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20.06.2017, 21:00

Vom Star zum Quarterback auf Jobsuche

Was macht eigentlich Colin Kaepernick?

Am 3. Februar 2013 stand Colin Kaepernick im Super Bowl XLVII (47) und verlor mit seinen San Francisco 49ers denkbar knapp mit 31:34 gegen die Baltimore Ravens, Mitte Juni 2017 ist der inzwischen 29-Jährige ein NFL-Problemfall. Nach schwachen Jahren drehte "Kap" zuletzt zwar sportlich wieder auf, seine politischen Statements haben allerdings zu anderen Schwierigkeiten geführt. Und so ist der Spielmacher auf Jobsuche - und das seit einiger Zeit. Was wird passieren?

Colin Kaepernick
In der NFL noch ohne neuen Arbeitgeber: Quarterback Colin Kaepernick.
© imagoZoomansicht

Colin Kaepernick steht nach wie vor ohne Arbeitgeber da - und ist damit einer der letzten großen Free Agents in der aktuellen Phase der National Football League, der auch Akteure wie Center Nick Mangold oder DeAngelo Williams angehören. Dafür gibt es eine Theorie. Geht es nach NFL-Bossen, wird der Quarterback seinen Status noch länger behalten. Doch warum eigentlich? Was ist passiert?

Kaepernicks Knie des Anstoßes

Los ging alles mit dem Hymnenstreit: Früher gehörte der Sonntag in Amerika allein der Kirche. Wer das Knie beugte, tat das im Gotteshaus. Heute ist zwar längst akzeptiert, dass der Sonntag auch der Tag des Footballs ist, aber dass ausgerechnet Profis vor einem Spiel auf die Knie gehen, das sorgt seit geraumer Zeit für gehörigen Aufruhr.

Sinnbild ist Kaepernick höchstpersönlich, der mit seinem bekannten Namen gegen Rassismus in seinem Land aufmerksam macht und vor Spielen aufs Knie geht. Erstmals protestiert hatte Kaepernick bei einem Vorbereitungsspiel 2016. Danach setzte er seine Aktion fort, obwohl ihm sofort wütender Protest entgegenschlug. Kritik setzte es aus TV-Shows, aus dem Entertainment, dem Sport und der Politik. Unakzeptabel, ein Krimineller, er solle sich schämen - so der Tenor. Donald Trump, der damals noch nicht US-Präsident war, hatte Kaepernick im Jahr 2016 vorgeschlagen, sich ein Land zu suchen, das ihm besser passe.

Colin Kaepernick
Kniete sich immer wieder bei der US-Hymne nieder: Quarterback Colin Kaepernick.
© imagoZoomansicht

Natürlich gab es nicht nur Ablehnung für die Aktionen von "Kap": Etliche Profis von anderen Teams stimmten in den Protest mit ein. Selbst Ex-Präsident Barack Obama hatte Kaepernick unterstützt und es begrüßt, dass der Spieler mehr Aufmerksamkeit auf eine breite Problematik lenke. Denn dass die Lage für sehr viele Schwarze in den USA zum Himmel schreit, ist eine Tatsache: Inhaftierungsraten, Armut, Polizeigewalt, Zugänge zu Bildung, Arbeit und angemessenem Wohnraum - vor allem in Städten wie Baltimore werden Schwarze gegenüber Weißen klar benachteiligt.

Und so überwog dann doch die Ablehnung gegenüber Kaepernick, der sogar Morddrohungen erhalten hatte. Sein Kommentar: "Sollte so etwas passieren, würde es genau mein Ansinnen beweisen. Ich werde aber nicht aufstehen, um meinen Stolz für die Flagge eines Landes zu zeigen, das Schwarze und Farbige unterdrückt. Für mich ist das größer als Football und es wäre selbstsüchtig von mir, wenn ich wegsehen würde."

NFL-Bosse sträuben sich

Doch wie schon die "Washington Post" frühzeitig prophezeit hatte, schnitt sich "Kap" mit seinen Aktionen ins eigene Fleisch - wenn man allein die sportliche Karriere betrachtet. Vor allem, weil den großen NFL-Bossen in den Teams ein erzkonservatives Verhalten nachgesagt wird und sie deswegen wenig Interesse daran haben sollen, sich dieses "Problem" ans eigene Franchise-Unternehmen zu heften.

