Der fünfte Platz im Medaillenspiegel von Peking mit insgesamt 41 Medaillen, davon 16 goldene, war vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als ehrgeizige Marschrichtung ausgegeben worden. Verbunden mit dem steten Hinweis, wie schwer das werden würde, weil Nationen wie Südkorea systematisch mehr Geld und Know-how investierten, um in die Weltspitze vorzudringen. So weit, so gut, denn dies war eine realistische Erwartung, die das deutsche Team mit leichten Abstrichen auch erfüllen wird.
Doch die Veröffentlichung der vom DOSB mit den Fachverbänden festgehaltenen Zielvereinbarungen vermittelt nun einen völlig anderen, einen schiefen Eindruck, der den Frauen und Männern im Deutschland-Trikot nicht gerecht wird: Das deutsche Team sollte 86 Medaillen gewinnen, davon 28 aus Gold. Diese Zahlen kommen Luftschlössern gleich. 1992 holten deutsche Olympioniken in Barcelona 33-mal Gold. Insgesamt erreichte die Mannschaft bei den ersten Spielen nach der Wiedervereinigung 82 Medaillen. Die Entwicklung danach bot nicht den geringsten Anlass für derartig hohe London-Ziele.
Auf der Grundlage der Zielvereinbarungen wird über einen Teil der Sportförderung durch den Bund entschieden, der dafür jährlich mehr als 130 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Es geht also um die Verwendung von Steuergeldern. Die Veröffentlichung der zuvor geheim gehaltenen Vereinbarungen, die zwei Journalisten vor Gericht erzwungen haben, ist daher richtig.
DOSB-Präsident Thomas Bach hat in der Halbzeitbilanz von London angekündigt, dass die Ergebnisse "sehr schnell" auf den Prüfstand kommen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), erklärte, man müsse prüfen, wo die Fördermittel effizient eingesetzt worden seien und wo nicht. Diese Form von Qualitätskontrolle war nach Peking eingeführt worden und sollte, so hieß es noch vor einer Woche, auch vor Rio 2016 wieder eingesetzt werden. Ob das nun in der Form geschieht wie bisher, ist zweifelhafter denn je. Denn unabhängig davon, dass die einzelnen Verbandsführungen unterschiedlich entspannt mit den DOSB-Vorgaben umgehen, ist das gesamte Procedere fragwürdig. Werden die Schwimmer nach dem London-Debakel nun mit einer Kürzung der Mittel bestraft oder müsste nicht genau dort mehr investiert werden? Dass die Konsequenzen von verfehlten Zielen mal so und mal so sein könnten, hat sogar Friedrich am Freitag eingeräumt.
Noch ein Grund mehr, hier für mehr Transparenz zu sorgen und weitere Peinlichkeiten zu vermeiden.

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