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08.08.2012, 18:04

Wie geht es nach London weiter?

Harting, Brendel & Co. üben Kritik

Das deutsche Abschneiden bei den Olympischen Spielen in London kann bereits jetzt als bescheiden betitelt werden - Deutschland läuft den anderen Topnationen und den eigenen Ansprüchen mit bisher sieben Goldmedaillen hinterher. Das Problem: Zu wenig Geld, verkrustete Strukturen, keine Konzepte. Den Vorwurf der mangelnden Leistungsbereitschaft lassen die Athleten sportartübergreifend jedoch nicht gelten - sie verweisen auf Fehler im System.

Robert Harting
Übte Kritik an der deutschen Sportförderung: Robert Harting.
© Getty ImagesZoomansicht

Auch Diskus-Olympiasieger Robert Harting reihte sich in die Riege der Kritiker ein. "Wir vergleichen uns in der Wirtschaft mit sämtlichen Ländern, wir sind für den Euro immens wichtig, und wir setzen politisch Maßstäbe. Warum sollen wir uns nur in der Sportförderung nicht mit anderen vergleichen dürfen?", fragte der 27-Jährige und führte fort: "Jeder redet über Geld, aber wenn Sportler es tun, bekommen sie einen übergezogen."

Mit dieser Meinung steht Harting nicht alleine da. So holte am Mittwochmorgen Bahnradsprinter Maximilian Levy, der Silber im Keirin und Bronze im Teamsprint gewonnen hatte, zum Rundumschlag aus. "Von der Förderung her sind wir hoffnungslos unterlegen. Wir schaffen es nur über unsere deutsche Disziplin dranzubleiben", betonte Levy: "Im ganzen deutschen Sportsystem muss sich etwas grundlegend ändern. Die Frage ist doch: Will die Gesellschaft sportlichen Erfolg - oder will die sie nur Fußball und Formel 1 gucken?"

Ähnlich äußerte sich Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel. "Es gibt auf jeden Fall bessere Förderungssysteme. Wenn wir wollen, dass der deutsche Sport in den nächsten Jahren erfolgreich ist, müssen wir mehr investieren", so der Goldgewinner im Einer-Canadier. Damit liegt er auf einer Linie mit Säbelfechter Nicolas Limbach: "Im Vergleich mit den Strukturen in den anderen westeuropäischen Ländern sind wir Amateure. Da haben wir einen Standortnachteil." Limbach geht sogar noch weiter und meint: "Alle wissen das, und es wird absolut verkannt."

Sebastian Brendel
Auch er hielt sich mit Kritik nicht zurück: Sebastian Brendel.
© Getty ImagesZoomansicht

Dass man es als Leistungsspirtler in Deutschland nicht ganz leicht hat, wurde bereits von einer 2010 erhobenen Studie belegt. Demnach verdient ein deutscher Spitzenathlet bei einer 60-Stunden-Woche im Schnitt 1919 Euro brutto im Monat - weniger als der deutsche Durchschnittsbürger. Umstände, die Sportlern anderer Nationen fremd sind. Um mehr Geld ringt auch DOSB-Generalsekretär Michael Vesper, der sich ein stärkeres Engagement der Wirtschaft: "Ich wünsche mir, dass große Unternehmen erkennen, welchen Gewinn ein Spitzensportler, ein Olympiasieger oder Medaillengewinner für das eigene Unternehmen hat."

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Neben dem finanziellen Aspekt geht es aber auch um mangelnde Nachwuchsförderung und schlechte Rahmenbedingungen für Trainer. "Die Sportler müssen eingebettet sein in ein System, in dem sie und die Trainer sich hundertprozentig auf ihren Sport konzentrieren können. Wir müssen in Zukunft erheblich mehr für die Förderung tun, das fängt schon in der Schule an", fordert Jürgen Hingsen, deutscher Rekordhalter im Zehnkampf: "Aber das Thema haben wir in Deutschland ja auch verpasst."

Welche Konsequenzen wird es geben? Auf diese Frage wird es wohl erst eine Antwort geben, wenn die Olympia-Nachbetrachtung des DOSB durch ist. "Erst brauchen wir die Analyse. Wir haben bereits unseren klaren Bedarf deutlich gemacht. Aber das ist ein Thema für die Zeit nach dem Schlusspfiff", erklärte DOSB-Sportdirektor Bernhard Schwank.

Einen anderen Ansatz vertritt Kanu-Präsident Thomas Konietzko, der die jeweiligen Verbände in die Pflicht nimmt: "Kein Präsident wird sagen, wir haben zu viel Geld. Es ist aber genügend Geld im System. Wir stellen hohe Ansprüche lieber an uns selber."

08.08.12
 
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