Die Einsatzchancen der Rookie-Quarterbacks

Einer aus fünf: Wer startet, wer wartet?

NFL - 04.09. 18:18

Zieht ein NFL-Team einen Quarterback früh im Draft, dann soll dieser Spieler möglichst das kommende Gesicht der Franchise werden. Diesen April gingen gleich fünf Spielmacher in der ersten Runde vom Board - das war letztmals 1999 der Fall. Die jungen Quarterbacks sind als Zukunft ihres Teams eingeplant, gehen am Wochenende zunächst in ihre erste Profi-Saison. Nur einer wird sein Team aber gleich aufs Feld führen dürfen - und einen neuen NFL-Rekord aufstellen.

Zukunft der Browns? Baker Mayfield soll den Quarterback-Fluch in Cleveland beenden. © imago

Nr.1-Pick: Beendet Mayfield Clevelands QB-Fluch?

Die Wahl der Browns, Baker Mayfield als ersten Spieler des Drafts zu ziehen, überraschte nicht wenige - obwohl Mayfield im vergangenen Jahr mit der Heisman Trophy für den besten Spieler im College Football ausgezeichnet worden war. Doch mit 1,85 Meter galt der 23-Jährige vielen Teams als zu klein, um einen derart hohen Pick zu rechtfertigen. Die Browns, in den vergangenen beiden Jahren mit nur einem Sieg aus 32 Spielen, sahen das anders und hoffen nun, dass Mayfield endlich den Quarterback-Fluch in Cleveland beendet. Ganze 28 verschiedene Quarterbacks starteten seit 1999 in einem Spiel für das Franchise aus Ohio, Mayfield soll dieses Dauerproblem auf lange Sicht lösen.

Beim ersten Spiel der Browns am Sonntag gegen Pittsburgh wird Mayfield aber noch nicht auflaufen. Nach zahlreichen Reinfällen auf der Quarterback-Position in den letzten Jahren will Cleveland den neuen Hoffnungsträger behutsam aufbauen und nicht verheizen. Daher wurde in Tyrod Taylor ein erfahrener Spielmacher verpflichtet, der als Starter in die Saison geht. Darauf hatte sich Head Coach Hue Jackson bereits frühzeitig festgelegt. In seinen Einsätzen in der Preseason jedoch zeigte Mayfield bereits starke Leistungen. Sollte er diesen Eindruck im Training bestätigen, könnte es somit durchaus sein, dass der hochtalentierte Jungprofi noch vor Ende der Saison sein NFL-Debüt feiert.

Rekordmann Darnold darf gleich ran

Rekordmann: Sam Darnold wird am Montag zum jüngsten NFL-Quarterback aller Zeiten. © imago

Sam Darnold galt vor dem Draft als die wohl "sicherste" Partie, was die fünf hochgehandelten Quarterbacks anging, wurde er doch von vielen Experten als Nr.1-Pick gehandelt. Letztlich sicherten sich die New York Jets, in der Vergangenheit ebenfalls mit zahlreichen Problemen auf der wichtigsten Position der NFL, die Dienste des 21-Jährigen an dritter Stelle im Draft. Im College-Team der University of Southern California hatte Darnold mit guter Übersicht und hoher Spielintelligenz überzeugt.

Nun steht Darnold sogar vor einem Rekord in der amerikanischen Profiliga: Mit 21 Jahren und 97 Tagen wird der 1,91 Meter große Spielmacher aller Voraussicht nach am Dienstag (1.10 Uhr MESZ, live im Stream bei DAZN) im Spiel bei den Detroit Lions zum jüngsten NFL-Quarterback aller Zeiten. Denn: Die Jets schickten den hochveranlagten, aber lange verletzten Teddy Bridgewater kurz vor Saisonstart via Trade nach New Orleans und machten den Weg somit frei für Darnold, der sich in der Preseason achtbar schlug und deshalb auch den Vorzug gegenüber Routinier Josh McCown erhält. Der 39-Jährige, der in der vergangenen Saison solide als Jets-Quarterback spielte, soll als Mentor für den jungen Darnold fungieren.

Rohdiamant Allen mit überschaubarer Konkurrenz

Durchpusten: Josh Allen wird die Bills zunächst noch nicht aufs Feld führen. © imago

Trotz ihrer ersten Play-off-Teilnahme nach 18 Jahren entschieden sich die Bills nach der abgelaufenen Saison dafür, nicht mehr weiter auf Tyrod Taylor zu setzen und stattdessen Josh Allen mit dem siebten Pick des Drafts zu verpflichten. Eine durchaus riskante Entscheidung, denn Allen verfügt zwar über absolute Gardemaße (1,96 Meter, 108 Kilo) und einen der stärksten Wurfarme, die die NFL in den vergangenen Jahren gesehen hat, gilt andererseits aber auch als ungeschliffener Rohdiamant, dem die Genauigkeit und Spielübersicht für das allerhöchste Level (noch) fehlt. Die Meinung der Experten daher: Allen benötigt noch Zeit, um der Quarterback zu werden, auf den die Bills hofften, als sie ihn mit dem siebten Pick des Drafts verpflichteten.

