NFL, Vorschau: Der Super-Bowl-Champion

Wie "special" wird Philly diesmal? Die Eagles im Check

NFL - 04.09. 09:12

Der Super-Bowl-Sieg hat die Sichtweise verändert, die Philadelphia Eagles gehen diesmal als Titelkandidat in die Spielzeit. Wie aber soll das klappen, wenn noch so viele Fragen offen sind?

Ist die Jubelzeit vorbei? Nick Foles und die Philadelphia Eagles vor dem schweren Start. © Getty Images

Die neun Worte, die den Wahnsinn im Nachhinein so treffend umhüllten, sind auch ein halbes Jahr danach noch gern geklicktes Videomaterial. Da kommt der Quarterback locker zu seinem Trainer an die Seitenlinie gelaufen und fragt ihn: "You want Philly Philly?" Der Trainer hatte seinem Quarterback eigentlich gerade einen Spielzug diktieren wollen, offensichtlich überrascht schaut er ihn dann aber an, kaut zweimal auf seinem Kaugummi und ist angetan. "Yeah", sagt er, "let's do it!"

Neun Worte, die Super Bowl 52 in die Geschichtsbücher packten. Nick Foles sollte und hat in diesem Super Bowl eigentlich Bälle geworfen, aber nach dem kurzen Gespräch mit Head Coach Doug Pederson war er derjenige, der am Ende des "Philly Special"-Spielzugs den Ball fing und 34 Sekunden vor der Halbzeit-Pause auf 22:12 für seine Philadelphia Eagles stellte. Diese Eagles gewannen zwei Viertel später einen denkwürdigen Super Bowl gegen die New England Patriots und gehen nun als Titelverteidiger in die neue Spielzeit.

Der Meister und seine Probleme

Es wurde viel erzählt von der schönen Geschichte der Außenseiter, die allen Widerständen zum Trotz nach Minnesota gereist waren und sich dort als selbst ausgerufener Underdog zum Champion krönten. Ein halbes Jahr später bei fast 50 Grad Temperaturunterschied ist die Stimmung in Philadelphia jedoch nicht wirklich angemessen für einen Titelverteidiger.

Das liegt daran, dass die bisherige Preseason überhaupt nicht so lief und läuft, wie sich Pederson das vorgestellt hatte. Abgesehen von den guten Nachrichten über seine eigene Vertragsverlängerung hat der Meistercoach neben drei Niederlagen aus drei Spielen diverse Baustellen zu schließen. Die größte davon: Carson Wentz. Die Fragen aller Fragen wird wohl erst am Freitag (2.20 Uhr MESZ, live bei ProSieben und ran.de) beantwortet, wenn Philly die neue Saison gegen die Atlanta Falcons im ersten Thursday Night Game eröffnet. Wird Wentz dann auflaufen? Oder reicht es noch nicht?

Foles wie Foles oder Foles wie im Februar?

Bislang sieht es eher so aus, als würde der 25-Jährige, der sich nach einer bis dato herausragenden Saison im Dezember das Kreuzband gerissen hatte, den Auftakt verpassen. Zwar konnte Wentz im Training schon wieder an Elf-gegen-elf-Übungen teilnehmen, doch in der Preseason setzte der Erstrunden-Pick von 2016 noch aus.

Nach den Galavorstellungen in den Play-offs genießt Wentz-Vertreter Foles, der definitiv Backup bleibt, natürlich vollstes Vertrauen von Pederson sowie Mitspielern und Fans. Das wird derzeit aber wieder mal auf die Probe gestellt, weil Foles in den Vorbereitungsspielen wieder wie der Foles spielte, der seine Karriere eigentlich schon hatte beenden wollen. Nur weil Pederson, sein Quarterback-Coach in der Premierensaison 2012, ihn überreden konnte, kam Foles im letzten Jahr aus Kansas City zurück.

"Wir bekommen das hin."

Head Coach Doug Pederson verspricht Besserung

Ein Sinnbild aus der Preseason: Nick Foles gegen die Cleveland Browns. © Getty Images

"Ich habe nur Fehler gemacht", gab Foles zu, nachdem er in Week 3 der Preseason gegen die Cleveland Browns eine ganz schwache Leistung gezeigt hatte. "Es gibt Zeiten, da fühle ich mich gut. Und dann gibt es Zeiten" - so wie beim 0:5 gegen die Browns mit zwei Interceptions und einem Fumble - "in denen ich einige Fehler mache. Ich spiele dieses Spiel schon lange genug und weiß, wie ich es angehen werde. Ich blicke positiv nach vorne."

In der Offseason haben die Eagles alle Abgänge sukzessive ersetzt oder ihren Kader teilweise auch verstärkt. Defensive End Michael Bennett bringt einer ohnehin schon bemerkenswerten D-Line ebenso wie Tackle Haloti Ngata ein weiteres Element. Fürs Receiving-Corps kamen unter anderem Tight End Richard Rodgers oder Wide Receiver Mike Wallace für Routinier Brent Celek oder Torrey Smith. Top-Draft-Pick Dallas Goedert (TE) wusste in der Preseason bereits zu gefallen.

Im Backfield kehrt der letzte Saison verletzte Darren Sproles zurück, LeGarrette Blount hat nach einem Jahr in Philadelphia bei den Detroit Lions unterschrieben. Zweitrunden-Pick Avonte Maddox (CB) erweitert die Optionen in der Secondary, nachdem Cornerback Patrick Robinson zu den New Orleans Saints gewechselt ist.

Jeffery ist auch verletzt - wie lange noch?

Weitere Fragezeichen stehen hinter der Einsatzfähigkeit von Top-Receiver Alshon Jeffery, der im Dezember für vier Jahre bei den Eagles verlängert hatte. Der 28-Jährige ließ sich nach dem Super-Bowl-Sieg an der verletzten Schulter operieren und könnte im schlimmsten Fall für die ersten sechs Saisonspiele ausfallen.

Es bleibt also offen, wie "special" Philly in diesem Jahr wird; zumal die Eagles seltenerweise als Mitfavorit auf den Titel in die Saison gehen. Pederson jedenfalls verspricht den Fans, dass es allemal besser wird als die Vorbereitung. "Unser Team wird anders aussehen, die Leute müssen das verstehen. Wir bekommen das hin, wir werden die Fehler abstellen."

mkr

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