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04.09.2018, 14:40

Sportartikelhersteller "Nike" eröffnet Kampagne mit Quarterback

Kaepernick spielt weiter nicht - und ist doch Thema!

Noch immer sucht die NFL nach einem Umgang mit ihren protestierenden Profis. Jeder Kniefall zum Saisonstart dürfte auch eine Reaktion von US-Präsident Donald Trump hervorrufen. Und kurz vor Saisonstart setzt eine brisante Werbekampagne die Liga unter Druck. Es geht einmal mehr um Colin Kaepernick.

Colin Kaepernick
Kurz vor NFL-Start wieder Thema: Colin Kaepernick.
© Getty ImagesZoomansicht

Die jüngsten Attacken von Donald Trump sind gerade erst verhallt, da wird der Werbe-Coup des eigenen Ausrüsters für die NFL zum brisanten Politikum. Kurz vor Saisonstart engagierte der Sportartikelhersteller "Nike" ausgerechnet den "Quarterback-Rebellen" Colin Kaepernick als Gesicht seiner neuen Kampagne. Obwohl sich der geächtete Profi derzeit mitten im Rechtsstreit mit der National Football League befindet.

Wie der US-Sportsender "ESPN" am Montag (Ortszeit) berichtete, ist der 30-Jährige einer von mehreren Athleten, mit denen "Nike" das 30. Jubiläum des Markenmottos "Just Do It" feiern wird. Neben dem ehemaligen NFL-Spieler sind unter anderem auch Odell Beckham Jr. (American Football), Serena Williams (Tennis) und LeBron James (Basketball) Teil der Kampagne. "Wir glauben, Colin ist einer der inspirierendsten Sportler seiner Generation, der die Plattform Sport dazu nutzte, um die Welt zu verbessern", sagte Gino Fisanotti, der nordamerikanische Marken-Vizepräsident, dem Sender "ESPN".

"Glaube an etwas. Auch wenn das bedeutet, dass du alles opferst", twitterte auch der 30-Jährige selbst den Werbespruch der neuen Kampagne, die sein Konterfei ziert und die derzeit für mächtig Aufsehen sorgt.

Damit fällt nach den immer neuen Angriffen von US-Präsident Trump gegen protestierende Profis und der ersten Teil-Niederlage im Verfahren gegen Kaepernick der nächste Schatten auf die neue NFL-Spielzeit. Diese beginnt am Donnerstag (Ortszeit) mit dem Duell von Super-Bowl-Champion Philadelphia Eagles mit den Atlanta Falcons.

Kaepernick seit zwei Jahren ohne Team

Mit Kaepernick begann vor gut zwei Jahren die Welle an Protesten von NFL-Profis, die sich während der amerikanischen Hymne per Kniefall oder mit erhobenen Fäusten gegen Polizeibrutalität und Rassenungleichheiten aussprechen. Die San Francisco 49ers entließen ihren Spielmacher am Ende der Saison 2016/17, seitdem findet er kein neues Team mehr.

Colin Kaepernick
2016 absolvierte Colin Kaepernick seine letzten NFL-Spiele, seither ist er ohne Job.
© Getty Images

Im Oktober 2017 leitete Kaepernick rechtliche Schritte gegen die Liga ein, weil die Franchise-Besitzer ihn aus seiner Sicht im Zuge einer Verschwörung aus der Liga halten. Ein Schlichter sah vergangene Woche nun genug Hinweise für eine derartige Absprache, sodass demnächst Besitzer, Trainer und Teamverantwortliche aussagen müssen. Ein Alptraum-Szenario für die NFL, die gehofft hatte, die Causa schnell vom Tisch zu haben. Kaepernick darf damit auf eine millionenschwere Entschädigung hoffen - einen Job kann er sich aber nicht einklagen. Somit kommt die neue Werbekampagne für die NFL zur Unzeit, erst im März war der Ausrüstervertrag mit "Nike" bis 2028 verlängert worden.

"Was machen sie dann in Amerika?"

Trump hatte in der Vergangenheit protestierende Spieler als "Hurensöhne" beschimpft. In einer E-Mail an seine Unterstützer verkündete der US-Präsident nun zuletzt, dass er eine Petition gestartet habe, damit der Sportsender "ESPN" vor den Spielen die Nationalhymne übertrage. Diese Entscheidung sei eine "rückratlose Kapitulation vor dem politisch korrekten, liberalen Mob". "ESPN"-Präsident Jimmy Pitaro erklärte hingegen, dass das Netzwerk schon in der Vergangenheit die Hymne gar nicht gezeigt habe und dies auch der Plan für die anstehende Saison sei.

"Wenn Amerika zu anstößig für jemanden in unserem Land ist, was machen sie dann in Amerika?", fragte Trump suggestiv in seinem Schreiben. Die politische Strategie des Spaltens und Provozierens verfolgt der US-Präsident auch in seinem Kampf gegen die NFL.

Die amerikanische Bevölkerung ist in der Debatte um die Proteste weitgehend gespalten. In einer Umfrage der "NBC News" und des "Wall Street Journal" antworteten kurz vor Saisonstart 54 Prozent, dass das Knien während der Hymne nicht angemessen sei, um auf die Anliegen der Spieler aufmerksam zu machen. 43 Prozent sehen dies anders.

Die Liga stehe "unter Angriff"

Colin Kaepernick
Steht für seine Rechte ein: Colin Kaepernick.
© Getty ImagesZoomansicht

In der Saisonpause hatte die NFL eigentlich verkündet, dass die Profis während der Hymne stehen sollen oder in der Kabine bleiben sollen. Noch gibt es aber keine gültige Richtlinie zwischen der Ligaführung und der Spielergewerkschaft für die anstehende Saison.

So sind auch weiterhin Proteste und damit Reaktionen von Trump erwartbar. Aus Sicht von Analysten spielt die klare Positionierung gegen die Spieler dabei auch eine wichtige Rolle bei seiner Kampagne für eine mögliche Wiederwahl in gut zwei Jahren. "Die Football-Saison ist eine wöchentliche Sache", sagte Buch-Autor Mark Leibovich dem Magazin "The Atlantic". "Es dürfte viel Berichterstattung geben, wie viele Spieler ihre Fäuste heben oder knien. Und dann kann er jeden Sonntag darüber reden."

Die Liga stehe "unter Angriff", sagte der Besitzer der Buffalo Bills, Terry Pegula, im vorigen Jahr bei einem Treffen von Spielern und Chefs nach Angaben der "New York Times". Und dieser Zustand dürfte sich vorerst nicht ändern.

Reaktionen von US-Bürgern

Wütende Reaktionen auf die Entscheidung von "Nike", Kaepernick als Mit-Aushängeschild der neuen Kampagne zu nutzen, ließen indes nicht lange auf sich warten. In sozialen Medien sind Videos im Umlauf, die US-Bürger beim Verbrennen ihrer "Nike"-Artikel zeigen. "Ich als Amerikaner kann euer Unternehmen nicht länger unterstützen", schrieb zum Beispiel ein User bei Twitter und warf drei Paar Turnschuhe in den Kamin.

dpa/sid

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