Walther Vierter, Lochner Fünfter

Zweierbob: Doppel-Gold für Friedrich und Kripps

Olympia - 19.02. 14:47

Der Serien-Weltmeister ist nun auch Olympiasieger: Mit zwei famosen Läufen in Durchgang drei und vier am Montag sicherte sich Francesco Friedrich bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang doch noch die Goldmedaille im Zweierbob. Der Finaldurchgang war an Dramatik kaum zu überbieten, der Kanadier Justin Kripps steht zeitgleich mit Friedrich ebenfalls ganz oben.

Francesco Friedrich am Montag bei seiner Fahrt im Eiskanal von Pyeongchang © imago

Zur Halbzeit lag Friedrich nur auf Rang fünf. Doch ein Kufenwechsel und Nerven wie Drahtseile führten doch noch zum Erfolg. Mit Bahnrekord in Lauf drei schob sich der 27-Jährige mit seinem Anschieber Thorsten Margis auf Rang zwei vor, im vierten Lauf erreichte er dann noch Rang eins, den er sich mit dem Kanadier Justin Kripps nach einem Herzschlagfinale teilt.

Nico Walther und Christian Poser kamen auf den vierten Rang, Johannes Lochner mit Christopher Weber fielen am Ende auf Rang fünf zurück.

Achtes Gold für deutsche Bobpiloten - Auch 1988 in Nagano gab es Doppel-Gold

Noch vor vier Jahren in Sotschi hatte es eine historische Pleite für die deutschen Bobs gegeben. Erstmals seit 50 Jahren waren sie ohne Medaille geblieben. Nun holte Friedrich in einem Krimi gleich im ersten Wettbewerb Gold. Es war der achte Olympiasieg eines deutschen Bobpiloten. Zwei Bobs zeitgleich hatte es bereits bei den Winterspielen 1998 in Nagano gegeben. Damals holten der Italiener Günther Huber und der Kanadier Pierre Lueders Gold.

Friedrich war nach zwei nicht ganz fehlerfreien Läufen am Sonntag als Fünfter in die zweite Hälfte des Wettbewerbs gestartet. Im dritten Lauf schob er sich mit Bahnrekord von 48,96 Sekunden auf Rang zwei vor und lag nur noch sechs Hundertstelsekunden hinter Kripps. Lochner behielt mit Weber seinen dritten Rang und war nur drei Hundertstelsekunden langsamer als Friedrich.

Im Final-Durchgang wurde es dramatisch. Der 27-jährige Friedrich legte als vorletzter Starter vor, dann folgte Kripps und hatte am Ende die exakt gleiche Zeit wie der Thüringer. Schon bei der WM 2017 hatten sich die beiden ein spannendes Duell geliefert. Damals siegte Friedrich mit neun Hundertstelsekunden Vorsprung auf den Kanadier.

"Das war ein Sensationsfinale, es war fantastisch für den Bobsport", sagte Friedrich. Bundestrainer René Spies meinte: "Das war ein unglaubliches Rennen. So spannend habe ich das noch nie erlebt."

Mit Friedrichs Erfolg haben die deutschen Bobfahrer ihr Olympia-Trauma von Sotschi vor vier Jahren gleich im ersten Rennen überwunden. In Russland waren sie erstmals in 50 Jahren ohne Medaille geblieben. "Für die gesamte Mannschaft nach den Jahren ist das eine unglaubliche Sache heute. Das waren intensive vier Jahre", meinte der Bundestrainer. Der 27-jährige Friedrich ist der einzige deutsche Fahrer, der das Debakel vor vier Jahren als Aktiver miterlebt hatte. Auch für ihn war das damals eine persönliche Schmach, die er nun getilgt hat.

Das "Jahrhunderttalent", wie sein Heimtrainer Gerd Leopold den Oberbärenburger nennt, galt als Topfavorit für Pyeongchang. "Es war ein langer Weg, Ich bin sehr glücklich. Es waren acht Jahre mit dem Jungen", sagte Leopold.

Gold: Justin Kripps/Alexander Kopacz (Kanada) 3:16,86 Min. (49,10 Sek./49,39 Sek./49,09 Sek./49,28 Sek.) Gold: Francesco Friedrich/Thorsten Margis (Altenberg/Halle/Saale) 3:16,86 (49,22/49,46/48,96/49,22)
Bronze: Oskars Melbardis/Janis Strenga (Lettland) +0,05 Sek. (49,08/49,54/49,08/49,21)
... 4. Nico Walther/Christian Poser (Altenberg/Potsdam) +0,20 (49,12/49,27/49,32/49,35); 5. Johannes Lochner/Christopher Weber (Stuttgart/Winterberg) +0,28 (49,24/49,34/49,09/49,47);

jer/dpa