
Bundestrainer Werner Schuster konnte es kaum glauben: "Das war schon außergewöhnlich. Ich bin froh, dass wir so gut in die Saison gestartet sind und die Leute sich mitfreuen", sagte der 43-Jährige nach dem sensationellen Erfolg in Sotschi, bei dem die deutschen Springer fast allen davonflogen. Zwar gewann der Österreicher Andreas Kofler den Weltcup auf der Olympiaschanze von 2014, aber direkt hinter ihm reihten sich Schusters Athleten ein: Richard Freitag auf Rang zwei, Dritter wurde der junge Andreas Wellinger. Und die deutsche Flugshow war damit noch nicht beendet: Der Weltcupführende Severin Freund landete auf dem 5. Platz und verteidigte damit sein gelbes Trikot, Karl Geiger wurde 6. Andreas Wank komplettierte das tolle deutsche Ergebnis auf Rang zehn. Mit vier Springern unter den ersten Sechs begeisterten die Adler nicht nur ihren Trainer. Auch der 42fache-Weltcupgewinner Gregor Schlierenzauer (Österreich) freut sich "über den tollen Konkurrenzkampf."
Der erneute Erfolg reiht sich in einen starken Auftakt der deutschen Adler ein. Zuvor gab es bereits in Lillehammer und Kuusamo (Finnland) zwei Siege durch Severin Freund, drei Podestplätze und ein starkes Teamspringen, das ebenfalls auf Rang eins beendet wurde. Trainer Schuster, der seit fünf Jahren das deutsche Team leitet, sieht seine Schützlinge auf einem guten Weg. "Wir haben junge Springer dazubekommen, die sehr belebend sind für das Team. Und die Etablierten sind gesund und so gut in Form, dass sie vorne mitmischen können."
„"Das war einer der wichtigsten Podestplätze meiner Karriere."“Richard Freitag
Gerade Richard Freitag bedeutete der zweite Platz in Sotschi viel. Nach den Unsicherheiten der letzten Wochen verkündete er: "Das war einer der wichtigsten Podestplätze meiner Karriere". Der 21-Jährige haderte zu Beginn des Weltcups mit seiner Form und schaffte es nicht, in die Top 10 zu springen. Doch der Aufwärtstrend riss auch das Sorgenkind der deutschen Mannschaft mit.
Mit dieser Ausgangslage verspricht auch die diesjährige Vierschanzentournee aus deutscher Sicht wieder spannend zu werden. Und vielleicht gelingt nach Sven Hannawald 2002, endlich wieder ein deutscher Sieg. Doch Schuster warnt vor allzu großer Euphorie: "Man darf jetzt nicht glauben, dass wir alles in Grund und Boden springen werden." Dennoch boomt der Kartenverkauf der Tournee. Am 30. Dezember (Oberstdorf) und 6. Januar in Garmisch- Partenkirchen werden die Adler von so vielen Zuschauern angefeuert, wie zuletzt in den großen Tagen von Hannawald und Martin Schmitt.
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