Die 29-Jährige zog sich am Montag bei der 1:4-Niederlage gegen Brasilien im Halbfinale eine Bauchmuskelverletzung zu und konnte am Mittwoch nicht am Abschlusstraining des Weltmeisters teilnehmen.
"Man sieht bei Nadine immer noch einen blauen Fleck. Sie hat Probleme, wenn sie tief einatmet, und soll sich bis zum Spiel ausruhen. Ich bin aber eigentlich sehr optimistisch, sie hat ganz normal gegessen", sagte Bundestrainerin Silvia Neid über Angerers Gesundheitszustand.
Angerer prallte gleich zu Beginn des Halbfinales in Shanghai bei einem Rettungsversuch mit der brasilianischen Offensivspielerin Daniele zusammen und zog sich dabei eine Zerrung im Bauchmuskel-Bereich zu.
Seit sich Silke Rottenburg Anfang 2007 das Kreuzband riss, ist Nadine Angerer die unumstrittene Nummer eins im Tor der deutschen Frauen-Nationalelf. Bei der WM 2007 in China war sie maßgeblich am Titelgewinn beteiligt, als sie in allen sechs Spielen ihren Kasten sauber hielt. Beim 2:0-Triumph im Finale über Brasilien parierte sie einen Strafstoß von Marta und wurde zur besten Torhüterin des Turniers gewählt.
Auch bei den Olympischen Spielen konnte lange Zeit niemand die Schweden-Legionärin bezwingen. Erst nach 432 Minuten wurde sie durch Formiga zum zwischenzeitlichen 1:1 erstmals überwunden.
Sollte Angerer gegen die Japanerinnen tatsächlich passen müssen, stünde Ursula Holl vom SC Bad Neuenahr als Ersatz bereit. Für die 26-Jährige wäre es das erste Spiel bei Olympia.
Mittlerweile ist die Enttäuschung über das Aus im Halbfinale verarbeitet. "Wir haben einen Tag getrauert, das muss reichen", sagt Kerstin Stegemann. Nun soll auf jeden Fall die Bronzemedaille über das verpasste Gold hinwegtrösten: "Es herrscht keine Wehmut über die verpasste Goldmedaille, denn wir hatten nicht die Illusion, dass es ein Selbstläufer wird. Auch Bronze wüssten wir zu schätzen", sagt Spielführerin Birgit Prinz.
Nun gelte die Konzentration der kommenden, schweren Aufgabe. Vor einem Jahr reichte es in der WM-Vorrunde auf dem Weg zum Titel gegen die Japanerinnen mit Mühe zu einem 2:0. "Aber Japan hat einen besseren Abschluss als damals, spielt diszipliniert, ballsicher und kombinationsstark", gibt Neid zu bedenken. Zudem rätselt die Bundestrainerin weiterhin über den Leistungsstand ihrer Spielerinnen. Lediglich im Viertelfinale gegen Schweden (2:0 n.V.) konnten die Weltmeisterinnen überzeugen. So wollte Neid vor dem "kleinen Finale" auch noch nicht von einem gelungenen Turnier sprechen. "Da warte ich noch ab."
Ihr Fazit gezogen hat bereits Conny Pohlers. Und die Frankfurterin, die bisher nicht zum Einsatz kam, hält mit ihrer Unzufriedenheit nicht hinter dem Berg: "Dass ich hier nicht zum Einsatz komme, gibt mir ein trauriges Gefühl. Ich bin Stürmerin und will Tore schießen. Der Frust ist groß, ich will nur nach Hause", sagte die Angreiferin. Harmonie vor dem letzten Auftritt in China sieht auf jeden Fall anders aus.
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