Vor den Augen von Queen Elizabeth II erlebten die deutschen Schwimmer zum Auftakt im Aquatics Centre ein Debakel - kein einziger erreichte die nächste Runde. "Schlechter kann es nicht werden", bilanzierte Steffen, "Es war ein rabenschwarzer Tag", meinte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow.
Zunächst verkalkulierte sich Biedermann völlig: "Ich wollte von vorne angehen, das hat auch gut geklappt. Ich konnte es aber hintendrauf nicht mehr halten", sagte der deutsche Vorzeigeschwimmer, der die ersten 100 m schneller als bei seinem Weltrekord 2009 in Rom angegangen war. Am Ende fehlte dem 25-Jährigen aber die Kraft für seine eigentliche Stärke: den Schlussspurt. Der Hallenser war am Ende nicht nur mehr als vier Sekunden langsamer als bei WM-Bronze vor einem Jahr in Shanghai, sondern lag auch sieben Zehntel über seiner schon enttäuschenden Zeit beim EM-Sieg vor zwei Monaten.
Die nächste Fehlkalkulation lieferten Steffen und Co. über 4x100 m Freistil. Im Hinblick auf das Finale am Abend ließ es die deutsche Staffel kraftsparend angehen - und war als Neunte nach 3:39,16 Minuten plötzlich ausgeschieden. "Letztendlich haben wir das verbockt", konstatierte Steffen: "Wir sind mündig, wir hätten selber wissen müssen, wie wir das schwimmen müssen."
Steffens Trainer Norbert Warnatzsch hatte die Taktik an das Quartett mit Silke Lippok, Lisa Vitting und Daniela Schreiber ausgegeben, das vor einem Jahr noch WM-Bronze und bei der EM im Mai den Titel gewonnen hatte. "Es gab eine interne Ansage, dass Britta 90 bis 95 Prozent schwimmen sollte, die beiden in der Mitte volle Kraft, und Daniela hinten gucken und einen taktischen Endspurt hinlegen", erklärte Buschkow: "Das ist natürlich zünftig in die Hose gegangen."
Steffen hatte als Startschwimmerin 54,43 Sekunden vorgelegt, "für den Vorlauf eigentlich eine gute Zeit", sagte die 28-Jährige nach dem verpatzten Auftakt ihrer vierten Spiele: "Ich wollte nicht 53 Komma schwimmen, um mich da heute Abend als Überraschungsgast hervorzutun, aber nun muss ich in der Torte sitzen bleiben."
„Jetzt werden wir erstmal zwei Stunden das böse Wort mit Sch... ins Handtuch brüllen und dann ist alles wieder gut.“Frank Embacher, Trainer von Paul Biedermann
Rauskommen könnte sie höchstens, um ihren Lebensgefährten Biedermann zu trösten. "Er hat mich ganz klar angeguckt und gesagt: Das war scheiße. Jetzt gucke ich, was ich daraus lernen kann", berichtete sie, "da war er für mich ein ganz Großer in dem Moment. Ich glaube, dass er das meistern wird."

Die Verantwortung für das Vorlauf-Aus des Weltrekordlers übernahm sein Trainer Frank Embacher. "Er sollte ein bisschen anders schwimmen, als er es gewohnt war, ein bisschen ruhiger, mehr über die Beine", erklärte er: "Auf den letzten 50 m konnte er nicht mehr explodieren. Das muss ich klipp und klar auf meine Kappe nehmen." Schon am Sonntagmorgen muss Biedermann über 200 m ins Becken. Embacher: "Wir werden morgen wieder angreifen, da bin ich zuversichtlich. Jetzt werden wir erstmal zwei Stunden das böse Wort mit Sch... ins Handtuch brüllen und dann ist alles wieder gut."
Auch die vier anderen deutschen Starter verabschiedeten sich schnell. Yannick Lebherz, Alexandra Wenk, Christian vom Lehn und Hendrik Feldwehr schieden geschlossen in ihren Vorläufen aus.
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