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12.04.2018, 19:16

"Das ist wirklich ein großer Moment

Lucas di Grassi: Der Botschafter im Cockpit

Mit dem siebten Saisonlauf in Rom schlägt die Formel E am Samstag in Europa ihre Zelte auf, wo es im Anschluss noch zu Stationen in Paris, Berlin und Zürich kommen wird. Das Rennen in der Ewigen Stadt wird ab 16 Uhr live bei Eurosport übertragen. Der kicker sprach zuvor mit dem amtierenden Champion, Audi-Pilot Lucas di Grassi.

Lucas di Grassi
Er ist der beste Fürsprecher, den die Elektroserie nur haben kann: Lucas di Grassi.
© imagoZoomansicht

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton fährt im Jahr nach seinem jüngsten Titelgewinn erst einmal hinterher. In den ersten vier Rennen der neuen Saison holt er null Punkte, handelt sich ärgerliche Strafen ein (eine sogar wegen fehlender feuerfester Unterwäsche) und wird mehrfach von seinem Mercedes im Stich gelassen. Trotzdem kann ihm das nicht die Laune verhageln, ganz im Gegenteil kommt er aus dem Schwärmen über seinen Sport gar nicht raus. Vorstellbar? Eher nicht.

In der Formel E gibt es diesen amtierenden Champion, dem all das seit dem Saisonstart im Dezember in Hongkong widerfahren ist. Aber Lucas di Grassi (33) ist nicht nur ein Vollblutrennfahrer, sondern gleichzeitig der beste Fürsprecher, den die Elektroserie nur haben kann. Zum siebten Saisonrennen am Samstag in Rom kommt der Brasilianer vom Team Audi Sport ABT Schaeffler nicht nur mit dem Rückenwind eines 2. Platzes im letzten Rennen in Punta del Este (Argentinien), sondern mit einer klaren Botschaft: Die Formel E ist auf dem Vormarsch.

So ging BMW in dieser Woche erstmals mit dem Auto zum Testen auf die Strecke, mit dem es seinen lange schon verkündeten Einstieg ab der Saison 2018/19 vollziehen wird. Ebenfalls in dieser Woche tauchten erstmals offiziell die Markennamen von Porsche und Mercedes in der Starterliste für die Saison 2019/20 auf Der nach seinem Meisterschaftsgewinn arg gebeutelte Brasilianer mit italienischen Wurzeln lässt sich seine Laune nicht verderben. "Es ist einfach schön, in einer Stadt mit einer solchen Geschichte ein solches Auto mit Technik von morgen zu bewegen", schwärmt di Grassi, "ich fuhr, um ein Rennen hier eines Tages mit anzuschieben, schon Ende 2012 mit einem Elektroauto durch die Straßen von Rom. Jetzt nach so vielen Jahren hier tatsächlich ein Rennen zu haben, ist wirklich ein großer Moment."

"So habe ich 2017 meinen Titel gewonnen"

Auch als momentan Elfter der Wertung nimmt di Grassi den Rest der Saison so ernst, als ginge es noch um den Titel: "So habe ich 2017 meinen Titel gewonnen, als alle schon gesagt haben, dass es aus ist und ich keine Chance mehr habe. Meine Herangehensweise war: nächstes Rennen, nächste Siegchance. Das ist jetzt ganz genauso." Lucas di Grassi aber hat nicht nur sich und sein eigenes Abschneiden im Fokus. Er, der seit der Premiere 2014 in Peking mit von der Partie ist, hat sich zum fahrenden Botschafter einer Rennserie entwickelt, von der er zu einhundert Prozent überzeugt ist: "Am Anfang war die Formel E ein einziges großes Fragezeichen. Eine Menge Leute hatten eine Menge Zweifel, vor allem natürlich deshalb, weil nie zuvor ein komplett elektrischer Antrieb in ein Rennauto eingebaut worden war. Mir war sofort klar, dass dies die neue Richtung sein würde."

Durch den Einstieg der großen Konzerne sieht der eloquente Südamerikaner nicht die Gefahr, dass es zum finanziellen und technischen Overkill kommen wird. Begründung: "Professioneller Motorsport muss von großen Herstellern finanziert sein, sonst ist er nicht professionell. Wenn aber die Technologie nicht kommerziell relevant ist, wird man nur sehr unwahrscheinlich von dort her Unterstützung bekommen. Wenn also klar war, dass es auf der Straße in Richtung E-Mobilität ging, musste es etwas Entsprechendes auch im Sport geben. Niemand außer der Formel E hat dies angepackt, weshalb ich an diese Idee von Anfang an geglaubt habe."

Professioneller Motorsport muss von großen Herstellern finanziert sein, sonst ist er nicht professionell.Lucas di Grassi

Aus seiner Sicht müssen für ein echtes Funktionieren "drei wichtige Punkte erfüllt sein. Und wenn nur einer davon nicht beachtet wird, wird die Formel E nicht bestehen können. Wir brauchen erstens einen hohen Unterhaltungswert, dazu müssen alle Teams und Autos in der Lage sein, innerhalb einer halben Sekunde Unterschied pro Runde zu liegen. Zweitens benötigen wir eine moderne, relevante Technologie, die so frei sein muss, dass Hersteller auch etwas Eigenes entwickeln dürfen, das sie dann auch in ihren normalen Produkten anwenden können. Und drittens muss das mit geringen Kosten zu realisieren sein. Also: Unterhaltung, Technologie, Kostenbewusstein." Di Grassi sieht sich dazu in der Szene um und erkennt, dass dies "etwas ist, was die Formel 1 im Moment nicht hinbekommt. Wenn du diese drei Forderungen aber in eine ausgewogene Balance bringst, ist alles okay.

Chassis, Reifen und Bremsen sind für alle gleich

In der Fomel E haben wir genau das. Und man muss wissen, dass man automatisch das eine schwächt, sobald man das andere hervorhebt. Beispiel: Wenn wir die Aerodynamik freigeben, steigen die Kosten und mindert sich sofort der Unterhaltungswert, denn dann haben wir nicht 0,5 Sekunden Unterschied, sondern fünf Sekunden zwischen Erstem und Letztem. Was die Formel E ebenfalls exakt richtig gemacht hat, dass sie lediglich den Antriebsstrang als Eigenentwicklung erlaubte. Chassis, Reifen und Bremsen sind für alle gleich. Das lässt den Herstellern die Chance auf einen eigenen Weg, führt aber nicht zu übergroßen Leistungsunterschieden."

Mit Zufriedenheit sieht di Grassi, dass "die Formel E das perfekt hinbekommen hat". Seine sofort nachgeschobene Warnung: "Das muss sie auch in Zukunft beibehalten. Denn wenn die Hersteller das nicht beachten, dann werden sie die Formel E killen, so wie sie die Topklasse LMP1 in der WEC (Langstrecken-WM) gekillt haben." Dort startet werkseitig in diesem Jahr nach den Ausstiegen von Peugeot, Audi und Porsche mit Toyota nur noch ein einziger Hersteller in der Topkategorie. In der Formel E sind es aktuell sieben und bald schon zehn - die neue Welt im Motorsport.

Stefan Bomhard

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