Als feststand, dass es erneut zu Silber reichte, ließ die Anspannung beim 24-Jährigen merklich nach und er fiel seinem Trainer Valeri Belenki in die Arme. Mit 15,800 Punkten musste sich der zweimalige Europameister an seinem Spezialgerät nur Ex-Weltmeister Feng Zhe aus China beugen. Dieser hatte es auch aufgrund eines höheren Schwierigkeitsgrades auf 15,966 Zähler gebracht. Bronze ging an den ehemaligen Vize-Weltmeister Hamilton Sabot aus Frankreich.
Auf dem Siegertreppchen winkte Nguyen anschließend den 15.000 Zuschauern in der North Greenwich Arena zu und warf im Anschluss seinen Blumenstrauß in die deutsche Fan-Ecke. "Ich habe mir einfach vorgestellt, ich sei in meiner Trainingshalle, das hat mich beruhigt", erklärte Nguyen, der sich über den gesamten Wettbewerb hinweg äußerst gelassen gegeben hatte. Der Gewinn der Mehrkampf-Medaille dürfte seinem Selbstvertrauen sicherlich Auftrieb gegeben haben: "Die Spiele sind viel besser gelaufen, als ich es erwartet hatte", meinte Nguyen.
Trainer Valeri Belenki ließ sich vom Erfolg ein wenig verleiten und blickte schon mal nach Rio 2016: "Dann können wir vielleicht schon an andere Medaillenfarben denken. Jetzt wird es wichtig sein, dass Marcel lernt, mit dem Erfolg richtig umzugehen."
Kunstturner Fabian Hambüchen zog kurz darauf nach und gewann auf seinem Spezialgerät, dem Reck, ebenfalls Silber. Vier Jahre nach seinem dritten Platz in Peking ließ der Ex-Weltmeister die Konkurrenz aus Asien hinter sich, musste sich dann aber doch einem geschlagen geben. Der Wetzlarer erhielt für seine gelungene Übung in 16,400 Punkte, was nur vom Niederländer Epke Zonderland überboten wurde. Der "Fliegende Holländer" heimste 16,533 Punkte ein. Bronze ging mit 16,366 Punkten nach China an Zou Kai. "Es war ein hammerhartes Finale. Ich bin froh, durchgekommen zu sein. Ich bin einfach überwältigt und wunschlos glücklich", sagte Hambüchen: "Zonderland hat verdient gewonnen. Es gibt niemanden, dem ich es mehr gönne."
"Einer der größten olympischen Erfolge deutscher Turner", ergänzte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam, während Ex-Weltmeister Eberhard Gienger deutlicher wurde: "Wir sind wieder wer!"
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