Wide Receiver der Packers lauert auf seine Chance

Equanimeous St. Brown: "Ich habe so etwas nie erlebt"

NFL - 11.09. 21:00

Der deutsche Hoffnungsträger Equanimeous St. Brown hat am vergangenen Sonntag sein Debüt auf der großen NFL-Bühne gefeiert. Und auch wenn der Wide Receiver der Green Bay Packers im Duell mit den Chicago Bears noch nicht viel Spielzeit bekam, so genoss der 21-Jährige seinen Auftritt vor den "Cheeseheads". Gegenüber dem kicker hat sich St. Brown vor und nach dem Spiel geäußert - und offen Einblicke in seine Gefühlswelt gewährt.

Will angreifen und seine kommenden Chancen beim Schopfe packen: Equanimeous St. Brown. © imago

Football-Profi Equanimeous St. Brown, US-amerikanischer Athlet mit deutschen Wurzeln , ist bei seinem NFL-Debüt mit den Green Bay Packers erfolgreich in die neue Saison gestartet. Angeführt vom überragenden Quarterback Aaron Rodgers, der nach Verletzung ein monströses Comeback hingelegt hatte , gewann "The Pack" nach 0:20-Rückstand noch mit 24:23 gegen den Erzrivalen Chicago.

St. Brown, der 21-jährige Rookie , wurde beim Heimsieg allerdings nur sporadisch eingesetzt - und zwar zweimal im Special Team. Auf dem Platz blieb ihm somit nur eine Nebenrolle - obwohl mit Jake Kumerow ein weiterer Passempfänger wegen einer Schulterverletzung fehlte. Auf seinen ersten Snap als Teil der Offense muss St. Brown also noch mindestens eine Woche warten. Und dennoch gilt er weiterhin als große deutsche NFL-Hoffnung - und das will er in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wie er vor und nach dem prestigeträchtigen Spiel gegen die Bears exklusiv gegenüber dem kicker zugegeben und in diesem Zuge auch über die vergangenen Trainingswochen und Erfahrungen gesprochen hat.

kicker: Equanimeous St. Brown, wie hart waren die vergangenen Trainingswochen inklusive der Preseason-Spiele mit dem gesamten Roster der Green Bay Packers?
Equanimeous St. Brown: Vom körperlichen Standpunkt her war es nicht viel härter als am College (Notre Dame; Anm.d.Red.). Das war also keine allzu große Umstellung. Die Playbooks sind aber viel komplizierter. Das war gewöhnungsbedürftig und ich musste hier sehr viel lernen.

kicker: Inmitten der Preseason hat sich Green Bays Star-Quarterback Aaron Rodgers ein wenig kritisch gegenüber den jungen Spielern im Kader geäußert und unter anderem gesagt: "Das war kein guter Start für unsere jungen Spieler. Das ist wirklich frustrierend. Es ist eine Sache, einen Spielzug im Kopf zu behalten und dabei etwas abzuweichen. Aber wenn du dir den Weg auf der Karte anschauen kannst, gibt es keine Entschuldigungen." Wie kam diese Kritik, die wohl die jungen Spieler auch kitzeln und zu mehr Leistung treiben sollte, persönlich an?
St. Brown: Ich freue mich immer über Kritik, denn daraus lerne ich. Die Kritik war auch nicht zu 100 Prozent nur auf die Rookies gerichtet, sondern eher auf das ganze Offense Team inklusive der Coordinators. Diese haben damals nicht viel geredet und wenig Anweisungen gegeben. Wir Neuen wussten dann nicht genau, was wir machen sollten und Aaron hat dann die klare Ansage gemacht. Danach wurde mehr erklärt und dann lief es auch.

