Der in Adelaide geborene Australier war kein großer Außenseiter, in der Branche zählt er schon länger zum ausgemachten Anwärterkreis auf einen der großen Titel, zumal nach seinem geteilten zweiten Platz beim Masters 2011. Acht seiner nun 18 Tour-Siege feierte Scott auf der US-Tour, nachdem er 2000 Profi wurde.
Der Mann von "down under" mit Wohnsitz in Crans-sur-Sierre in der Schweiz war vor dem vierten Turniertag in Lancashire ganz oben auf dem Leaderboard: Mit seiner Eröffnungsrunde mit herausragenden 64 Schlägen legte er den Grundstein für eine solide Vier-Schläge-Führung vor der Finalrunde. Der Wind sorgte am Sonntag für typische, tückische British-Open-Bedingungen und einen echten, würdigen Test samt einer Zitterpartie, die dem Profi aus Australien am Ende sogar den Titel kostete.
Mit vier Schlägen Vorsprung ging der 32-Jährige am Schlusstag auf den Par-70-Kurs von Royal Lytham & St. Annes. "Je älter man wird, desto besser kann man damit umgehen", sagte Scott und versuchte den Angriff der wenigen noch verbliebenen ernsthaften Konkurrenten abzuwehren. Ernie Els ist aber noch einmal knapp elf Jahre älter als Adam Scott und wusste um seine Chance. Nach einer soliden Front-Nine bewältigte der Südafrikaner die zweiten neun Löcher mit vier unter Par und legte damit den Grundstein, Scott ins Wackeln zu bringen und damit für seinen Sieg.
Der Australier ging als Weltranglisten-Zwölfter in die Open und wird die Woche auf dem schwierigen Dünenplatz mit den 206 Bunkern (und ohne ein Wasserhindernis) aus zwei Gründen in Erinnerung behalten. Seine gelungene Auftaktrunde, drei Tage nach seinem Geburtstag, hatte er so geschildert: "Ich habe mir einfach vorgestellt, es ist schon der Schlusstag und alles gegeben".
Das war scheinbar keine gute Vorbereitung auf den entscheidenden Tag, an dem schon so viele komfortabel Führende eingebrochen sind, weil sie ihrer eigenen Nerven nicht mehr Herr wurden. Nach einem Birdie an Loch Nummer 14 hatte Scott immer noch vier Schläge Vorsprung und sah wie der sichere Sieger aus. Dann begannen die Hände zu zittern. Machbare Putts fanden nicht den Weg ins Loch (15 und 16) einen Schlag auf das Grün verzog er ins Rough (17) und den Abschlag an der 18 versenkte er im Bunker.
Am Samstag war Scott bei zunehmend elektrisierender Stimmung auf dem traditionsreichen Kurs an der englischen Nordwestküste noch ruhig geblieben. Sein Rezept: "Man muss Wege finden um abzuschalten. Ich habe Glück in dieser Woche, denn meine Familie ist hier und ich verbringe Zeit mit ihnen außerhalb des Golfplatzes, das ist immer sehr entspannend."

Am frühen Sonntagabend war davon aber nichts mehr zu spüren. Noch einmal machte er die Tür für ein Play-off mit dem dritten Schlag auf dem Schlussloch auf. Der Ball biss drei Meter neben der Fahne ins Grün. Den Par Putt pullte er aber übernervös am Loch vorbei. Aus - wieder kein Major-Titel! Ernie Els durfte jubeln. Für Scott blieb nur Mitgefühl und nagender Ärger.
Scott ist berühmt für seinen "perfekten" Schwung, steckt in der Schublade "gut aussehend" und gehört zu der für Sponsoren attraktiven Garde junger, sportlicher Profigolfer mit globaler Ausstrahlung. Johan Elliot, der schwedische Manager von Martin Kaymer, betreut auch Scott. Dem Rat seines legendären Landmannes Greg Norman folgend, spielte Scott zunächst einige Jahre auf der European Tour, ehe er den Sprung in die Staaten wagte. Seit 2011 pflegt er geschäftliche Beziehungen nach Stuttgart, weil Mercedes-Benz ihn als Markenbotschafter unter Vertrag nahm.
Der leidenschaftliche Surfer, Klavier- und Gitarrespieler war mit "großen Erwartungen" angetreten, "denn die habe ich immer an mich selbst". Scott schlug bereits zuversichtliche Töne an, als er sich auf den Weg machte, den Traum vom Major-Sieg zu realisieren: "Ich spiele gut, aber ich denke das Beste kommt noch."
Das Beste kam tatsächlich noch kommen. Jedes Jahr werden vier Major-Turniere gespielt. Oder, wie es der Sieger Ernie Els ausdrückte: "Er wird noch viele Majors gewinnen. Nur nicht heute".
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