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24.04.2012, 13:06

Interview mit der achtmaligen Olympiasiegerin

Fischer: "Ich sehe das als Schikane"

Birgit Fischer verpasst am Wochenende auch die letzte Chance auf Olympia. Die Gesundheit hat der achtmaligen Olympiasiegerin vor der letzten Qualifikation der deutschen Kanuten einen Riegel vorgeschoben. Auf London muss die 50-Jährige nun verzichten. Was ihr bleibt, ist der Ärger mit den Dopingkontrolleuren.

Birgit Fischer
"Es macht mich wütend, dass ich es nun nicht zeigen kann": Birgit Fischer.
© kickerZoomansicht

kicker: Wie sehr schmerzt es, dass Sie in Ihrem sportlichen Tun eingeschränkt wurden, Frau Fischer?

Birgit Fischer: Ziemlich. Ich bin ja richtig heftig ausgebremst worden. Es tut verdammt weh. Das ist sehr traurig und bitter. Ich muss aber auch erkennen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich habe weitertrainiert, obwohl ich Husten hatte. So etwas kann in der Euphorie passieren. Es fühlte sich alles super an, da nimmt man so einen Husten ganz anders wahr. Als Bagatelle. Ich habe mir dann eine Herzmuskelentzündung zugezogen. Das ist kein Spaß. Das haben mir die Ärzte sehr deutlich gesagt.

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kicker: Es hat Sie aber nicht das Alter gestoppt?

Fischer: Absolut nicht. Genau das wollte ich ja herausfinden. Meine Fitness ist ausgezeichnet.

kicker: Haben Sie Angst um sich?

Fischer: Nein. Das wäre schlecht. Ich muss nun sehr aufpassen, dass ich mich in den vom Arzt vorgeschriebenen Herzfrequenzen bewege. Das wird sehr schwer für mich, da ich mich gerne auspowere.

kicker: Wie lassen Sie Ihren Frust derzeit raus?

Fischer: Ich habe so viele andere Projekte, bei denen ich allerdings am Schreibtisch sitzen muss. Ich werde meinen Bildband fertigmachen und mein zweites Buch schreiben. Das ist, nachdem gerade jetzt die Paddelsaison beginnt, eine ziemliche Strafe.

kicker: Wäre es wirklich realistisch gewesen, sich noch mal für Olympia zu qualifizieren?

Fischer: Im Training bin ich schon eine sehr respektable 200-Meter-Zeit gefahren, und über 500 Meter hätte ich das Finale bei den Sichtungsrennen geschafft. Meist bin ich dann im Wettkampf noch schneller, weil diese Anspannung da ist. Aber man muss antreten und gewinnen - nur das zählt. Es macht mich wütend, dass ich es nun nicht zeigen kann.

kicker: Ärgert es Sie besonders, dass Ihre Skeptiker mit Ihrem Nicht-Comeback bestätigt wurden?

Fischer: Ich ärgere mich, dass ich meine Leistung nicht zeigen konnte. Ich befasse mich an dieser Stelle, also was meine Fitness betrifft, nicht mit der Meinung der anderen. Das bringt nichts.

50 Jahre und Weltspitze - das passt für viele nicht zusammen.Birgit Fischer

kicker: Gibt es noch Dopingkontrollen?

Fischer: Vier in den letzten zwei Monaten. Was die Kontrollen betrifft, bin ich seit meinen Comeback-Plänen in den höchsten Kader gerutscht, ohne dass mir jemand vom deutschen Kanu-Verband Bescheid gesagt hätte. Ich muss also für jede Minute am Tag meinen Aufenthaltsort angeben. Vor wenigen Tagen waren sie schon wieder da. Und wenn ich nicht rauskomme aus diesem System, muss ich mich noch ein Jahr lang abmelden.

kicker: Spüren Sie eine besondere Skepsis?

Fischer: Natürlich. 50 Jahre und Weltspitze - das passt für viele nicht zusammen. Ich sehe das als Schikane. Ich würde gerne mal eine Statistik sehen, ob auch andere Kanuten in den letzten zwei Monaten viermal getestet wurden. Ich könnte wetten, dass ich die einzige bin. Da ich nichts zu verbergen und damit auch nichts zu befürchten habe, ist mir das eigentlich egal. Es beeinträchtigt aber mein Leben maßlos, weil es mir viel an Spontanität nimmt.

kicker: Die Medien haben Ihre Comeback-Pläne dankbar aufgenommen. Zeigt das auch, dass es im deutschen Kanusport zu wenig Typen gibt?

Fischer: Das muss man so sehen. Aber diese Entwicklung ist mir ehrlich gesagt ziemlich Wurst. Ich kann es nicht immer stemmen. Ich hatte vier Comebacks, die Medien standen stets sofort auf der Matte. Eigentlich ist das nicht mein Ding. Das mache ich dann für meinen Sport. Ich kann aber die Medien nicht auf die Sportart umlenken. Die Medien sind nun mal an Personen interessiert.

kicker: Sie sind nun froh, dass der Trubel vorbei ist?

Fischer: Absolut. Ich kann wieder ein normales, von Medien unbehelligtes, Leben führen.

kicker: Die Leitungssportlerin Birgit Fischer gibt es jetzt nicht mehr?

Fischer: Nicht in den kommenden zwölf Monaten. Und danach? Keine Ahnung. Auf so lange Sicht mache ich keine Pläne. Wenn ich gesund bin, denke ich über meine sportlichen Ziele neu nach.

kicker: Werden Sie Olympia verfolgen?

Fischer: Ich werde die Sportnachrichten verfolgen, wenn ich kann. Aber vielleicht treibe ich gerade irgendwo auf dem Meer rum. Nun kann ich ja meinen Sommer ganz anders gestalten.

Interview: Jana Wiske

24.04.12
 
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