Nun ist es aber gut möglich, dass Allen bereits in seiner ersten Profisaison das Feld sehen wird - wenn auch noch nicht beim Auftakt in Baltimore. Der ursprünglich als Starter eingeplante AJ McCarron wurde wenige Tage vor Saisonstart nach Oakland transferiert, einzig verbliebener Konkurrent für Allen ist somit Nathan Peterman, der in der vergangenen Saison in seinem ersten Profispiel gleich fünf Interceptions in einer Halbzeit warf - trauriger NFL-Premierenrekord. In der Preseason zeigte sich Peterman stark verbessert und wurde am Montag von Head Coach Sean McDermott zum Starter für das Baltimore-Spiel ernannt. Sollten seine Leistungen aber kein völlig neues Level erreichen, könnte Allen später in der Saison durchaus das Ruder übernehmen.

"Neun Fehler vor mir": Rosen und die Charakterfrage

Guter Dinge: Josh Rosen geht selbstbewusst in seine erste NFL-Saison. © imago

"Vor mir wurden neun Fehler begangen", sagte Josh Rosen selbstbewusst, nachdem die Arizona Cardinals ihn als zehnten Spieler des Drafts 2018 ausgewählt waren. Ein Zitat, das erklärt, warum Rosen trotz seines nicht zu übersehenden Potenzials erst nach Mayfield, Darnold und Allen vom Board ging. Der 21-Jährige hat alle Fähigkeiten, die einen Nr.1-Pick rechtfertigt hätten, besitzt eine überragende Spielintelligenz und eine natürliche Wurftechnik. Allerdings wird Rosen nachgesagt, ein schwieriger Charakter mit teils arroganter Attitüde zu sein.

Nachdem die Cardinals im Frühjahr den Routinier und ehemaligen Nr.1-Pick Sam Bradford (zuletzt Minnesota) verpflichteten, muss sich Rosen im Kampf um einen Platz als Starter zunächst hinten anstellen. Dennoch erscheint es gut möglich, dass der ehemalige Quarterback der University of California das Feld in seiner ersten Saison noch betreten darf. Vor allen Dingen, weil Bradford an guten Tagen zwar ein überdurchschnittlicher NFL-Quarterback sein kann, aber auch extrem verletzungsanfällig ist. Zum letzten Mal spielte der 30-Jährige 2012 alle 16 Saisonspiele - gut möglich also, dass Rosens Stunde eher früh als spät schlägt.

Die Jackson-Kontroverse: Erster Einsatz erst 2019?

Laufstark: Lamar Jacksons Athletik sucht seinesgleichen. © imago

Kaum ein College-Spieler wurde in den vergangenen Jahren so kontrovers diskutiert wie Lamar Jackson. Der 21-Jährige sorgte in seiner Zeit auf der University of Louisville mit seiner spektakulären Spielweise für Furore, gilt aufgrund seiner immensen Schnelligkeit und Explosivität als Prototyp des modernen "Running Quarterbacks", der gegnerischen Defensiven durch seine Laufstärke vor große Probleme stellen kann. Dennoch wurde Jackson erst als 32. und damit letzter Spieler der ersten Runde von den Baltimore Ravens ausgewählt. Der Grund: In der Kernkompetenz eines Quarterbacks, dem Passspiel, zeigt Jackson immer wieder Schwächen, außerdem wird ihm mangelnde Spielintelligenz nachgesagt.

Auch deshalb sehen die Ravens Jackson eher als Investition in die Zukunft. Somit ist der athletische Spieler aus dem Süden Floridas zunächst nur Ersatzmann hinter Routinier Joe Flacco, der die Ravens 2013 zum Super-Bowl-Sieg führte, in den vergangenen Jahren jedoch stark abbaute. Was zudem gegen einen Quarterback-Wechsel innerhalb der Saison spricht: Flacco ist ein klassischer "Pocket Quarterback", der eher selten selbst mit dem Ball läuft. Eine Installation Jacksons würde eine Umstellung des offensiven Spielsystems erfordern. Sollte der in der Vergangenheit häufig angeschlagene Flacco sich nicht verletzen, wird Jackson wohl frühestens 2019 als Starter zum Zug kommen.

mib

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