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06.12.2018, 14:30

Green Bay versinkt im Mittelmaß - trotz Elite-Quarterback

"Primadonna" Rodgers: Was ist bei den Packers los?

Eigentlich müssten die Packers zu den Top-Teams gehören. Eigentlich müsste Aaron Rodgers im Gespräch um den MVP-Titel sein. Eigentlich steht Green Bay für Erfolg. Doch in Wirklichkeit trifft nichts davon zu in diesem - eigentlich - besonderen Jahr. Warum? Weil das Team unerklärliche Fehler macht. Weil der Star-Quarterback stets eine enttäuschte Miene aufsetzt. Und weil der Game Plan offensichtlich veraltet ist. Das hat den Trainer schon seinen Job gekostet.

Aaron Rodgers
Ein bekanntes Bild im Jahr 2018: Green Bays Star-Quarterback Aaron Rodgers zeigt sich nach einer fehlgeschlagenen Aktion enttäuscht.
© imagoZoomansicht

Zum 100. Mal absolvieren die Green Bay Packers eine Football-Saison in den USA - das ist Rekord. Doch tanzende und vor Euphorie ausflippende Fans mit Emmentalern auf dem Kopf sind schwer anzutreffen, denn: Mit einer Bilanz von 4:7:1 stagniert The Pack im unteren Mittelfeld der gesamten NFL, hat auswärts gar alle sechs Partien verloren, liefert stets nur phasenweise ansehnlichen Football ab - und fiel zuletzt beim höchst überraschenden 17:20 gegen die Arizona Cardinals damit auf, den langjährigen Trainer Mike McCarthy (neun Play-off Teilnahmen in 13 Jahren, Super Bowl-Sieg 2010/11) direkt nach dem Spiel ins Büro zu zitieren und kurzerhand zu entlassen.

Allgemein lassen sich folgende Gründe für den aktuellen Niedergang finden: Verletzungen schwächen die Käsestädter aus Wisconsin seit geraumer Zeit (Kevin King, Muhammad Wilkerson raus, Aaron Rodgers lange Zeit am Knie gehandicapt, Bryan Bulaga, Jimmy Graham oder auch Randall Cobb oftmals angeschlagen), junge Talente wie der deutsche Equanimeous St. Brown (22) oder Marquez Valdes-Scantling (24) brauchen noch Zeit, und in allen Mannschaftsteilen passieren trotz starker Leistungen zum Beispiel von Rookie-Cornerback Jaire Alexander (21) oder Zweitjahres-Läufer Aaron Jones (24, 5,7 Yards pro Rush) zu wichtigen Zeitpunkten haarsträubende Fehler.

Zur Erinnerung: Kicker Mason Crosby (34, seit 2007 im Team) verballert beim wichtigen NFC-North-Duell in Detroit (23:31, Week 5) vier Field Goals und einen Extrapunkt, der inzwischen entlassene Ty Montgomery verhindert die Aufholjagd bei den Los Angeles Rams (27:29, Week 8) mit einer egoistischen Aktion (Fumble) - und Running Back Jones sorgt beim 17:31 bei den New England Patriots (Week 9) mit seinem ersten Fumble der Karriere nach zuvor 153 Touches für einen Patzer.

"Einfach nur lächerlich"

Das alles ist die Oberfläche. Doch steckt am Ende nicht viel mehr dahinter? Schließlich heißt es seit langer Zeit, dass sich Star-Quarterback Rodgers nicht mehr eins gewesen sei mit dem inzwischen entlassenen Trainer McCarthy; dass es im Team leichte Unruhen geben solle; dass der Game Plan einfach veraltet sei (kaum Trick Plays, kaum eingegangenes Risiko, kaum Überraschungsmomente wie zum Beispiel bei der direkten NFC-North-Konkurrenz aus Chicago).

Mike McCarthy und Aaron Rodgers
Bilder wie diese wurden immer seltener: Mike McCarthy und Aaron Rodgers lachen zusammen.
© imago

Die Resonanz aus der US-Football-Welt spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache. So sagt zum Beispiel Saints-Trainer Sean Payton, im Jahre 2006 zusammen mit McCarthy Top-Kandidat auf den Trainerposten in Green Bay, über die knallharte Entlassung: "Fragen Sie mich bitte nicht danach. Ich konnte es nicht fassen, das zu hören. Das gehört natürlich zum Geschäft, aber es hat mich schon sehr überrascht zu diesem Zeitpunkt." Tony Dungy, zweimaliger Super-Bowl-Champion mit den Steelers und Colts sowie Hall-of-Famer, sieht das ähnlich und verteidigt McCarthy (125:77:2, 18:10 in den Play-offs): "Ich bin extrem enttäuscht. Dieser Mann hat einen Super Bowl für dich gewonnen. Er hat Play-off-Teams trainiert. Ihn nicht wenigstens noch diese Saison fertigmachen zu lassen, ist für mich einfach nur lächerlich. So sollte man keinen Super-Bowl-Coach behandeln."

