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29.07.2016, 23:07

Überblick vom Start der Ermittlungen bis zum Urteil

Chronologie zum russischen Dopingskandal

Gnade für die russischen Athleten, Schlupflöcher statt Komplettverbannung: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) lässt Russland mit einem blauen Auge davonkommen. Die Sport-Großmacht darf bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 starten - und das sogar unter Landesflagge. Die Entscheidung, welche Sportler nach Rio dürfen, delegierte das IOC an die internationalen Sportverbände weiter und behielt sich lediglich ein Einspruchsrecht vor. Ein Überblick der gesamten Ereignisse ...

Russische Nationalflagge
Die russische Nationalfahne wird nun doch bei den olympischen Sommerspielen in Rio wehen.
© picture allianceZoomansicht

3. Dezember 2014: Die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" liefert Belege für staatlich unterstütztes Doping und massive Korruption im russischen Sport. Auch der Internationale Leichtathletik-Verband IAAF und dessen russischer Schatzmeister geraten durch zahlreiche Zeugenaussagen und belastende Dokumente unter Druck.

11. Dezember: Die WADA leitet nach den Enthüllungen über ein staatliches Dopingsystem in Russland eine Untersuchung ein.

18. Dezember: Kronzeugin Julia Stepanowa erklärt, sie habe die WADA bereits Anfang 2013 in einem Brief ausführlich über die Vorgänge in Russland unterrichtet.

17. Februar: Russlands Leichtathletik-Präsident Valentin Balachnitschev tritt als Konsequenz aus den Doping-Enthüllungen zurück.

1. August: Die Dokumentation "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" der ARD und der Sunday Times präsentiert kurz vor der WM in Peking neue Belege für Vergehen in Russland und auch Kenia.

2. August: Die WADA ist nach den neuen Doping-Vorwürfen alarmiert. Präsident Craig Reedie sagt: "Diese Behauptungen werden sofort an die unabhängige WADA-Kommission für weitere Untersuchungen übergeben."

Doping
Trotz der Begnadigung bleibt über dem russischen Verband ein gewaltiger Doping-Schatten.
© picture alliance

2. August: Russlands Sportminister Vitali Mutko bezeichnet die neuen Doping-Vorwürfe als Quatsch.

16. August: Die IAAF fordert den russischen Verband zu Sperren gegen acht Athleten und Funktionäre auf.

17. August: Der russische Leichtathletik-Verband schickt keine unter Doping-Verdacht stehenden Athleten zu den Weltmeisterschaften in Peking.

9. November: Eine unabhängige Kommission der WADA fordert den Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes ARAF aus dem Weltverband IAAF wegen Nicht-Einhaltung des Anti-Doping-Codes.

9. November: Das systematische Doping-System in der russischen Leichtathletik soll offenbar von höchsten Stellen der Moskauer Regierung gedeckt worden sein. Er glaube nicht, dass es irgendeine andere mögliche Schlussfolgerung gebe, sagte der Kommissions-Vorsitzende Richard Pound bei der Bekanntgabe seines Untersuchungsberichts zum Dopingbetrug in Russland: "Sie können es nicht nicht gewusst haben."

10. November: Die WADA sperrt das Moskauer Anti-Doping-Labor mit sofortiger Wirkung.

11. November: Nur wenige Stunden nach der Schließung des Moskauer Anti-Doping-Labors erklärt der bisherige Leiter Gregori Rodschenko seinen Rücktritt. Damit wurde die Forderung der WADA erfüllt, die ihm unter anderem vorgeworfen hatte, 1417 Dopingproben zerstört zu haben. Rodschenko wird später zum Kronzeugen und zur Schlüsselfigur bei der Aufklärungsarbeit des Sonderermittlers Richard McLaren.

12. November: Sportminister Witali Mutko erklärt, dass Russland keinen Olympia-Boykott erwäge, sollte das russische Leichtathletik-Team für Olympia in Rio gesperrt werden. Russland sei ein "verlässlicher Partner der olympischen Bewegung".

IOC-Präsident Thomas Bach und Wladimir Putin
IOC-Präsident Thomas Bach und Wladimir Putin
© picture allianceZoomansicht

13. November: Die IAAF suspendiert den russischen Verband vorläufig.

7. Januar 2016: Die IAAF-Ethikkommission fordert lebenslange Sperren für den ehemaligen Verbandspräsidenten Valentin Balachnitschev und Ex-Cheftrainer Alexej Melnikov. Beide haben offenbar systematisch positive Doping-Proben russischer Athleten vertuscht und Schmiergelder kassiert.

