Deutscher Wide Receiver landet bei den Green Bay Packers

Equanimeous St. Brown: "Ich habe Winterklamotten"

NFL - 02.05. 15:45

Das deutsche Football-Talent Equanimeous St. Brown wird in der kommenden Saison bei den Green Bay Packers spielen. Das steht seit dem NFL-Draft, in dem "EQ" erst spät an 207. Stelle gezogen wurde, fest. Im exklusiven kicker-Interview gibt der Sohn eines ehemaligen Mister Universe Einblicke in seine Gefühlswelt, gesteht leichte Enttäuschung, spricht als gebürtiger Kalifornier über die kommende Kälte in Wisconsin - und glaubt daran, dass er eine gute Partie für Star-Quarterback Aaron Rodgers sein kann.

Startet seine NFL-Karriere bei den Green Bay Packers: Wide Receiver Equanimeous St. Brown. © imago

Bereits vor dem diesjährigen NFL-Draft hatte sich Equanimeous St. Brown, der bis zuletzt am College bei Notre Dame gespielt hatte, exklusiv gegenüber dem kicker geäußert und unter anderem gesagt: " Ich fühle mich stark genug für die NFL ." Beim Draft selbst musste "EQ" nun etwas länger als gedacht auf seinen Namen warten: Denn erst in der sechsten Runde und an 207. Stelle riefen die Green Bay Packers den Namen des Wide Receivers auf .

Dazu und zu den kommenden Aufgaben hat sich St. Brown, Sohn von Ex-"Mister Universe" John Brown und der deutschen Auswanderin Miriam Steyer , nun erneut exklusiv geäußert.

kicker: Equanimeous St. Brown, wie haben Sie sich explizit in den letzten Stunden vor Start auf den diesjährigen NFL-Draft vorbereitet?
Equanimeous 'EQ' St. Brown: Ganz normal. Ich bin morgens noch ins 'Gym' gegangen und habe mit einigen Freunden gechattet. Wir haben uns dann ein paar Stunden vorher in Anaheim mit der ganzen Familie getroffen - also mit den Eltern, meinem Bruder Amon-Ra, Onkel, Tante, Cousinen/Cousins, und ein paar Freunden. Es waren auch ein paar TV-Teams mit dabei - und wir haben ein 'Cookout' gemacht, also jeder hat etwas zum Essen mitgebracht.

"Ich gebe zu, ich war schon etwas enttäuscht."

Equanimeous St. Brown über den Draft-Verlauf

kicker: Sie mussten lange auf Ihren Namen warten, es dauerte bis zur 6. Runde und Stelle 207, ehe die Packers Ihren Namen aufriefen. Wie sah das Gefühlschaos bis dahin aus?
St. Brown: Ich habe damit gerechnet, dass mein Name früher genannt wird. Ich gebe zu, ich war schon etwas enttäuscht.

kicker: Konnten Sie absehen, dass es so lange dauern würde?
St. Brown: Nein, das konnte ich nicht. Es gab für mich keine Vorzeichen, die darauf hingedeutet hätten.

kicker: Kamen Zweifel auf?
St. Brown: Die Entscheidung, überhaupt in den Draft zu gehen? Nein. Nicht eine Sekunde! Ich habe mich ja jetzt drei Jahre lang mit allen Draft-Kandidaten Woche für Woche gemessen und weiß um deren Qualitäten und auch um meine. Zweifel hatte ich nie.

kicker: Am Ende hat es ja geklappt - und mit Green Bay hat Sie das wohl traditionsreichste Team gezogen. Schließlich sind die Packers Rekordtitelträger mit 13 NFL-Trophäen, darunter vier Super Bowls. Außerdem geht "The Pack" 2018 in seine 100. NFL-Saison. Was für Gedanken gehen Ihnen bei den Green Bay Packers durch den Kopf?
St. Brown: Ich mag traditionsreiche Teams. Mein College Notre Dame ist ja im College-Football ähnlich erfolgreich wie Green Bay in der NFL - und auch mit einer langen Tradition gesegnet. So etwas liegt mir und ich habe mich schon sehr gefreut, dass es die Packers geworden sind.

