Es war ihr letztes Rennen bei Paralympics, und Kirsten Bruhn sorgte für einen krönenden Abschluss: die Schwimmerin holte über die 100 m Brust Gold! "Das war's. In Rio bin ich nicht mehr dabei. Ich bin einfach nur erleichtert. Ich dachte, vielleicht zündet ja doch noch eine den Turbo", sagte die 42-Jährige aus Neumünster, die seit einem Motorradunfall auf der griechischen Insel Kos inkomplett querschnittsgelähmt ist. Auf ihrer Paradestrecke, auf der sie den Weltrekord hält und im Vorlauf paralympische Bestzeit geschwommen war, konnte die Konkurrenz nicht mithalten. Song Ling Ling (China) hatte als Zweite elf Sekunden Rückstand auf Bruhn, die schon 2004 in Athen und 2008 in Peking triumphierte. Die Berlinerin Verena Schott wurde Fünfte. Insgesamt hat Bruhn bei Paralympics nun drei Gold- sowie jeweils vier Silber- und Bronzemedaillen gesammelt.
Gold verpasst, aber Silber gewonnen über die 100 m Brust hat der querschnittsgelähmte Berliner Niels Grunenberg. Er musste sich nur dem Südkoreaner Lim Woo-Geun geschlagen geben.
"Dass ich es diesen muskelbepackten Kerlen, die neu in meiner Klasse sind, mit meinen dünnen Beinchen gezeigt habe, allein durch Wille, Ausdauer und Erfahrung, macht mich stolz", sagte der teilweise gelähmte Teuber der in der Klasse C1 startet. "Natürlich war Anspannung und Frust dabei, weil es auf der Bahn so beschissen gelaufen ist. Aber jetzt bin ich einfach von meinen Emotionen überwältigt."
Teuber düpierte seine Kontrahenten über 16 Kilometer in 25:16,43 Minuten. Der Brite Mark Colbourne (25:29,37) und Li Zhang Yu (China/26:23,11) holten die übrigen Medaillen. Eric Winkler (Vilsbiburg) verpasste als Vierter in 26:38,87 das Podest.
„Das ist einfach nur geil.“Tobias Graf
Wenige Minuten zuvor hatte bereits Graf Gold geholt. Der 28-Jährige triumphierte im Zeitfahren bei den Straßenradwettbewerben in der Klasse C2 und gewann damit nach zwei Medaillen auf der Bahn sein drittes Edelmetall in der britischen Hauptstadt. Dem technischen Zeichner aus Baden-Württemberg fehlt nach einer Amputation das linke Bein. Graf siegte über 16 Kilometer in 24:35,12 Minuten vor Liang Guihua (China/5,21 Sekunden zurück) und Maurice Eckhard Tio (Spanien/5,64).
"Ich denke, es gibt jetzt schon eine ordentliche Party, aber ich habe noch nichts geplant", sagte der Freiburger, der auf der Bahn Silber in der Einer-Verfolgung über 3000 m und Bronze im Zeitfahren über 1000 m gewonnen hatte. Dass er nun Medaillen aller Farben aus London mitbringt, wunderte Graf selbst ein wenig. "Das ist einfach nur geil. Gehofft habe ich schon darauf, aber gerechnet habe ich nicht damit", sagte er: "Ich habe mich nach den Bahnrennen eigentlich ziemlich platt gefühlt, aber anscheinend hat die Form auf den Punkt gepasst."
Im gemischten Zeitfahren reichte es für Hans-Peter Durst zu Silber hinter der australischen Siegerin Carol Cooke. Dritter auf der Rennstrecke in Brands Hatch wurde Lokalmatador David Stone.
Der Start von Durst bei den Paralympics war lange fraglich gewesen, nachdem der Weltmeister am 13. August bei einem Sturz auf einer Trainingsfahrt in Dortmund schlimme Verletzung davontrug. Bei einer Kollision mit einem alkoholisierten Radfahrer wurde ihm der linke Daumen abgerissen, zudem zog er sich drei Brüche an der rechten Hand zu.
"Wir haben hier alle ein Handicap, ich hatte heute eben ein bisschen mehr, als ich sonst hatte. Aber hier fahren Sportler mit einem Arm", sagte der tapfere Dortmunder: "Vor dem Unfall wäre die Strecke wie für mich gemacht gewesen. So habe ich gedacht, dass nicht mehr als der fünfte Platz möglich wäre. Deshalb bin ich sehr zufrieden."
Für das dritte Gold aus deutscher Sicht am Mittwoch war dann Andrea Eskau zuständig. Im Zeitfahren der Handbikerinnen war die Magdeburgerinnen über 26 Kilometer in 28:18,09 Minuten knapp zwei Minuten schneller als die Hamburgerin Dorothee Vieth (30:00,19 Min.) Bronze ging an die Niederländerin Laura de Vaan.
Die 40 Jahre alte Eskau hatte 2008 in Peking bereits im Gold im Straßenrennen gewonnen, bei den Winterspielen in Vancouver 2010 holte die Diplom-Psychologin Silber im Langlauf und Bronze im Biathlon. Für Vieth war es das beste Ergebnis ihrer Karriere nach zwei Mal Bronze vor vier Jahren in China.
Bei den Männern musste sich der Cottbuser Norbert Mosandl nur dem Italiener Alessandro Zanardi beugen. Der ehemalige Formel-1-Pilot, dem nach einem Unfall auf dem Lausitzring im Jahr 2001 beide Beine amputiert werden mussten, war in 24:50,22 Minuten um 13 Sekunden schneller als Mosandl. Rang drei sicherte sich der US-Amerikaner Oscar Sanchez.
"Hier ist etwas Magisches in meinem Leben passiert", sagte der 45 Jahre alte Zanardi: "Es ist ein wunderbares Gefühl, ich bin überglücklich, aber auch traurig, weil das große Abenteuer vorbei ist. Ab Montag muss ich mir eine neue Beschäftigung suchen."
Mosandl hatte dagegen gemischte Gefühle. "Einerseits bin ich mit Silber zufrieden", sagte der 51-Jährige: "Andererseits war es ein einziger Fahrfehler, der mich den Sieg gekostet hat."
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