Pyeongchang: Emotionale Eröffnungsfeier

Freundliche Gesten zum Auftakt der Spiele

Olympia - 09.02. 15:50

Mit einer bunten Show und einer hochemotionalen Geste der Versöhnung durch das gemeinsame koreanische Team haben die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang begonnen. Um 21.42 Uhr Ortszeit gab Südkoreas Staatspräsident Moon Jae-In am Freitag mit der traditionellen Formel - "Ich erkläre die XXIII. Olympischen Winterspiele von Pyeongchang für eröffnet" - das Startsignal für das dritte Weltfest des Wintersports in Asien nach 1972 in Sapporo und 1998 in Nagano. 27 Minuten später entzündete Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Kim Yu-Na als Schlussläuferin des 101 Tage dauernden Fackellaufs die olympische Flamme im Olympiastadion.

Spektakulär: Flamme und Feuerwerk über dem Olympiastadion in Pyeongchang. © Getty Images

Bevor der Sport die Massen in seinen Bann zieht, nahm die Eröffnungshow die Zuschauer mit auf einer Fantasie-Reise durch Kultur und Geschichte Koreas. Das Spektakel begann um 20.01 Ortszeit mit Glockengeläut, das die Athleten und Wintersport-Fans in aller Welt begrüßte. Mit etwa zehn Milliarden Euro sind die Spiele in Südkorea wesentlich günstiger als die Spiele vor vier Jahren in Sotschi, die mit fast 50 Milliarden Euro als die bislang teuersten in der Olympia-Geschichte gelten.

An dem Spektakel auf Eis und Schnee in der an Nordkorea grenzenden Provinz Gangwon nehmen über 2.900 Sportler aus 92 Ländern teil. In den kommenden 16 Tagen werden in 102 Wettbewerben Medaillen vergeben. Südkorea ist zum zweiten Mal Schauplatz Olympischer Spiele nach den Sommerspielen 1988 in der Hauptstadt Seoul.

Die Eröffnungsfeier stand unter dem Motto "Frieden in Bewegung" und im Zeichen der vorsichtigen Annäherung von Süd- und Nordkorea. Bei Temperaturen um minus drei Grad und unangenehmem Wind mochte trotz des Licht- und Musikspektakels der Funke auf das Publikum zunächst kaum überspringen. Doch hoch emotional wurde es vor rund 35.000 Zuschauern und einem Milliarden-Publikum weltweit an den Fernsehern beim Einmarsch des gemeinsamen Teams von Süd- und Nordkorea.

Versöhnungsgesten zweier geteilter Länder

Die nordkoreanische Eishockeyspielerin Hwang Chung-Gum und der südkoreanische Bobfahrer Won Yun-Jong führten das Team an und schwenkten gemeinsam die Vereinigungsflagge. Auf der Tribüne beklatschten Südkoreas Staatschef Moon und Kim Yo-Jong, Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un, die Mannschaft und gaben sich anschließend im Beisein unter anderem von Japans Premierminister Shinzo Abe, UN-Generalsekretär Antonio Guterres und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Hand.

Unter gemeinsamer Flagge liefen Süd- und Nordkorea ein. © Getty Images

IOC-Chef Thomas Bach dankte den koreanischen Sportlern und sah in dem Einmarsch ein Beispiel "für die einzigartige Kraft des Sports, Menschen zu vereinen". "Alle Athleten um mich herum, alle Zuschauer hier im Stadion und alle Olympia-Fans, die rund um die Welt zuschauen - wir alle sind von dieser wunderbaren Geste berührt", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Wir alle schließen uns Ihnen an und unterstützen Sie in Ihrer Friedensbotschaft."

22 Athleten hat Nordkorea zu den Spielen in den Süden geschickt und damit die zarte Hoffnung auf eine Annäherung der beiden Staaten geweckt. Das IOC hatte den kurzfristigen Start der Nordkoreaner möglich gemacht.

Doch auch das Thema Doping wurde bei der Zeremonie sichtbar. Wegen der Suspendierung ihres Nationalen Olympischen Komitees liefen die vom IOC zugelassenen russischen Athleten unter der Bezeichnung "Olympische Athleten aus Russland" in ungewohnter grau-blauer Teamkleidung und mit weißen Schals ein. Wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS noch eine Klage von 45 russischen Sportlern und zwei Betreuern zurückgewiesen. Damit blieb es bei 168 Teilnehmern aus Russland. "Nur wer die Regeln einhält und sauber bleibt, kann seine olympische Leistung wirklich genießen", appellierte IOC-Präsident Bach an die Athleten in seinem Grußwort. "Nur dann werden Ihre lebenslangen Erinnerungen die Erinnerungen an einen wahren und würdigen Olympioniken sein."

Frenzel: "Auch hinter den Kulissen sehr nett"

Die deutsche Mannschaft zog - angeführt vom Nordischen Kombinierer Eric Frenzel als Fahnenträger - als neuntes Team in das Stadion ein. "Es war ein tolles Erlebnis. Ich werde mich ein Leben lang daran erinnern!" sagte Frenzel. "Es war auch hinter den Kulissen nett, mit den vielen anderen Athleten aus allen Disziplinen auf Beginn der Feier zu warten."

Nach der etwa zweieinviertelstündigen Show in dem nur für die Eröffnungs- und Schlussfeier genutzten fünfeckigen Stadion, das nach den Paralympischen Spielen wieder abgebaut wird, gehören die olympischen Arenen bis zum 25. Februar den Athleten. Die erste Entscheidung fällt am Samstagmorgen (8.15 Uhr MEZ) im Skiathlon der Skilangläuferinnen.

dpa