Hermann und Fernstädt auf den Plätzen fünf und sechs

"Ein Nervenkrieg": Skeletonpilotin Lölling rast zu Silber

Olympia - 17.02. 14:25

Skeleton-Pilotin Jacqueline Lölling erweitert die bereits eindrucksvolle Titelsammlung in ihrer jungen Karriere um eine olympische Medaille. Die 23-Jährige holt in Pyeongchang Silber. Ihre Teamkolleginnen verpassen das Podium nur knapp.

Raste zu Silber: Jacqueline Lölling. © Getty Images

Erst lief Skeleton-Pilotin Jacqueline Lölling nach ihrem Silber-Coup zu ihrer Familie. Danach wurde sie von den Rodel-Heldinnen Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger innig umarmt. Die in Pyeongchang zweimal zu Gold gefahrene Geisenberger und die Olympia-Zweite Eitberger hatten am Samstag im Olympic Sliding Centre Lölling und ihre Teamkolleginnen angefeuert. Zumindest bei der 23-Jährigen nutzte es. "Ich bin überglücklich. Ich kann es noch nicht in Worte fassen", sagte sie. "Ich war schon völlig zufrieden, als ich Bronze hatte."

Nach vier Läufen lag die Weltmeisterin aus Brachbach nur 0,45 Sekunden hinter der Britin Lizzy Yarnold, die ihren Olympiasieg von Sotschi 2014 wiederholte. So eng war es noch nie, seit die Skeleton-Medaillen in vier Durchgängen entschieden werden. "Das war bis zur letzten Sekunde ein Nervenkrieg", meinte Lölling mit einem Dauerlächeln. "Es waren nervenzerreißende zwei Tage."

Dritte wurde Laura Deas, ebenfalls aus Großbritannien. Die vor dem Final-Durchgang führende Österreicherin Janine Flock fiel noch auf Platz vier zurück und wurde von Lölling getröstet.

"Das war verdient für die gesamte Mannschaft. Allein hätte ich es nicht geschafft."

Sie selbst ist die dritte deutsche Skeleton-Pilotin, die bei Olympia eine Medaille holte. Zuvor war das Kerstin Szymkowiak und Anja Huber mit Silber und Bronze in Vancouver 2010 gelungen. Das Edelmetall sei sehr wichtig für ihren Sport in Deutschland, meinte Lölling, vor allem nach den enttäuschenden Spielen in Sotschi. "Das war verdient für die gesamte Mannschaft. Allein hätte ich es nicht geschafft."

Ex-Weltmeisterin Tina Hermann aus Königssee und Anna Fernstädt verpassten es knapp, die olympische Erfolgsbilanz für das deutsche Skeleton noch auszubauen. Hermann wurde Fünfte, die Berchtesgadenerin Anna Fernstädt Sechste. Zwischen dem dritten und sechsten Platz betrug der Abstand nur 14 Hundertstelsekunden. "Gestern der zweite Lauf war eine völlige Katastrophe. Natürlich ist das ärgerlich, wenn man jetzt die engen Abstände sieht", meinte die 25-jährige Hermann.

Das Podest: Jacqueline Lölling, Lizzy Yarnold und Laura Deas. © imago

Lölling hatte in den ersten drei Läufen in der schwierigen Eisrinne immer wieder Fahrfehler gezeigt. Dennoch war die Weltcup-Siegerin als Führende in die letzten beiden Durchgängen gestartet. Die Abstände zur zweitplatzierten Flock und Yarnold waren allerdings knapp.

Durch einen Fehler in der Kurve neun, in der auch Rodler Felix Loch seine sicher geglaubte Goldmedaille vergeben hatte, verlor sie Zeit im dritten Lauf und rutschte auf den dritten Platz zurück. Der Rückstand auf die dann führende Flock blieb mit 0,1 Sekunde äußerst knapp. Im letzten Durchgang gelang ihr dann endlich die erste souveräne Fahrt, die auf dem Silberrang endete.

Erfolgreicher Weg mit Hindernissen

Lölling war nach vier Siegen in acht Weltcuprennen in dieser Saison und dem Gewinn des Gesamt-Weltcups die Topfavoritin. Schon bei den Olympischen Jugendspielen 2012 stand sie ganz oben auf dem Podest. Danach qualifizierte sie sich als Junioren-Weltmeisterin für die WM 2015 und fuhr auf ihrer Heimbahn in Winterberg prompt auf Rang zwei. Zwei Jahre später war sie Welt- und Europameisterin.

Dabei stand ihre Karriere bei den Frauen sogar auf der Kippe. Denn nach den schwachen Startleistungen der Deutschen in Sotschi 2014 durften nur die Athleten im Weltcup fahren, die die vom Bob- und Schlittenverband (BSD) gesetzte Startnorm knackten. Da sie alles in Grund und Boden fuhr, wurde eine Ausnahme gemacht. Erst in diesem Winter schaffte sie erstmals die geforderte Norm. In Peking 2022 soll nun die Krönung mit dem Olympiasieg folgen.

dpa