Der linksseitig oberschenkelamputierte Heinrich Popow (29) hat sein vorher ausgegebenes Ziel in die Tat umgesetzt. Der Weltmeister aus Leverkusen, der zuvor bereits Bronze mit der Staffel und über die 200 m gewonnen hatte, siegte über 100 m in 12,40 Sekunden vor Scott Reardon (Australien/12,43) und vor dem viermaligen Paralympics-Sieger Czyz (Kaiserslautern/12,52).
Der 29-Jährige ließ sich am Freitagabend auch nicht von den im Vorfeld geäußerten Vorwürfen von Czyz beirren, er nutze ein der Konkurrenz nicht zugängliches künstliches Knie.
Fahnenträgerin Daniela Schulte feierte im Aquatics Centre nach einigen Enttäuschungen einen erlösenden Erfolg. Die sehbehinderte Athletin siegte über 400 Meter Freistil vor Amber Thomas (Kanada) und Cecilia Camellini, die sich über Bronze freuen durfte. "Mit diesem ersten Gold ist ein Traum wahr geworden", meinte Schulte. "Ich hätte gerne auch noch meinen eigenen Weltrekord gebrochen, aber die Nervosität war heute schon sehr groß."
Im Straßenrennen war Eskau von der Konkurrenz nicht zu bremsen, sie gewann mit einem Vorsprung von 10:16 Minuten auf ihre nächsten Verfolgerinnen. Die 41 Jahre alte Thüringerin verteidigte damit ihren Titel von 2008 in Peking, bei den Winterspielen in Vancouver 2010 holte die Diplom-Psychologin zudem Silber im Langlauf und Bronze im Biathlon. Die Hamburgerin Dorothee Vieth, die Zweitplatzierte des Zeitfahrens, musste sich nach 48 Kilometern im Sprintduell um Silber der Niederländerin Laura de Vaan geschlagen geben und holte Bronze.
Tüftlerin Eskau wusste, dass der Erfolg auch ihrem Sportgerät zu verdanken war. "Das Bike war sicher ein kleiner Vorteil. Aber dafür haben wir auch viel Arbeit reingesteckt", sagte sie: "Und von alleine fährt es natürlich auch nicht." Eskau ist seit einem Fahrradunfall 1998 querschnittsgelähmt, ihrer Verrücktheit auf den Sport tat dies keinen Abbruch. 21.000 Trainingskilometer hat sie seit Januar für London absolviert, nun bereitet sie sich für die Winterspiele in Sotschi vor. "Der Wettkampfplan ist schon gemacht. Am 10. September geht die Vorbereitung los. Ich werde dort siebenmal starten, das sind sieben Medaillenchancen", erklärte sie.
Auch bei den Herren ging das deutsche Team nicht leer aus. Radsportler Vico Merklein schnappte sich zwei Tage nach seinem unglücklichen vierten Platz im Zeitfahren beim paralympischen Straßenrennen die Silbermedaille. Der querschnittsgelähmte Nenndorfer musste sich in Brands Hatch nur Zeitfahr-Sieger Rafal Wilk (Polen) geschlagen geben.
Große Freude herrschte bei den Tischtennisspielern: Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle sicherten sich die Silbermedaille. Die beiden Rollstuhlfahrer aus Bayern unterlagen zwar im Finale mit 2:3 den Favoriten aus China, boten aber ein packendes Match und verloren erst das entscheidende Doppel mit 1:3. Die Enttäuschung währte nur kurz. "Das ist ein Riesenerfolg, wir haben ein junges Team, dem die Zukunft gehört", jubelte Trainer Wieland Speer.
Zum Abschluss des Tages holten die Basketball-Frauen das 18. Gold für Deutschland. Erstmals seit 28 Jahren gelang dem Rollstuhl-Team der Coup - die deutschen Anhänger waren aus dem Häuschen. In einem packenden Match setzte sich die Mannschaft von Trainer Holger Glinicki gegen Australien mit 58:44 durch. Erfolreichste Werferin für war Mareike Aderman mit 19 Punkten.
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