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03.04.2012, 07:32

US-Masters: Interview mit dem Martin Kaymer

"Gegen mein Gefühl - das werde ich nicht mehr tun"

Seine Leistungskurve zeigt vor dem prestigeträchtigsten Turnier des Jahres nach oben. Doch in Georgia hat Deutschlands Nummer eins bislang nie gut ausgesehen: vier Starts, viermal ausgeschieden. Wie packt Martin Kaymer (27) das US-Masters in Augusta (Donnerstag bis Sonntag) jetzt an? Im Interview mit dem kicker nennt er seine Strategie.

Augusta ist eher Herausforderung, denn mentale Belastung für Martin Kaymer.
Augusta ist eher Herausforderung, denn mentale Belastung für Martin Kaymer.
© Getty ImagesZoomansicht

kicker: Wie beurteilen Sie Ihren bisherigen Saisonverlauf nach fünf Turnieren mit zwei Top-Ten-Platzierungen, Herr Kaymer?

Martin Kaymer: Die Leistungskurve und mein Gefühl auf dem Golfplatz zeigen in die richtige Richtung.

kicker: Beginnt die Saison nun am Donnerstag erst richtig?

Kaymer: Nein, die Saison geht für mich immer im Januar in Abu Dhabi los - nicht nur physisch, sondern auch psychisch.

kicker: War es richtig, sich diesmal vor dem Masters eine noch längere Turnierpause zu nehmen?

Kaymer: Ich bin überzeugt davon, sonst hätte ich diese Entscheidung nicht so getroffen. Ich plane in diesem Jahr meinen Turnier-Rhythmus mit größeren Pausen. Ich habe in den vergangenen Jahren auf der Tour gemerkt, dass mir das guttut und habe in den drei turnierlosen Wochen vor dem Masters intensiv trainiert, vor allem mein kurzes Spiel. Ich fühle mich gut.

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kicker: Wie macht sich die bewusst zurückgeschraubte "Öffentlichkeitsarbeit" bemerkbar?

Kaymer: Nachdem ich letztes Jahr die Nummer eins in der Welt wurde, stieg der Medienrummel um meine Person nachvollziehbarerweise merklich an. Ich habe viele tolle Sachen erlebt, interessante Leute kennenlernen dürfen. Das durfte ich erst einmal als Lohn der harten Arbeit genießen, musste es im nächsten Schritt aber einordnen und verarbeiten. Mein Fokus für 2012 ist strikt auf das Wesentliche ausgerichtet - meinen Sport und mein Training. Das tut mir und meinem Spiel gut.

kicker: Zum Teil reagieren Medien ungeduldig, wenn Turniersiege nicht Schlag auf Schlag folgen. Ärgert Sie das?

Kaymer: Für mich haben Siege auch eine besondere Bedeutung - keine Frage! Es sollte aber offensichtlich sein, dass man bei dieser Leistungsdichte in unserem Sport und der Menge an Top-Profis nicht jede Woche gewinnen kann. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich unter zu starken Druck gesetzt werde.

kicker: Das Golf-Magazin schreibt, als Martin Kaymer viermal die beiden Schlussrunden zu verpassen sei wie ein wiederholtes Aus der Bayern in der Champions-League-Qualifikation. Passt der Vergleich?

Kaymer: Letztes Jahr bin ich als Weltranglistenerster zum Masters gefahren und durfte am Wochenende leider nur zuschauen, das war natürlich schon bitter. Anders als in der Champions League ist es beim Masters allerdings so, dass jeder der teilnehmenden Profis eine Chance hat, das Turnier zu gewinnen - oder eben am Cut zu scheitern. Zum Glück reißt in jedem Sport eine Serie irgendwann, sodass ich auch dieses Jahr zuversichtlich bin.

kicker: Korrigieren Sie Ihre Strategie?

Kaymer: Im letzten Jahr habe ich etwas zu sehr versucht, den Platz zu spielen, wie man ihn spielen sollte, und alles perfekt zu machen, deshalb auch ab und an Schläge entgegen meinem Gefühl gemacht. Das werde ich nicht mehr tun.

kicker: Wie stark ist jetzt die mentale Belastung?

Kaymer: Ich bin mir dessen bewusst, dass meine Masters-Statistik nicht gerade gut aussieht. Es ist jedoch auch einer der schwierigsten Plätze, die ich je gespielt habe. Ich sehe das nicht als mentale Belastung, sondern jedes Jahr als neue Herausforderung. Ich freue mich schon wieder darauf.

kicker: Gefällt Ihnen eigentlich der Platz, die Atmosphäre dort?

Kaymer: Augusta ist in meinen Augen einer der schönsten Golfplätze weltweit, einfach ein Traum. Ich fühle mich hier wie in einem schönen Garten, in dem ich eine Runde Golf spielen darf. Dazu das Grüne Jackett, die lange Tradition, das hohe Niveau - eine einzigartige Atmosphäre.

kicker: Mit welchem Resultat wären Sie zufrieden?

Kaymer: Ich habe zu Beginn des Jahres als Ziel eine gute Runde beim Masters definiert. Bei dieser Zielsetzung bleibe ich auch hier und heute. Wenn es gut laufen sollte, kann ich ja noch weiter schauen. Nachdem ich nun viermal am Cut gescheitert bin, finde ich es vernünftig, wenn ich sage, dass ich dieses Mal auch gerne am Wochenende spielen würde.

kicker: Gibt es neue Tipps von Kollegen?

Kaymer: Natürlich tauscht man sich unter Kollegen hin und wieder aus. Ich habe im vergangenen Jahr nach meinem Ausscheiden einige Zeit mit Bernhard Langer darüber gesprochen.

kicker: Auf wen würden Sie in diesem Jahr setzen?

Kaymer: Eigentlich sind es die üblichen Verdächtigen: Rory McIlroy spielt dieses Jahr sehr konstant und so was wie in der letztjährigen Finalrunde (vier Schläge Vorsprung, brach mit 80 Schlägen völlig ein, Anm. d. Red.) wird ihm nicht noch mal passieren. Auch das Spiel von Luke Donald kommt dem Platz sehr entgegen. Tiger Woods hat jetzt auch wieder gewonnen und um seine Beziehung zu Augusta weiß jeder.

Interview: Jörg Jakob

03.04.2012, 07:32
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