Welche Rolle spielt Rodgers?

Warum aber haben sich die stolzen und traditionsreichen Packers zu diesem Entschluss der für die NFL eher untypischen vorzeitigen Trainerentlassung hinreißen lassen? "Gunslinger" Rodgers, wie eingangs erwähnt lange Zeit mit lädiertem Knie im Einsatz und insgesamt in dieser Saison bei ordentlichen 3504 Yards, 21 Touchdowns bei nur einer einzigen Interception (vier Fumbles), spielt dabei offenbar eine tragende Rolle. Der 35-Jährige, inzwischen der bestbezahlte Spieler der NFL, soll sich immer weniger mit McCarthy verstanden haben. Beim jüngsten 17:20 soll "A-Rod" laut den "Sports Illustrated"-Journalisten Kalyn Kahler und Alber Breer gar systematisch die "Play Calls" an der Line of Scrimmage verändert und so den Rhythmus im Team (bewusst) erheblich gehemmt haben.

Der frühere Packers-Tight-End Mark Chmura (Super-Bowl-Champion von 1996/97 beim 35:21 gegen New England) hat dazu seine eigene Meinung der "New York Post" mitgeteilt - und die hat es in sich: "Rodgers ist hier die Primadonna. Aaron kommt da nicht raus, ohne schlecht auszusehen. Aaron mag jetzt der Glückliche sein - doch für mich sieht er aus wie der Primadonna-NBA-Spieler, der seinen Coach gefeuert haben will." Das "Problem" in der ganzen Angelegenheit: Rodgers, für viele NFL-Experten der talentierteste Quarterback überhaupt, ist bekannter- und erwiesenermaßen ein immens schlauer Spieler, der gegnerische Abwehrreihen liest und versteht - und eben deswegen in den vergangenen Jahren immer häufiger mit McCarthy angeeckt sei. Ist es also wirklich schlecht, dass der Head Coach weg ist? Im Lager der Käsestädter selbst wird diese Frage zum Großteil in sozialen Netzwerken mit "Nein" beantwortet. Für viele war McCarthy schon seit Jahren ein Dorn im Auge.

Rodgers ab sofort durchaus unter besonderem Druck

Aaron Rodgers
Geht es nun voran? Aaron Rodgers & Co. wollen sich natürlich noch in dieser Saison beweisen.
© imagoZoomansicht

Sicher ist: Mit der Entlassung des Trainers und der Installation von Offensive Coordinator Joe Philbin als Interimscoach bis Saisonende steht besonders Rodgers ab sofort noch mehr im Fokus. Denn wenngleich es nicht mehr für die Play-offs reichen mag, so wird die Nummer 12 gegen Atlanta am Sonntag (19 Uhr), in Chicago, bei den New York Jets und gegen Detroit richtig abliefern müssen - wenn nicht ein kleiner Schatten auf dieser knallharten Trainerentlassung und ein größerer Schatten auf dieser bis jetzt extrem enttäuschenden Saison liegen bleiben soll.

Geäußert hat sich der Super-Bowl-Gewinner von 2010/11 inzwischen übrigens auch über die Umstände der McCarthy-Freistellung. Seine durchaus klare Aussage: "Ich denke, wie in jeder Beziehung, haben wir beide großartige Zeiten erlebt - und auch Zeiten, wo wir uns die Köpfe eingeschlagen haben. Die Basis war aber immer gegenseitiger Respekt. Wir haben viel Zeit abseits des Feldes verbracht, haben uns unterhalten, ausgetauscht. Wir haben zusammen tolle Dinge erreicht." McCarthy habe schließlich ihn, den Erstrunden-Pick vom NFL-Draft 2005 (24. Stelle), im Jahre 2008 als Brett-Favre-Nachfolger installiert und das Team einmal zum großen Triumph geführt.

Doch diese Zeit ist vorbei - und nun muss Rodgers mit seinen 35 Jahren zeigen, ob er ab 2019 mit einem neuen, passenden Coach (unter den Kandidaten sind Patriots-Offensive-Coordinator Josh McDaniels oder Vikings-Offensive-Coordinator John DeFilippo) nochmals richtige Angriffe auf einen Super Bowl starten kann. In den Ablauf der Trainerfindung soll Rodgers laut Präsident Mark Murphy indes nicht involviert sein: "Er kann Input einbringen, aber er wird kein Teil des Prozesses sein."

mag

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Vereinsdaten

Vereinsname:Green Bay Packers
Gründungsdatum:11.08.1919
Vereinsfarben:Dunkelgrün, gelb, weiß
Anschrift:Green Bay Packers
1265 Lombardi Avenue
Green Bay, Wisconsin, USA 54304
Internet:http://www.packers.com/

Lambeau Field

Stadionkapazität: 81.435

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