr drittes Olympia-Gold gewonnen. Die Skandinavierinnen um Skip Anna Hasselborg setzten sich im Finale gegen Südkorea mit 8:3 durch und feierten ihren dritten Sieg bei den Frauen nach 2006 in Turin sowie 2010 in Vancouver. Bronze ging bereits am Samstag an Japan.

Derweil erhielten die Norweger Kristin Skaslien und Magnus Nedregotten ihre Medaillen nachträglich überreicht. Nur durch die Disqualifikation des mit Meldonium gedopten Alexander Kruschelnizki kamen die Nordeuropäer zur verspäteten Ehrung und durften mit IOC-Präsident Thomas Bach plaudern. "Wir mussten nicht über Politik reden. Wir hatten mehr als genug zu tun, um ihm die Regeln des Mixed-Doubles zu erklären", meinte Nedregotten nach dem Gespräch.

Dahlmeier Ehrenbürgerin von Garmisch-Partenkirchen

Die Doppel-Olympiasiegerin wird auch Ehrenbürgerin von Garmisch-Partenkirchen: Laura Dahlmeier. © Getty Images

Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier wird als erste Sportlerin Ehrenbürgerin von Garmisch-Partenkirchen. Die Biathletin werde am kommenden Freitag in ihrer Heimat empfangen, teilte der Skiclub Partenkirchen mit. Bei der Willkommensfeier wird sich die 24-Jährige auch ins Goldene Buch der Marktgemeinde eintragen. Mit einer Pferdekutsche wird die siebenmalige Weltmeisterin nach der Zeremonie im Rathaus zum Festplatz gefahren. Dort steigt dann eine große Party.

Dahlmeier hatte bei den Winterspielen in Pyeongchang Gold im Sprint und in der Verfolgung sowie Bronze in der Verfolgung gewonnen. In den Vorjahren nach ihren Weltmeistertiteln war Dahlmeier erst nach der Saison im April geehrt worden. Aber zu diesem Zeitpunkt wäre die "ganze Euphorie und Begeisterung verflogen", die diese Spiele in Pyeongchang entfacht haben, sagt Michael Maurer, der Präsident des Skiclubs Partenkirchen, dem "Garmisch Partenkirchner Tagblatt". Die nächsten zwei Wochen, die der Skiclub zur Vorbereitung nutzt, "werden ein bisschen anstrengend", sagte Maurer. "Aber für die Laura machen wir's gerne."

IOC-Vorschlag: Russland bleibt bei Olympia in Pyeongchang suspendiert

Nach Vorschlag des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees soll die Suspendierung Russlands erst nach den Winterspielen von Pyeongchang aufgehoben werden . Eine endgültige Entscheidung über die Strafe wegen des Doping-Skandals will die IOC-Führung vor der Schlussfeier am Sonntag treffen.

Deutsches Gold-Duo nicht bei Gala: Massot krank

Die Paarlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot haben ihr Mitwirken an der Eiskunstlauf-Gala zum Abschluss der Winterspiele am Sonntag absagen müssen. Der 29 Jahre alte Wahl-Oberstdorfer leidet an einem fiebrigen Infekt, bestätigte die Internationale Eislauf-Union in Pyeongchang. Nach ihrem Olympia-Gold war Savchenko krank geworden und Massot hatte zunächst allein trainieren müssen. Nun hat es den gebürtigen Franzosen erwischt. Die WM-Zweiten fliegen am Montag mit dem Großteil der deutschen Olympia-Mannschaft zurück nach Frankfurt zum Empfang. Direkt im Anschluss will das Gold-Duo bei der Showtournee "Art on Ice" mitwirken - falls Massot bis dahin wieder gesund ist.

Nordkoreanische Delegation überquert Grenze

Die nordkoreanische Delegation für die Abschlussfeier ist am Sonntag über die schwer bewachte Grenze nach Südkorea gekommen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. An der Spitze steht der umstrittene General Kim Yong Chol, dessen Empfang in Südkorea bereits Proteste ausgelöst hat. Die Delegation aus Nordkorea wird am Sonntag wie die amerikanische Präsidententochter Ivanka Trump an der Zeremonie zum Abschluss der Spiele in Pyeongchang teilnehmen. Die Visite wurde begleitet von Spekulationen, ob es zu einem Kontakt zwischen dem früheren Geheimdienstchef Nordkoreas und heutigen Vizevorsitzenden des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei und der US-Delegation kommt. Ein Treffen mit der Trump-Tochter wurde ausgeschlossen. Mit ihr ist allerdings die für Korea zuständige Vertreterin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Allison Hooker, nach Seoul gereist. Die ranghohe US-Beamtin kennt den General persönlich von einem Besuch 2014 in Pjöngjang.

aho/dpa