Spaß in der Freizeit: Equanimeous St. Brown spielt mit Hund "Bentley". © Mike Steyer

kicker: Als am 1. September der gewaltige Preseason-Roster von 90 auf 53 Spieler, mit denen Green Bay in die Saison gehen würde, verkürzt wurde und Sie unter den Auserwählten waren, was ging dort als Erstes durch den Kopf?
St. Brown: Ich war natürlich sehr glücklich, als ich gehört habe, dass ich im finalen Kader bin. Ich habe ständig auf mein Telefon geguckt, denn die Deadline war um 16 Uhr nachmittags. Ich war mit Freunden an dem Tag beim Spiel Michigan gegen Notre Dame, meinem ehemaligen College-Team - und als dann bis 16.10 Uhr kein Anruf kam, haben wir spontan eine Feier gemacht.

kicker: Also wurde einem selbst die Entscheidung gar nicht übermittelt?
St. Brown: Das wird nicht mitgeteilt. Es wird einem per Telefon nur mitgeteilt, wenn man den Roster Cut nicht schafft. Ich habe keinen Anruf bekommen, habe aber zur Sicherheit im Internet nachgeguckt und dort meinen Namen im Kader gesehen.

kicker: Am vergangenen Sonntag ging es nun offiziell los in der größten Football-Liga der Welt. Zum Auftakt erwarteten die Packers im ersten Sunday Night Game der neuen Saison den Erzrivalen aus Chicago - und das vor 81.441 Zuschauern im legendären Lambeau Field. Wie war die Stimmung?
St. Brown: Es war Wahnsinn! Ich habe so etwas noch nie zuvor in meinem Leben erlebt. Es war bestimmt das lauteste Stadion, in dem ich jemals gespielt habe.

kicker: Haben Sie Gänsehaut gehabt, als man dann im Stadion ankommt, sich warmmacht und später unter dem tosenden Applaus einläuft?
St. Brown: Es war das erste Mal in meiner Karriere, bei einem offiziellen NFL-Spiel aufzulaufen und aus dem Tunnel zu rennen. Die Fans waren super laut - und es war einfach nur super geil!

kicker: Wussten Sie um die Bedeutung dieses Klassikers, dieses besonderen Football-Duells?
St. Brown: Das ist einem natürlich bewusst. Es ist die älteste Rivalry der NFL-Geschichte. Wir haben bereits 198 Spiele gegen die Bears gehabt und davon etwas mehr als 50 Prozent gewonnen (98:94:6; Anm.d.Red.).

Spielen im selben Team, kennen sich aus gemeinsamen Notre-Dame-Tagen und wohnen in derselben Nachbarschaft: Equanimeous St. Brown (links) und Ersatz-Quarterback DeShone Kizer. © Mike Steyer

kicker: Was sagen Sie nach ihrem ersten NFL-Wochenende nun über Ihre eigene Leistung - und wie schätzen Sie die Leistung des gesamten Teams ein?
St. Brown: Ich selbst habe nicht viel gespielt, ich habe ein paar Special-Teams-Plays gemacht. Für das gesamte Team war es glaube ich in der ersten Hälfte sehr schwer, aber in der zweiten Hälfte sind wir rausgekommen, haben Adjustments (Anpassungen bei der Taktik und Spielweise; Anm.d.Red.) gemacht - und am Ende gewonnen. Das war das Ziel, das haben wir erreicht.

kicker: Spiel 1 ist nun abgeschlossen, 15 Partien stehen aber noch aus in einer noch langen Saison. Was ist dabei eines deiner persönlich gesetzten Ziele?
St. Brown: Wenn ich meine Chance bekomme, Plays zu machen, will ich sie nutzen. Ich möchte meine Plays machen und dem Team zeigen, was ich leisten kann.

Mehr Informationen über die Familie St. Brown, genauer gesagt über Equanimeous' Brüder Osiris und Amon-Ra, Vater und Ex-Mister-Universe John Brown sowie Mutter Miriam, finden Sie hier - genauso wie ein exklusives Interview von "EQ" nach dem Draft (6. Runde, 207. Stelle) und vor seiner Ankunft in Green Bay. Stichwort: Ich habe Winterklamotten."

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Interview: Markus Grillenberger

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