Nach dem abschließenden 800-m-Lauf, den Schwarzkopf als Vierte beendet hatte, wurde sie disqualifiziert. Angeblich sollte sie kurz nach dem Start in der Kurve ihre Bahn verlassen haben, was laut Reglement eine Disqualifikation nach sich zieht. Nur war die Täterin nicht Schwarzkopf, sondern die Russin Kristina Savitskaya. Die Verwirrung war demnach grenzenlos - eine derartige Verwechslung in der modernen Zeit schien absurd.
Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband mitteilte, war ein Protest nicht notwendig, denn der Irrtum wurde rasch bemerkt und die Disqualifikation der 28-Jährigen wurde angeblich zurückgenommen. Nur gab es eben dafür keinerlei Bestätigung von offizieller Seite. Folglich musste Schwarzkopf, die es mit ihrer Laufzeit auf 6649 Punkte - persönliche Bestleistung - und damit Platz zwei gebracht hätte, weiter zittern, wenngleich sie sich im Interview optimistisch gab. "Die Briten haben einen komischen Sinn für Humor. Die haben mich mit einer anderen verwechselt - ich bin in der Wertung", sagte sie nach dem Rennen und wartete weiter geduldig auf das Endergebnis.
Nach einiger Wartezeit wurde Schwarzkopf dann doch noch als Zweite geführt, doch jubeln durfte sie immer noch nicht. Denn jetzt hatte die Ukraine Protest eingelegt, Lyudmyla Yosypenko hätte nun nämlich ihre bereits sicher geglaubte Bronzemedaille wieder abgeben müssen. Aus dem ukrainischen Protest wurde aber nichts, sodass es bei Schwarzkopf schließlich doch noch zu Silber reichte. Die Freude darüber natürlich riesengroß - immerhin war es die erste olympische Medaille einer deutschen Mehrkämpferin seit Sabine Braun (1992). "Ich kann es noch gar nicht glauben. Das war der Siebenkampf meines Lebens. Das ist geil", sagte die strahlende Zweite.
„Ich kann es noch gar nicht glauben. Das war der Siebenkampf meines Lebens. Das ist geil!“Lilli Schwarzkopf
Nur eine war komplett außen vor. Topfavoritin und Publikumsliebling Jessica Ennis. Die Britin hatte die 800 m triumphal gewonnen und jubelte bereits ausgelassen vor 80.000 Zuschauern über ihre hochverdiente Goldmedaille. Die Weltmeisterin von 2009 und Europameisterin von 2010 gewann mit 6955 Punkten und verpasste die Marke von 7000 Punkten nur knapp.
Die WM-Dritte Jennifer Oeser aus Leverkusen, die im Vorfeld der Olympischen Spiele unter hartnäckigen Achillessehnenproblemen gelitten hatte, musste im 800-m-Lauf verletzungsbedingt aufgeben. "Es ist überhaupt ein Wunder, dass ich hier starten konnte", sagte sie mit Tränen in den Augen nach dem Rennen. Julia Mächtig belegte mit 5338 Zählern Rang 31.
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