17. März: In Portland beginnen die Hallen-Weltmeisterschaften. Es ist das erste Leichtathletik-Großereignis ohne die gesperrten Russen.

17. Mai: Das IOC teilt mit, dass bei Nachtests von Proben der Olympischen Spiele 2008 in Peking insgesamt 31 Sportler überführt worden sind. Darunter sollen 14 Russen sein.

27. Mai: Nach IOC-Angaben sind bei Nachtests von Dopingproben der Olympischen Spiele 2012 in London weitere 23 Sportler überführt worden. Das Russische Olympische Komitee bestätigt, dass acht Russen darunter sind, unter anderem Hammerwurf-Olympiasiegerin Tatjana Lyssenko.

15. Juni: Die WADA erhebt weitere schwere Vorwürfe und offenbart in einem Bericht gravierende Mängel im russischen Anti-Doping-Kampf. So hätten zwischen dem 15. Februar und dem 29. Mai insgesamt 736 geplante Dopingkontrollen aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden können.

17. Juni: Das IAAF-Council bestätigt in Wien die Suspendierung des russischen Verbandes auf unbestimmte Zeit und besiegelt damit praktisch auch schon das Aus der russischen Leichtathletik für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Allerdings eröffnet das Gremium gleichzeitig russischen Aktiven "ohne Verbindung zum System" bei Nachweis einer weißen Weste oder "verdienten Doping-Gegnern" wie der russischen Whistleblowerin Julia Stepanova die Möglichkeit zur Teilnahme an internationalen Wettbewerben unter neutraler Flagge und nicht unter dem russischen Banner.

25. Juni: 67 russische Leichtathleten stellen beim IAAF ein Gesuch, an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen zu dürfen.

1. Juli: Julia Stepanova erhält ihr internationales Startrecht durch die IAAF zurück. Auch die in den USA lebende Weitspringerin Darja Klischina darf wieder starten. Sämtliche anderen Athleten-Gesuche lehnt die IAAF ab. Die Betroffenen rufen den Internationalen Sportgerichthof CAS an.

18. Juli: Der kanadische Sonderermittler Richard McLaren stellt in Toronto seinen Bericht vor und bestätigt, dass es in Russland von "mindestens Ende 2011 bis August 2015" ein staatlich gesteuertes Doping-System gegeben habe. Die WADA und zahlreiche weitere Organisationen fordern den kompletten Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen in Rio. Das IOC kündigt erste Entscheidungen für den 19. Juli an.

Julia Stepanova
Einen Start der russischen Whistleblowerin Julia Stepanova in Rio als neutrale Starterin lehnte das IOC ab.
© picture alliance

19. Juli: Das IOC verhängt keinen direkten Olympia-Ausschluss gegen Russland. Im Anschluss an eine Telefonkonferenz der 15-köpfigen Exekutive unter Leitung von Präsident Thomas Bach verkündet das IOC, zunächst die Entscheidung des CAS bezüglich des Einspruches von 68 russischen Leichtathleten abzuwarten. Die betroffenen Athleten waren vom Leichtathletik-Weltverband IAAF nicht für Olympia in Rio zugelassen worden, der CAS will seine Entscheidung am Donnerstag verkünden.

21. Juli: Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigt den Ausschluss von 68 russischen Leichtathleten durch den Weltverband IAAF. Einen entsprechenden Einspruch der 68 Sportler und des russischen NOK lehnte der CAS ab. Eine Urteilsbegründung gab es wegen der "Dringlichkeit der Sache" zunächst nicht. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will sich bis zum kommenden Dienstag zu dem Urteil äußern. Der Rechtsspruch gilt als wegweisend für die Entscheidung des IOC bezüglich einer Sperre aller russischen Athleten für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

24. Juli: Das IOC verzichtet auf einen Ausschluss des kompletten russischen Olympia-Teams. Allerdings müssen russische Sportler für eine Zulassung zu den Sommerspielen gegenüber ihren jeweiligen Weltverbänden mehrere strenge Kriterien erfüllen. Einen Start der russischen Whistleblowerin Julia Stepanova in Rio als neutrale Starterin lehnte das IOC ab.

29. Juli: Der Internationale Gewichtheber-Verband IWF hat alle acht vom russischen Verband nominierten Athleten ausgeschlossen, die in Rio de Janeiro an den Start gehen sollten.

sid/dpa

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Bunt mit Meerblick: Sportstätten bei Olympia
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© imago/Getty Images

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