
"Der Titel Sommermärchen ist ja schon belegt, aber dann war das hier der Sommer-Wahnsinn", sagte der Chef des Deutschen Behindertensportverbandes Friedhelm Julius Beucher im Interview mit dem SID: "Die hohen Erwartungen sind sogar übertroffen worden. Hier hat einfach alles gepasst. Die Londoner haben uns auf dem gesamten Weg das Gefühl gegeben, dass die Paralympics das zweite Olympia waren. Und zwar nicht in der Reihenfolge, sondern nebeneinanderstehend."
Der 66-Jährige zeigte sich vor allem von der Atmosphäre in den Sportstätten beeindruckt. "Wir hatten es hier offenbar mit dem sportbegeistertsten Publikum der Welt zu tun, das sowohl seine eigenen Helden als auch den Letzten im Rennen frenetisch angefeuert hat", sagte Beucher und führte fort: "Die Zuschauer haben in jedem Fall auch Gold verdient."
Aus deutscher Sicht waren die Spiele auch sportlich betrachtet ein voller Erfolg. Die deutsche Athleten sammelten insgesamt 18 Gold-, 26 Silber- und 22 Bronzemedaillen, was den Präsidenten zusätzlich erfreut: "Wir haben sensationell abgeschnitten", sagte Beucher: "Wir haben keine Zielvorgabe gemacht, aber wir haben natürlich auf gute Ergebnisse gehofft. Davon gab es letztlich mehr, als es die kühnsten Optimisten erträumt hätten."
Zu den Goldgewinnern zählten auch die deutschen Damen im Basketball. Nationaltrainer Holger Glinicki löste nun sein nach dem Finalsieg (58:44-Sieg gegen Australien) gegebenes Versprechen ein. Unter dem Applaus seiner erfolgreichen Schützlinge glitt der selbst im Rollstuhl sitzende Trainer am Sonntag ins Hafenbecken des Londoner Bankenviertels in Canary Wharf in die Themse. "Dafür hat es sich gelohnt, dass wir Gold geholt haben", schrie Glinicki aus dem Wasser heraus.
Entscheidungen wurden auch am Sonntag gesucht. Zuerst im Marathon. In der Klasse T12 sicherte sich der Spanier Alberto Suarez Laso Gold vor Elkin Alonso Serna Moreno (Kolumbien) und Abderrahim Zhiou (Tunesien). In der Klasse T54 gab es einen britischen Erfolg: David Weir (Großbritannien) verwies den Schweizer Marcel Hug und den Australier Kurt Fearnley auf die Plätze. Der Brasilianer Tito Sena gewann in der Klasse T46 mit persönlicher Bestleistung vor Abderrahman Ait Khamouch (Spanien) und Frederic van den Heede (Belgien). Bei den Frauen triumphierte die US-Amerikanerin Shirley Reilly in der Klasse T54 vor der Britin Selly Woods und der Schweizerin Sandra Graf.
Im Mixed-Rollstuhl-Rugby erkämpfte sich das australische Team am Nachmittag Gold. Die Australier setzten sich im Finale gegen Kanada mit 66:51 durch. Zuvor hatten die USA im Spiel um Bronze Japan mit 53:43 niedergerungen.
Die letzte Entscheidung fiel im Fußball "7-a-side". Dort sicherte sich die Mannschaft aus Russland dank eines 1:0-Sieges über die Ukraine Gold. Das Spiel um Platz drei und damit um Bronze entschied der Iran für sich. Die Iraner fertigten Brasilien mit 5:0 ab.
Schon traditionsgemäß wurde am letzten Abend der Spiele der "Whan Youn Dai Overcome"-Preis - benannt nach der Koreanerin Whang Youn Dai, die sich ein Leben lang für die Belange von Behinderten eingesetzt hatte - verliehen. Mit dem Preis sollen besondere Leistungen bei der Überwindung der Behinderung durch den Sport gewürdigt werden. Ausgezeichnet wurden der unter Koordinationsstörungen leidende Ire Michael McKillop und die Kenianerin Mary Zakayo.
Die Paralympics waren auch ein Besuchererfolg: Mit 2,7 Millionen verkauften Tickets stellte London 2012 einen neuen Rekord auf. In Peking waren mit 1,29 Millionen Tickets nur etwa halb so viele Karten abgesetzt worden. 2004 in Athen waren es 850 000 gewesen.
Mit einer rauschenden Schlussfeier gingen die 14. Paralympics zu Ende. Hauptattraktionen in der Abschlusszeremonie war am Sonntagabend dieAuftritte der britischen Band Coldplay sowie der Sängerin Rihanna vor 80.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion. Im Rahmen der Musikshow mit dem Titel "Festival of Flame" marschierten die Athleten aus 165 Nationen ins Stadion ein, die deutsche Fahne trug der 20 Jahre alte querschnittsgelähmte Tischtennisspieler Thomas Schmidberger aus Plattling. Der britische Premierminister David Cameron hob in seiner Ansprache die großartigen Leistungen der Athleten hervor und prophezeite: "Wir werden uns für alle Zeiten an diesen Sommer erinnern."
| Zeit | Sender | Sendung |
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| 17:00 | SKYS2 | Wrestling: WWE |
| 17:00 | HR3 | Springreiten |
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