Will in der NFL durchstarten und sich schnell etablieren: Equanimeous St. Brown (oben). © imago

kicker: Sie werden es künftig im Training neben etablierten Wide Receivern wie Randall Cobb oder Davante Adams natürlich auch mit Star-Quarterback Aaron Rodgers zu tun bekommen. Gibt es schon gewisse Erwartungen?
St. Brown: Mir war wichtig, dass ich einen starken Quarterback bekomme, der lange wie tiefe Bälle wirft. Mit Aaron Rodgers habe ich so einen bekommen, vielleicht sogar den Besten. Es steht viel Arbeit bevor - und ich muss mich jeden Tag neu beweisen. Mein Ziel ist es, Starter zu werden und mit den Packers so weit zu kommen, wie möglich.

kicker: Außerdem treffen Sie in Green Bay auch auf den früheren Browns-Spielmacher DeShone Kizer - und damit auf Ihren früheren Freund im College von Notre Dame.
St. Brown: DeShone war einer der Ersten, der mich nach meinem Draft-Pick angerufen hat. Ich freue mich auf ihn - und er freut sich auf mich. Auf dem College hatten wir unsere erfolgreichste Zeit, als wir zusammen auf dem Platz standen. Wenn wir da weitermachen können, wo wir vor zwei Jahren aufgehört haben, wäre das super.

kicker: War Kizer beim NFL-Draft irgendwie involviert? Hat er den Packers-Offiziellen eventuell von deinen Qualitäten erzählt?
St. Brown: Vor einem Pick holen die Verantwortlichen immer viele Informationen ein aus allen Richtungen. Ob DeShone gefragt wurde und ob er was erzählt hat, weiß ich nicht. Ich habe ihn nicht gefragt und werde ihn auch nicht fragen. Das ist Teil des Prozesses.

"Ich denke, dass die Packers mit mir auch mehr Varietät in der Offense haben werden und ich ein gutes 'Target' für den Quarterback sein werde."

Equanimeous St. Brown

kicker: Mit dem Draft ist nur der Startschuss für die NFL gefallen. Wie steigen Sie nun bei den Packers ein? Was steht alles in den nächsten Tagen und Wochen an?
St. Brown: Ich werde diese Woche noch nach Wisconsin fliegen und mich mit den Verantwortlichen von den Packers treffen. Danach fliege ich wieder zurück nach Los Angeles und bereite den Umzug vor. Ich bin gespannt auf die Leute, die Stadt und das Umfeld in Green Bay.

kicker: Die Packers gelten vor allem wegen Aaron Rodgers als offensiv starkes Team. Liegt Ihnen die Mentalität der Käsestädter, der Cheeseheads?
St. Brown: Auf jeden Fall liegt mir das. Ich denke, dass die Packers mit mir auch mehr Varietät in der Offense haben werden und ich ein gutes 'Target' (Ziel; Anm.d.Red.) für den Quarterback sein werde.

kicker: Zum Auftakt der neuen NFL-Saison steigt direkt im ersten Sunday Night Game der Klassiker zwischen Green Bay und Chicago. Werden Sie beim 196. Duell der Erzrivalen, in dem die Packers mit 96 Siegen, 94 Niederlagen und 6 Remis führen, als aktiver Spieler dabei sein?
St. Brown (lacht): Ich hätte nichts dagegen.

Muss sich in Green Bay warm anziehen - und hat sich klamottentechnisch schon vorbereitet: Equanimeous St. Brown. © imago

kicker: Quarterback Aaron 'ARod' Rodgers gilt als Meister der weiten Würfe. Schon mal eine 'Hail Mary' gefangen?
St. Brown: In meinem letzten Jahr an der Servite High School habe ich in der Tat eine 'Hail Mary' gefangen. Das war schon ein tolles Gefühl mit allen Emotionen. Ich glaube, da gibt es sogar noch irgendwo ein Video von.

kicker: Sie sind im kalifornischen Anaheim Hills nahe Los Angeles aufgewachsen. Im hohen Norden in Wisconsin wird das Wetter aber oft rau, extrem kalt und schneereich. Hegen Sie Vorfreude oder eher Respekt davor, bei solchen Bedingungen künftig in Green Bay im heiligen Lambeau Field zu spielen?
St. Brown (lacht): Eine große Umstellung war es vor drei Jahren, von Kalifornien nach Indiana zum College von Notre Dame zu ziehen. Die Winter dort in South Bend sind auch sehr extrem - und im Stadion hatten wir oft eisigen Wind in den Wintermonaten. Wisconsin ist aber natürlich noch etwas nördlicher als South Bend - und vielleicht auch noch etwas kälter. Aber ich habe mir letztes Jahr neue Winterklamotten gekauft und bin froh, dass ich sie noch habe und weitertragen kann.

Interview: Markus Grillenberger

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