Colin Kaepernick (#7)
Sportlich hat der laufstarke Colin Kaepernick zweifelsfrei einiges zu bieten.
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So spielen dem Vernehmen nach die in der abgelaufenen Saison wieder guten Leistungen von Kaepernick (zwölf Spiele, 2241 Yards, 16 Touchdowns bei vier Interceptions und sieben Fumbles) eher eine untergeordnete Rolle bei der Causa. Es habe mehr mit seinem Hymnen-Protest als mit seiner Performance auf dem Feld zu tun, hatte zum Beispiel ein anonymer Klub-Boss gegenüber Football-Experte Mike Freeman von "Bleacher Report" gesagt. "Ich möchte nicht, dass mein Team mit Kaepernick in Verbindung gebracht wird. Er ist ein Verräter", hatte ihn das Sportmagazin zitiert.

Angst vor Trump?

Auch der aktuelle US-Präsident spiele dabei eine Rolle: "Ich würde sagen, dass etwa zehn Prozent der Teams Angst haben, dass Trump negativ über sie twittern könnte. Weitere zehn Prozent haben diesbezüglich gemischte Gefühle", war der anonyme General Manager in dem Sportmagazin zitiert worden.

Doch nicht nur die persönlichen Ansichten scheinen die NFL-Bosse zu stören. Laut NFL-Insider Dan Graziano unterschreibt Kaepernick einen neuen Vertrag nur unter zwei Bedingungen: Zum einen möchte "Kap" offenbar eine realistische Chance, in der kommenden Spielzeit als Starting-Quarterback auflaufen zu können. Zum anderen liegen seine Gehaltsvorstellungen wohl bei neun bis zehn Millionen US-Dollar.

Eine endlose Geschichte?

Und so wird Kaepernick bislang außer Acht gelassen, das zeigen alleine die Namen der Spielmacher, die bislang unter Vertrag genommen worden sind: Mike Glennon, Brian Hoyer, Josh McCown, Landry Jones, Geno Smith, Blaine Gabbert, Chase Daniel, Nick Foles, Matt Barkley, Ryan Fitzpatrick, T.J. Yates, Case Keenum, Ryan Nassib, Matt McGloin, E.J. Manuel, Aaron Murray, David Fales, Kellen Moore, Mark Sanchez, Josh Johnson. Auch Austin Davis ist inzwischen untergekommen - und zwar bei den Seattle Seahawks, die Kaepernick jüngst eingeladen hatten.

Colin Kaepernick
Wartet auf seine Chance: Colin Kaepernick (#7).
© imago

"Colin war bisher ein fantastischer Footballer, und das wird er auch weiterhin sein", äußerte sich hernach Headcoach Pete Carroll. "Derzeit haben wir nichts unternommen, aber wir wissen, wo er ist und konnten ihn noch besser kennen lernen. Er ist ein Starter in dieser Liga. Und wir haben schon einen Starter (Russell Wilson; Anm.d.Red.). Aber er ist ein Starter, und ich kann mir nicht vorstellen, dass er nirgends eine Chance bekommt."

Carroll wisse darüber hinaus nicht, ob Kaepernicks sozialer Einsatz eine Rolle dabei spiele, dass der noch auf der Suche nach einem Team sei: "Warten wir das ab. Es sind auch noch andere Spieler ohne Vertrag." Die Tür stehe für die Zukunft offen: "Er hatte in seiner Karriere Höhen und tiefen, aber er hat gezeigt, was er drauf hat. Er hat sich bei uns im Training sehr gut präsentiert."

Ein wenig Hoffnung verbreitet indes auch NFL-Commissioner Roger Goodell: "Jedes Team will besser werden. Und wenn ein Team glauben sollte, dass es mit Colin Kaepernick oder einem anderen Spieler, besser werden kann, dann werden sie es tun."

mag

 
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Vereinsname:San Francisco 49ers
Gründungsdatum:01.01.1946
Vereinsfarben:Rot und gold
Anschrift:San Francisco 49ers
4949 Centennial Boulevard
Santa Clara, California, USA 95054
Internet:http://www.sf49ers.com/


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