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07.03.2017, 13:15

Image angekratzt: Sportnation Großbritannien und Stars im Zwielicht

Dopingvorwürfe: Schatten über Farah und Wiggins

Sir Bradley Wiggins und Sir Mo Farah stehen im Zweilicht. Die Vorzeigeathleten der Sportnation Großbritannien werden mit Dopingverdächtigungen in Zusammenhang gebracht. Und nicht nur sie.

Mo Farah und Sir Bradley Wiggins
Über die Erfolge der britischen Sportikonen Mo Farah (li.) und Sir Bradley Wiggins ziehen dunkle Wolken auf.
© picture allianceZoomansicht

Die Ikonen der Sportnation Großbritannien verlieren ihre Unantastbarkeit. Auf die außerordentlichen Erfolge des Vereinigten Königreiches, das in Rio de Janeiro dank 27 Mal Gold Rang zwei im Medaillenspiegel belegte, fallen immer größere Schatten. Die Topstars von der Insel - der erste britische Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins und der viermalige Langstrecken-Olympiasieger Mo Farah - stehen im Mittelpunkt von Doping-Diskussionen. Und nicht nur sie.

Die Karriere des zum Jahresende zurückgetretenen Wiggins, der 2012 von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, erscheint in dunklerem Licht. Die britische Anti-Doping-Agentur UKAD hat dem Landesverband, dem Renommier-Rennstall Sky, dessen Manager Dave Brailsford und dem einstigen Kapitän und fünfmaligen Rad-Olympiasieger Wiggins schwere Vorwürfe gemacht. Bei der Aufarbeitung möglicher Doping-Verstöße macht das Team, das seit 2012 mit einer Unterbrechung zuletzt immer den Tour-Sieger stellte, keine gute Figur.

In der Leichtathletik hat es nur sehr selten so laute Momente gegeben wie jene im August 2012, als 80.000 im Olympiastadion von London Mo Farah zu Siegen über 5000 und 10 000 Meter brüllten. Inzwischen fliegen dem ebenfalls geadelten Leichtathleten ganz andere Dinge um die Ohren. Im Mittelpunkt der Doping-Verdächtigungen: sein Trainer Alberto Salazar, der laut "Sunday Times" bei der US-Anti-Doping-Agentur USADA im Fokus steht.

Der amerikanische Coach soll bei seinen Athleten rezeptpflichtige Medikamente missbraucht und verbotene Infusionen zur Leistungssteigerung angewendet haben. Dies geht aus einem vertraulichen Zwischenbericht der USADA, die nun Farahs Dopingproben für Nachtests anforderte, an die texanische Ärztekammer hervor. Farah wehrte sich vehement: "Ich bin ein sauberer Athlet, der niemals die Regeln in Bezug auf Substanzen, Methoden oder Dosierungen gebrochen hat", betonte der 33-Jährige.

Im Fall Wiggins geht es um mysteriöse Medikamenten-Lieferungen an seine Adresse vor sechs Jahren. Der frühere Sky-Teamarzt Robert Freeman war der Ladung vor den Parlamentsausschuss zu Untersuchungen der Unregelmäßigkeiten rund um das 28-Millionen-Euro-Team in der vergangenen Woche nicht gefolgt. Der Mediziner konnte die Gaben an Wiggins nicht dokumentieren - Aufzeichnungen darüber seien bei einem Diebstahl seines Laptops 2014 in Griechenland verloren gegangen, ließ Freeman wissen.

Das Team Sky, das unter der Prämisse des sauberen Radsports und diesbezüglich werbewirksam immer Null-Toleranz-Politik propagiert hatte, habe sich nicht kooperativ verhalten, hieß es. "Vom ersten Moment an gab es eine spürbare Abwehrhaltung gegenüber unseren Bemühungen2, hatte die UKAD-Chefin Nicole Sapstead der britischen Zeitung "Independent" erklärt.

Die Profis im Team hätten bereits Rücktrittsforderungen an Manager Brailsford diskutiert. Er hatte sich zuletzt in immer mehr Widersprüche verstrickt. Das berichtete die Internetplattform "cyclingnews", ohne Namen zu nennen. Das Parlamentsmitglied des Unterhauses, Damian Collins, erklärte, der britische Radsport und das Team Sky befände sich bezüglich seiner Glaubwürdigkeit "in einer fürchterlichen Situation".

In der englischen Premier League hatte im April 2016 ein mutmaßlicher Dopingring um den Frauenarzt Mark Bonar nach Recherchen der ARD und "Sunday Times" für Schlagzeilen gesorgt. Fußball-Profis sollen illegal behandelt worden sein. Die Affäre wurde geräuschlos beigelegt. Der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes hatte anno 2006 offensichtlich nur rund 50 - namentlich bekannte - Radprofis behandelt. Seine Patientenliste mit weiteren etwa 150 Namen von Topsportlern bleibt verschlüsselt.

dpa

 

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