NFL, Vorschau: Der Super-Bowl-Verlierer

Ob Brady jetzt altert? Die New England Patriots im Check

NFL - 05.09. 10:45

Diesmal aber, oder? Tom Brady wird älter und die New England Patriots könnten schwächeln. Diesmal. Vielleicht. Warum es tatsächlich passieren könnte - und warum nicht.

Ein Lächeln, das viel aussagt: Tom Brady. © Getty Images

Auch wenn viele gerne darüber witzeln: Tom Brady ist nicht Benjamin Button. Auch wenn er irgendwie nicht altert: Er wird älter und nicht jünger. Tom Brady ist jetzt 41, in seinem fünften Jahrzehnt auf dieser Erde - und spielt immer noch Football. Vermutlich wird er auch 2018 wieder Football auf höchstem Niveau spielen, denn "hands-down", wie es sein Tight End Rob Gronkowski auf den Punkt bringt, "er ist einfach beeindruckend, unglaublich."

Viele Trainer seien jünger als Brady, meint Gronk, "und trotzdem sieht Tom noch jünger aus als sie. Er sieht jünger aus als alle anderen. Wie er sich bewegt, wie zuverlässig er jederzeit ist. Von ihm kann man einfach nur lernen."

Die Fragen bleiben dennoch auch vor seiner 19. (!) Saison als Quarterback der New England Patriots dieselben: Wann holt die Zeit Brady (auch mal) ein? Wann fängt der dreimalige MVP an zu altern? Wann lässt seine Leistungsfähigkeit nach? Wann reicht es einfach nicht mehr? Die Antworten bleiben ebenso dieselben: Keine Ahnung, ganz ehrlich.

Garoppolo-Trade ein deutliches Zeichen: Brady bleibt noch etwas

Dass sein prädestinierter Nachfolger Jimmy Garoppolo in der Vorsaison nach San Francisco getradet wurde, hatte nichts mit mehr Draft-Picks zu tun. Es war die schlichte Langzeitplanung eines Franchise, das davon ausgeht, Brady noch drei bis fünf Jahre als Quarterback bringen zu können. Es zeigt, dass momentan aus Trainersicht nichts auf einen Leistungsabfall beim 41-Jährigen hindeutet; Brady wird in diesem, im nächsten, im übernächsten und wohl auch noch im überübernächsten Jahr der Patriots-Quarterback sein.

Dennoch dürfte gerade ihm ein schwieriges Jahr bevorstehen. Mit Brandin Cooks (Los Angeles Rams), Danny Amendola (Miami Dolphins), Malcom Mitchell (entlassen), Jordan Matthews (entlassen) und Eric Decker (Karriereende, wenn auch erst vor kurzem geholt) stehen den Pats gleich mehrere fähige Receiver nicht mehr zur Verfügung. Julian Edelman hat seinen Kreuzbandriss zwar auskuriert, fehlt die ersten vier Saisonspiele aber gesperrt (Verstoß gegen die Dopingrichtlinien).

Es könnte so laufen wie 2006 - da war Brady aber noch 29

Bleiben Allzweckwaffe Gronkowski, der trotz Gedanken ans Karriereende weitermacht , Chris Hogan, Cordarrelle Patterson (von den Oakland Raiders) und Phillip Dorsett. Die überschaubare Receiver-Situation erinnert an das Jahr 2006, als Brady ein ähnlich durchwachsenes Corps zur Seite hatte - und die Patriots trotzdem ins AFC-Championship-Game führte. Viel lief damals über seine Tight Ends und flexible Running Backs als Passempfänger.

Das Gute aus Patriots-Sicht: Fähige Fänger im Backfield hat der fünfmalige Super-Bowl-Champion auch jetzt. Dion Lewis ist zwar nach Tennesse gegangen, Rookie Sony Michel ist aber beinahe der gleiche Spielertyp. James White und Rex Burkhead sind immer noch da.

Das Schlechte aus Patriots-Sicht: Left Tackle Nate Solder hat sich nach sieben Jahren in Richtung New York verabschiedet. Erstrundenpick Isaiah Wynn wurde als Ersatz gedraftet, hat sich in der Preseason die Achillessehne gerissen und fehlt die gesamte Spielzeit. Und außerdem: Was, wenn sich Gronkowski wieder verletzt? Dann stünde (wie so oft) kein adäquater Ersatz bereit.

Was sollte das mit Butler?

Außerdem schlecht aus Patriots-Sicht: Die extrem anfällige Defense aus dem Vorjahr, die unter anderem im verlorenen Super Bowl 41 Punkte der Philadelphia Eagles zuließ , ist nicht wirklich verbessert worden. Dazu hat der langjährige Defensive Coordinator Matt Patricia den Head-Coach-Posten der Detroit Lions übernommen.

Inzwischen bei den Tennessee Titans angestellt: Malcolm Butler. © imago

Nachdem Malcom Butler rätselhafterweise nicht mitwirken durfte im wichtigsten Spiel der Saison, ist der Cornerback zu den Titans gegangen. Eben jener Butler, der New England 2015 mit seiner Interception gegen Seahawks-Quarterback Russell Wilson noch den vierten Ring beschert hatte. Eine lückenhafte Secondary hat also einen ihrer wichtigsten Spieler verloren. Den quasi nicht vorhandenen Pass-Rush könnte Abwehrchef Dont'a Hightower wieder verbessern. Der Linebacker hatte nach Woche 5 der Vorsaison wegen eines Risses in der Brustmuskulatur gefehlt.

"Wie jedes Jahr müssen wir unseren Job erledigen"

Probleme sind da, aber die Patriots wären nicht die Patriots und Bill Belichick wäre nicht Bill Belichick, wenn sich diese Probleme nicht irgendwie lösen ließen. "Jedes Jahr ist ein neues Jahr und jedes Jahr bietet neue Herausforderungen", erklärte der Head Coach philosophisch. "Wie jedes Jahr müssen wir unseren Job erledigen. Das versuche ich, so wie hoffentlich jeder hier."

Das Ende der Dynastie wird nicht zum ersten Mal ausgerufen. Bisherige Versuche der Konkurrenz, New England kleinzureden, endeten meistens schlecht. Neun AFC-East-Titel in Folge belegen das recht gut.

mkr

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