
Von Erschöpfung keine Spur. Schon beim Betreten des Siegersteges ließ Karl Schulze erneut die Muskeln spielen. Mit der Pose eines Bodybuilders strahlte er in die Kameras und brüllte vor Freude ein langgezogenes "Jaaaa". Zusammen mit seinen Teamkollegen aus dem Männer-Doppelvierer feierte er ausgelassen die verblüffende Triumphfahrt auf dem Dorney Lake zu Gold. Selbst der Weltcup-Sieger aus Kroatien hatte nicht den Hauch einer Chance. "Heute hat alles gepasst. Als die Kroaten angegriffen haben, sind wir weggezogen. Das war der Knackpunkt", kommentierte Schlagmann Tim Grohmann.
Die überraschende Dominanz mit einer Bootslänge Vorsprung genossen die Kraftpakete in vollen Zügen. Inbrünstig sangen sie bei der Siegerehrung die deutsche Hymne mit und ließen sich im Anschluss von Familienmitgliedern und Freunden feiern. "Mein Gott, was gibt es Schöneres. Nach dem letzten Jahr war das die Revanche", kommentierte der überglückliche Schulze.
Vom ersten Ruderschlag an übernahm die Mannschaft die Regie. Bereits nach 500 Metern betrug die Führung eine halbe Bootslänge. Auf alle Versuche der Kroaten wussten die Deutschen die richtige Antwort. Deshalb war der Widerstand der Konkurrenten bereits weit vor dem Ziel gebrochen. "Das war beeindruckend", lobte Cheftrainer Hartmut Buschbacher.
Besonders großen Grund zur Freude hatte Schoof. Der Rendsburger hatte sich im Schlussspurt des WM-Finals von 2011 in Bled (Slowenien) einen sogenannten "Krebs" eingefangen und war damit für die Niederlage verantwortlich. Dieser Fehler kurz vor dem Ziel hatte Australien zum Sieg verholfen. Dem Unglücksraben machte der Fauxpas noch lange zu schaffen. Ein Mentaltrainer half, das Geschehen zu verarbeiten. Der famose Auftritt von Eton befreite Schoof von schwerer Last: "Auf den letzten 300 Metern habe ich gedacht. Jetzt bloß keine Gefühle zulassen. Wahnsinn, ich kann es immer noch nicht glauben. "
Damit steht der DRV nach Gold für den Achter und Silber für den Frauen-Doppelvierer bereits vor dem letzten Finaltag deutlich besser da als noch in Peking. Vor vier Jahren hatte es nach der dürftigen Bilanz mit jeweils einmal Silber und Bronze Kritik an dem über Jahrzehnte erfolgsverwöhnten Verband gegeben. "Gold im Achter und Vierer werden uns deutlichen Auftrieb geben", sagte Buschbacher.
Für Marcel Hacker reichte es im Anschluss dennoch nicht. Der ehemalige Ruder-Weltmeister hat zwölf Jahre nach Olympiabronze in Sydney sowie zwei verpassten Teilnahmen 2004 und 2008 im olympischen Einer-Finale auf dem Lake Dorney abgeschlagen den sechsten Platz belegt. Gold ging nach 2000 Metern an den Weltmeister und Peking-Dritten Mahe Drysdale aus Neuseeland vor dem tschechischen Vizeweltmeister Ondrej Synek. Bronze sicherte sich der WM-Dritte Alan Campbell aus Großbritannien.
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