Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
28.07.2017, 17:40

Sport-Stipendiat des Jahres: Bewerberin Theresa Stoll

Stoll: "Für das Physikum lasse ich die WM sausen"

Theresa Stoll gehört zu den größten Hoffnungsträgern der deutschen Judoka. Nach dem Gewinn der U23-Europameisterschaft im November 2016 verteidigte die 21-Jährige Anfang 2017 zunächst ihrem DM-Titel aus dem Vorjahr, feierte dann in Düsseldorf ihren ersten Grand-Prix-Sieg und holte bei ihrer ersten EM-Teilnahme im April die Silbermedaille. Parallel dazu studiert sie im vierten Semester Medizin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Der Leistungssport ist für sie trotz aller Belastungen ein wichtiger Ausgleich zum Lernstress.

Theresa Stoll
Kandidatin für den Sport-Stipendiat des Jahres 2017: Theresa Stoll.
© Christian SchießlZoomansicht

Frage: Theresa, du bist 2017 von Erfolg zu Erfolg geeilt. Ist das schon jetzt die beste Saison deines Lebens?

Theresa Stoll: Das kann man schon so sagen, ja. Der Wechsel vom Jugend- in den Frauenbereich ist immer die größte Herausforderung im Judo, insofern ist es umso schöner, dass es jetzt schon im zweiten Jahr so gut läuft. Als Neuling in der Runde hatte ich überhaupt keinen Druck, wollte eigentlich nur meine Weltranglistenposition kontinuierlich verbessern. Dann habe ich mir von Turnier zu Turnier neue Ziele gesetzt.

Frage: Wie merkt man als junger Sportler, dass man gerade den nächsten Entwicklungsschritt gemacht hat?

Stoll: Mit jedem gewonnen Kampf wächst das Selbstvertrauen. Und das ist in einer Zweikampfsportart wie Judo auf diesem Niveau das Wichtigste. Die erfahrenen Athleten kennen sich alle untereinander, da hatte ich am Anfang schon etwas Respekt. Als ich den langsam abgelegt hatte, wurden auch die Ergebnisse immer besser. Außerdem gibt das einen Motivationskick und Schub für das Training.

Frage: Deine Zwillingsschwester ist ebenfalls Judoka und geht in der gleichen Gewichtsklasse an den Start. Welchen Anteil hat sie an deiner Entwicklung?

Stoll: Amelie ist unheimlich wichtig. Sie ist der beste Trainingspartner, den man sich wünschen kann. Außerdem ist es sehr angenehm, jemanden zu haben, der oft ganz ähnliche Situationen durchlebt. Wir stacheln uns gegenseitig an. Wenn die eine vorlegt, will die andere nachziehen. Momentan habe ich ein bisschen die Nase vorne, aber das ist ein großer Ansporn für sie.

Frage: Parallel zum Judo studierst du in München Medizin. Wie funktioniert die Kombination aus Leistungssport und einem so zeitintensiven Studium?

Stoll: Wichtigste Voraussetzung ist auf jeden Fall eine gute Organisation. Ich halte immer am Anfang des Semesters Rücksprache mit der Universität und schaue, welche Veranstaltungen ich belegen kann. Mir wurde eingeräumt, etwas häufiger zu fehlen, aber Pflichtveranstaltungen bleiben Pflichtveranstaltungen. Trotzdem kann ich vieles auch unterwegs erledigen. Oft sitze ich im Trainingslager noch abends über den Büchern und lerne.

Theresa Stoll (links)
"Mit jedem gewonnen Kampf wächst das Selbstvertrauen": Theresa Stoll.
© imagoZoomansicht

Frage: Gab es auch Zweifel, dass das alles auf Dauer zu schaffen ist?

Stoll: Es haben mich schon viele Leute vorgewarnt und mir geraten, gut darüber nachzudenken. Mich hat das aber eher zusätzlich motiviert. Ich wollte zeigen, dass ich es trotzdem schaffen kann. Meine Familie stand ohnehin hinter jeder Entscheidung, die ich getroffen hätte. Mein Trainer ebenfalls. Das war wichtig.

Frage: Ist der permanente Wechsel zwischen Training und Lernen nicht auf Dauer ermüdend?

