Brady und Brees top, "Big Ben" und Eli Manning flop

Die NFL - Liga der alten Männer

NFL - 02.01. 22:00

Die Regular Season der National Football League ist mit einer hochspannenden Week 17 zu Ende gegangen - und hat 20 Teams das Aus beschert. Nun startet die NFL mit den Play-offs in die heiße Phase. Die Veteranen Tom Brady (41) und Drew Brees (39) haben in der ersten Runde, der Wild Card Round, frei - und spielen zusammen mit jungen Wilden um den großen Preis. Für andere langjährige Stars ist es indes eine bittere Saison. Eine gesamte Ära neigt sich langsam dem Ende entgegen.

Kämpfen um die Krone in der NFL: New Orleans' Star Drew Brees (links) und Patriots-Ass Tom Brady. © imago

Es wirkt schon fast wie ein Abschied. Mit seinen drei Töchtern betrat Star-Quarterback Eli Manning vor dem letzten Saisonspiel den Rasen im Stadion der New York Giants und ließ gemeinsame Erinnerungsbilder in der Endzone schießen. Auch wenn der zweimalige Super-Bowl-Champion seine Zukunft nach den abermals klar verpassten NFL-Play-offs anschließend offen ließ, steht eine Ära im American Football vor dem baldigen Ende.

Elis Bruder Peyton ging bereits nach seinem Finaltriumph vor knapp drei Jahren in Rente - und auch sonst befindet sich eine ganze Generation von Superstars auf der Spielmacherposition im Spätherbst ihrer Karrieren. Tom Brady, Ben Roethlisberger, Drew Brees & Co. prägen die NFL seit weit mehr als einem Jahrzehnt - und tun dies auch noch heute. Doch wie lange noch?

So ist die Situation der wichtigsten alten Männer der Liga vor der am Samstag beginnenden K.-o.-Runde:

Tom Brady (41 Jahre/New England Patriots/fünf Super-Bowl-Siege)

Mit einer blitzsauberen Vorstellung und vier Touchdown-Pässen führte Brady seine Patriots am letzten Spieltag zum 38:3 gegen die New York Jets und damit zum Freilos in der ersten Play-off-Runde. Zum neunten Mal in Serie muss er damit erst im Viertelfinale, der Divisional Round, ran. An den Ruhestand denkt der Ehemann von Model Gisele Bündchen noch nicht. "Ich habe das Ziel, nicht nur nächstes Jahr zu spielen, sondern auch darüber hinaus", sagt Brady. Ein sechster Super-Bowl-Ring würde seinen Status als bester Quarterback der Geschichte endgültig manifestieren.

Drew Brees (39 Jahre/New Orleans Saints/ein Super-Bowl-Sieg)

Brees ist Mister Zuverlässig. Fast drei Viertel seiner Pässe brachte der Veteran diese Saison ans Ziel, überbot mit 74,4 Prozent Passquote seinen eigenen NFL-Rekord. Die Saints gehen mit 13 Siegen aus 16 Spielen als topgesetztes Team der NFC in die Play-offs. Als dies zuletzt gelang, gewann Brees 2010 seinen einzigen Titel (31:17 gegen die Indianapolis Colts am 7. Februar 2010). Die Buchmacher sehen New Orleans vor Beginn der K.-o.-Runde als größten Favoriten.

Eli Manning (37 Jahre/New York Giants/zwei Super-Bowl-Siege)

Auf seine Zukunft angesprochen, seufzte der frühere Posterboy der Liga nach der letzten Saison-Niederlage tief. "Ich liebe es, zum Training zu kommen", sagte Manning. Die Interpretation der Szene mit seinen Töchtern, über die die "New York Daily News" berichtete, ließ er damit aber offen. Bei insgesamt nur fünf Siegen war das Play-off-Ticket früh für die Giants außer Reichweite. Seit dem letzten Titelgewinn (2012) verpasste Manning sogar in sechs von sieben Anläufen die K.-o.-Runde. 23,2 Millionen US-Dollar würde er kommende Saison verdienen - wenn New York nicht endgültig den Neuanfang startet.

Ben Roethlisberger (36 Jahre/Pittsburgh Steelers/zwei Super-Bowl-Siege)

Mehrfach liebäugelte "Big Ben" schon mit dem Ruhestand. So soll es für den Hünen aber nicht zu Ende gehen. Mit 5129 erworfenen Yards führte Roethlisberger zwar die gesamten Liga an - spielte mit seinem Team rund um auch in vielerlei Hinsicht eine starke Saison. Auf Play-off-Kurs liegend kassierten die Steelers aber zum Jahresende vier Niederlagen aus sechs Spielen. Die Hoffnung, es kommende Saison elf Jahre nach dem letzten Titel doch noch einmal in den Super Bowl zu schaffen, will Roethlisberger aber nicht aufgeben: "Ich glaube, unser Fenster ist noch nicht zu."

Aaron Rodgers (35 Jahre/Green Bay Packers/ein Super-Bowl-Sieg)

Im zweiten Jahr in Folge eine Saison zum Vergessen: Aaron Rodgers und die Green Bay Packers. © imago

Eine Saison zum Vergessen fand ein passendes Ende: Beim letzten Heimspiel gegen NFC-North-Rivale Detroit musste Rodgers mit einer Gehirnerschütterung vom Feld - und sein Team kassierte eine herbe 0:31-Demontage. Immer noch ist der Super-Bowl-Champ von 2011 ein Mann für die unmöglichen Pässe, nur zwei Würfe wurden diese Saison abgefangen. Doch zum zweiten Mal in Serie reichte es nicht für die Play-offs. "Das ist zu 100 Prozent Rodgers' Schuld", schimpfte ein ESPN-Experte.

Sicher ist: The Pack, das dieses Jahr seine 100. Football-Saison absolviert und sich sicherlich weitaus mehr ausgerechnet hatte , muss sich neu aufstellen - und unter anderem nach dem zwischenzeitlichen Aus von Ex-Trainer Mike McCarthy einen neuen Head Coach finden. Sonst drohen die stolzen Green Bay Packers, mit insgesamt 13 Titel der Rekordmeister im American Football, in diesem Jahrzehnt noch mehr im Mittelmaß zu versinken.

Philip Rivers (37 Jahre/Los Angeles Chargers/kein Super-Bowl-Sieg)

In diese Riege passt durchaus auch ein gewisser Philip Rivers, der bekanntermaßen allerdings noch gar keinen Ring sein Eigen nennen darf. Der Quarterback der Los Angeles Chargers und früheren San Diego Chargers ist bereits 37 Jahre alt, liefert allerdings seit 2004 bärenstarke Leistungsnachweise ab. Der Star-Quarterback hat auch 2018 einmal mehr herausragend gespielt, kommt in 15 NFL-Spielzeiten für die Chargers auf über 50.000 Yards (54.656), 374 Touchdowns und nur 178 Interceptions. Keine Frage, dieser Mann wird eines Tages in die Hall of Fame einziehen. Doch nach wie vor fehlt dem exzentrischen Spielmacher (4308 Yards, 32 TDs und zwölf Int. in dieser Saison), der sich auf dem Feld immer wieder wahlweise mit den Schiedsrichtern, den Kontrahenten oder den gegnerischen Fans anlegt, ein Einzug in einen Super Bowl. Ob's in diesem Jahr mit einem erfolgreichen Spurt in den Play-offs endlich klappen mag?

dpa/mag

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