Nach einer bizarren Nervenschlacht im Halbfinale musste sich Heidemann, die Olympiasiegerin von Peking, diesmal im Finale denkbar knapp in der Verlängerung geschlagen geben. Die Weltmeisterin von 2007 holte aber am dritten Tag der Spiele von London die erste Medaille für die deutsche Mannschaft.
In der Vorschlussrunde gab es ein sportliches Drama gegen die Südkoreanerin Shin A Lam. 28 Minuten lang wurde diskutiert, ob der Treffer zum 6:5 von Heidemann im Sudden Death innerhalb der letzten angezeigten Sekunde gesetzt worden war. Funktionäre, Zeitnehmer und Trainer redeten sich die Köpfe heiß. Am Ende des skurrilen, beinahe unwürdigen Schauspiels leuchtete eine grüne "6" auf der Anzeigetafel auf, Heidemann verließ unter Jubelschreien erst mal die Halle.
Dann spielten sich beinahe bizarre Szenen ab. Südkorea legte Protest ein, die Delegation allerdings hatte zunächst die dafür erforderliche Gebühr von 500 Schweizer Franken, umgerechnet 416 Euro nicht griffbereit. Ein Funktionär musste erst zu einem Bankautomaten eilen. Heidemann stand in der Zwischenzeit in den Katakomben und telefonierte, Shin A Lam saß wie in Trance auf der Planche. Um 20:12 Uhr Ortszeit, 1:42 Stunden nach Kampfbeginn, hatte Heidemann endlich gewonnen.
"Es gab nichts zu diskutieren, ich habe einen regulären Treffer gesetzt. Ich hätte mir allerdings einen anderen Finaleinzug gewünscht", sagte Heidemann.
Die Diskussionen waren entstanden, nachdem die Uhr im Sudden Death 00:01 gezeigt hatte. Heidemann hatte für die Verlängerung per Los den "Nachteil" zugelost bekommen, hätte bei Gleichstand demnach verloren. Sie griff an - Doppeltreffer. Die Uhr zeigte weiter 00:01. Heidemann attackierte erneut - Doppeltreffer. Zwei Treffer innerhalb einer Sekunde - das rief die österreichische Kampfrichterin Barbara Csar auf den Plan.
Csar ging zur Planche, befragte beide Fechterinnen, ob sie damit einverstanden seien, die Uhr nochmals auf 00:01 zurückzusetzen und das Gefecht ein letztes Mal freizugeben. Heidemann und Shin A Lam stimmten zu. Csar gab das Startsignal. Heidemann attackierte - und traf nach 0,84 Sekunden. Die Uhr zeigte 00:00.
Stark wie Heidemann den Krimi verarbeitete, ihre Kräfte im Finale gegen Schemjakina noch einmal sammelte und erneut in die Verlängerung kam. Dort hatte die 26-jährige Ukrainierin, Weltranglisten-Elfte und WM-Neunte von 2010 und 2011, aber das bessere Ende für sich.
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