Stoll: Im Gegenteil. Für mich ist das ein super Ausgleich. Beim Sport kann ich richtig gut abschalten. Klar ist es im Endeffekt auch eine Art der Konzentration, aber wenn man sich richtig auspowert, kann man danach auch wieder fokussierter lernen. Nach dem Abitur habe ich - mit Ausnahme eines zweimonatigen Pflegepraktikums - ein Jahr lang nur Sport gemacht. Das hat mir zwar viel Spaß gemacht, aber irgendwie war da das Gefühl: Das ist nicht alles. Den Kopf überhaupt nicht anzustrengen hat mir gar nicht gepasst.

Frage: Wie viel Prozent deiner Zeit investierst du unterm Strich für das Studium, wie viel für den Sport?

Stoll: Das wechselt. Während des regulären Semesters passe ich meinen Trainingsplan an die Uni an. In den Ferien kann ich mich dann auch mal ein bisschen intensiver aufs Training konzentrieren.

Frage: Und wie sieht es aus, wenn das große Ziel Olympia 2020 näher rückt? Verschieben sich dann die Prioritäten?

Stoll: Im Grunde habe ich jetzt gerade damit angefangen, den Zeitplan auf die Olympischen Spiele in Tokio auszurichten. Mein Ziel ist es, im Sommer das Physikum zu bestehen, die im Medizin-Studium vielleicht größte Hürde und lernintensivste Klausur. Dafür muss ich in diesem Jahr auch die WM im August sausen lassen. Danach werde ich alles ein bisschen strecken. Wenn es Richtung Olympia geht, kann ich dann auch mal nur wenige Module belegen. Vielleicht werde ich sogar ein komplettes Urlaubssemester nehmen.

Frage: Bedeutet das nicht enormen zusätzlichen Druck für die Klausur im Sommer?

Stoll: Nun ja, es wäre schon nicht schlecht, das jetzt zu bestehen...

Frage: Was bedeutet es für dich, zu den Top Fünf bei der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres zu gehören?

Stoll: Es ist schön, auch einmal von außerhalb der Judo-Kreise so eine Bestätigung zu erhalten. Beim Judo kann man bekanntermaßen nicht viel Geld verdienen. Im Großen und Ganzen macht man das einfach aus Spaß. Insofern tut eine solche Anerkennung der eigenen Leistung unheimlich gut.

Interview: Pirmin Clossé

Video zum Thema
Sport-Stipendiat des Jahres 2017- 26.07., 13:50 Uhr
Kandidatin Theresa Stoll: Training ist "zum Teil ein super Ausgleich"
Bei ihrer ersten EM-Teilnahme holte Judoka Theresa Stoll im April die Silbermedaille. Parallel dazu studiert die 21-Jährige im vierten Semester Medizin an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Stoll stellt sich als Kandidatin bei der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres 2017 vor.
Alle Videos in der ÜbersichtAlle Videos per RSS
 

kicker-sportmagazin

Lesen Sie die aktuelle kicker-Ausgabe vor allen anderen auf Ihrem Tablet oder Smartphone!
noch vor Verkaufsstart verfügbar: Lesen Sie die Montagsausgabe schon Sonntagabend
mit unserem Abo-Service verpassen Sie garantiert keine Ausgabe
bequeme und sichere Bezahlung über Ihren Appstore-Account
mühelos und in Sekunden-
schnelle geladen!
   

Schlagzeilen

   
google+ Google+ aktivieren
dauerhaft aktivieren

Livescores

Community

Die aktuellsten Forenbeiträge
Re (2): Deutsche Wähler von: menon65 - 25.09.17, 11:54 - 4 mal gelesen
Re (3): Jetzt muss Tedesco zeigen... von: kiste54 - 25.09.17, 11:52 - 0 mal gelesen
Re: LOL... von: JAF99 - 25.09.17, 11:51 - 7 mal gelesen

TV Programm

Zeit Sender Sendung
12:00 SKYS1 Insider - Die Sky Sport Dokumentation
 
13:00 SDTV Sheffield Wednesday - Sheffield United
 
13:00 EURO Tennis
 
13:00 SKYBU Fußball: Bundesliga, Alle Spiele, alle Tore
 
13:00 SKYS1 Handball: Velux EHF Champions League
 

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel eMagazine kicker MeinVerein FußballQuiz GloryRun