Ehemaliger NFL-Quarterback zeigt sich verändert

Ja, es gibt ihn noch: Johnny Manziel wirft wieder

NFL - 23.03. 14:20

Als Johnny Manziel im NFL-Draft 2014 in der ersten Runde an 22. Stelle gezogen worden war, war der Weg des aufkommenden Stars geebnet. Glücklich schätzen durften sich die Cleveland Browns, die in "Johnny Football" den Franchise-Quarterback sahen und sich einen Weg zurück auf die glorreiche NFL-Seite erhofften. Doch all das platzte jäh wie eine Seifenblase - Skandale inbegriffen. Doch nun schlägt der 25-Jährige den zweiten Bildungsweg ein - und zeigt sich als geläuterter Mensch.

Offenbar geläutert: Johnny Manziel hat wieder ein klares Ziel vor Augen - die NFL-Rückkehr. © imago

Man muss es vielleicht zweimal lesen, doch es stimmt: Johnny Manziel scheint es mit einem Comeback in der National Football League ernst zu meinen. Der einst aufstrebende, mit Vorschusslorbeeren angekündigte und anschließend krachend abgestürzte Quarterback trainiert hart, wirft wieder Bälle, trifft ehrliche Aussagen und tut dem Anschein nach alles, um wieder bei einem NFL-Team zu landen. Mit 25 Jahren ist dafür auch höchste Eile geboten.

Der frühere Heisman-Trophy-Gewinner von Texas A&M steht im Roster der Entwicklungs-Liga, der Spring League. Jene Liga wurde ins Leben gerufen, um jungen Talenten die Chance zu geben, sich zu entwickeln und vor NFL-Scouts und General Managern (neu) zu beweisen. Und nach der Veröffentlichung der Roster sagte Manziel Mitte Februar Folgendes: "Mein Ziel ist es, zurück in die NFL zu kommen. Ich habe verstanden, dass ich mir dieses Privileg erarbeiten muss. Die Spring League gibt mir die Möglichkeit zu spielen - und das ist alles, was ich will."

Am vergangenen Dienstag (Ortszeit) warf "Johnny Football" nun einige Pässe an der University of San Diego, die einen Spielmacher als Trainingspartner gesucht hatten. Der Arm funktionierte, die athletischen Fähigkeiten waren wieder zu sehen - und bei leichtem Regen brachte der ehemalige Browns-Profi 38 Pässe bei zwei Fehlwürfen an den Mann.

13 NFL-Teams beobachten Manziel

Wohin führt der Weg von Johnny Manziel? Wohl eher nicht mehr zurück nach Cleveland. © Getty Images

Toreros' Wide Receiver Justin Priest und Tight End Ross Dwelley hatten Manziel zu diesem Stelldichein überredet - und Letzterer äußerte sich im Anschluss gegenüber "ESPN": "Das war richtig gut. Er dreht den Ball gut an. Und er sah das Ganze als Möglichkeit an, seinen Fuß wieder zurück in die Tür zu bekommen." Denn: Scouts von 13 (!) NFL-Teams waren anwesend - genauer gesagt Beobachter von den Browns, New England Patriots, Chicago Bears, Los Angeles Chargers, New York Giants, Kansas City Chiefs, New York Jets, Oakland Raiders, Tennessee Titans, Detroit Lions, Jacksonville Jaguars, Carolina Panthers und Tampa Bay Buccaneers.

Seit drei Wochen arbeitet Manziel dabei mit George Whitfield, dem Quarterback-Coach der University of San Diego, zusammen. Der Trainer empfindet das unter Beobachtung gestiegene Training als eine Art Manziel-Meilenstein. "Was für eine Möglichkeit war das!", so Whitfield, der anfügte: "Das letzte Mal, als er einen Football bei einer NFL-Veranstaltung geworfen hat, trug er noch das Trikot der Cleveland Browns." Inzwischen, nach steinigen Pfaden, habe er sich das verdient. Denn Manziel sei inzwischen ein anderer, geläuterter junger Mann. "Natürlich gibt es noch viele Fragen. Wo steht er genau?", so der Quarterback-Coach weiter. "Doch er arbeitet und trainiert viel."

"Ich weiß, dass ich vielen Leuten vor den Kopf gestoßen habe und es immer noch viele da draußen gibt, die an mir zweifeln."

Johnny Manziel

Und was sagt "Johnny Football", der diesen Spitznamen aufgrund seiner famosen College-Zeit (Texas A&M) bekommen hatte (595 Pässe, 7820 Yards, 63 Touchdowns bei nur 22 Interceptions in zwei Jahren), dazu? "Ich bin inzwischen ein verheirateter Mann. Ich bin zu Hause mit meiner Frau (Bri; Anm.d.Red.) und meinen Hunden. Ich mache sechs Stunden Training am Tag und bin zufrieden, wie die Dinge aktuell laufen. Doch ich weiß auch, dass ich vielen Leuten vor den Kopf gestoßen habe und es immer noch viele da draußen gibt, die an mir zweifeln."

Von "Johnny Football" zu "Johnny Chaos"

Die gibt es in der Tat, denn die Liste der Verfehlungen ist lang - und hat letztlich zum verdienten Aus in der NFL geführt. Kurzer Überblick gefällig?

Manziel hatte in zwei Spielzeiten lediglich 14 Spiele für die notorisch erfolglosen Cleveland Browns (noch kein Super-Bowl-Spiel) bestritten. Die Bilanz als Starter von "Johnny Football": acht Spiele, 2:6-Siege, 1.675 Yards Raumgewinn, sieben Touchdowns und sieben Interceptions.

Eines ist sicher: Das Kapitel von Johnny Manziel bei den Browns war ein absoluter Reinfall. © Getty Images

Vielmehr aber fiel Manziel, der auch eine Baseball-Karriere in der MLB hätte einschlagen können und 2014 von den San Diego Padres gedraftet wurde, immer wieder durch private Eskapaden auf.

Seine damalige Freundin soll er geschlagen haben. Einen Alkohol-Entzug hat das einstige Ausnahmetalent hinter sich. Genauso gehören etliche Party-Exzesse (auch während der regulären Spielzeit) und eine Polizeifahndung mit dem Helikopter zu seiner unrühmlichen Vita. Das alles führte von Beginn an zu Unstimmigkeiten in der NFL - immer mehr vor allem bei den Verantwortlichen und Fans der Browns, die Manziel lange treu blieben und sich letztlich vergebens die positive Explosion auf dem Feld erhofften . Zum Abschluss dann noch das: Aufgrund eines Verstoßes gegen die NFL-Richtlinien (Substanzmissbrauch) war der längst am Boden angekommene Quarterback im Sommer 2016 für vier Spiele gesperrt worden.

mag

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